Cook verlangt Truppen-Abzug: Blairs Kritiker melden sich zurück

Cook verlangt Truppen-Abzug
Blairs Kritiker melden sich zurück

Nach zehn Tagen Krieg haben sich am Wochenende die parteiinternen Kritiker des britischen Premierministers Tony Blair in ungewöhnlich scharfer Form zurückgemeldet. Blairs ehemaliger Außenminister Robin Cook rief ihn auf, alle britischen Soldaten aus dem Irak zurückzuziehen. Der Krieg sei "blutig und ungerecht", schrieb Cook im "Sunday Mirror".

HB/dpa LONDON. Der ehemalige Verteidigungs-Staatssekretär Doug Henderson unterstützte Cooks Forderung. So wie Cook dächten viele in der Labour-Partei, sagte er. Ein Sprecher Blairs lehnte einen Rückzug dagegen ab. Innenminister David Blunkett stellte Cook die Frage: "Wer soll deiner Meinung nach gewinnen?" Eine "Kapitulation nach nur zehn Tagen" würde nicht nur den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, sondern Diktatoren in aller Welt ungemein stärken, sagte Blunkett.

Eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage im Auftrag der für den Krieg werbenden Boulevardzeitung "News of the World" ergab, dass nur elf Prozent der Briten für einen Rückzug sind; 84 % unterstützten eine Fortsetzung des Krieges bis zum Sieg, der Rest sei unentschieden.

Cook, der vor zweieinhalb Wochen aus Protest gegen den erwarteten Krieg als Fraktionschef der Labour-Partei zurückgetreten war, warf den USA und Großbritannien vor, die gesamte muslimische Welt gegen sich aufzubringen. Sie riskierten ein "langfristiges Erbe des Hasses auf den Westen".

Der langjährige politische Weggefährte Blairs beschuldigte US- Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sie hätten wohl auf einen schnellen Sieg gesetzt und wüssten jetzt nicht weiter. "Niemand sollte einen Krieg in der Annahme beginnen, dass die feindliche Armee schon kooperieren wird. Aber das ist genau das, was Präsident Bush getan hat."

Bush und Rumsfeld seien nun offenbar dem Gedanken verfallen, Bagdad zu belagern und darauf zu warten, dass sich Saddam Hussein ergebe. "Es gibt keine brutalere Form der Kriegsführung als eine Belagerung", warnte Cook. "Die Leute hungern. Kinder sterben." Henderson sprach von einer "höllischen" Situation im Irak. "Jetzt, da wir sehen, dass unsere Soldaten von der Bevölkerung abgelehnt werden, beginnt man sich doch zu fragen, wie wir das jemals gewinnen sollen", sagte er.

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