Corporate-Governance: Aus Angst, nicht aus Überzeugung

Corporate-Governance
Aus Angst, nicht aus Überzeugung

Diese Hauptversammlung wird Jean-Pierre Garnier so schnell nicht vergessen. Völlig unvorbereitet hatte es den Vorstandschef des britischen Pharmariesen Glaxo-Smithkline vergangenes Jahr getroffen, als ihn wutschäumende Anleger in aller Öffentlichkeit zur Zielscheibe machten. Die aufgebrachten Aktionäre ereiferten sich über die Höhe des Gehaltspakets des Vorstands und kippten schließlich den Millionen schweren Plan mit einer knappen Mehrheit.

Solch eine Revolte hatte Großbritannien noch nie gesehen. Noch tagelang gifteten die Zeitungen mit großen Schlagzeilen gegen die "Fat cats". Als fette Kater pflegen die Briten ihre gierigen Konzernbosse zu beschimpfen, wenn sie Selbstbedienungsmentalität erkennen lassen.

Das Debakel für den Glaxo - Smith-Kline-Vorstand zeigt, welche Gefahr das neue Selbstbewusstsein der Aktionäre für die Topetagen der Konzerne birgt. Seit sich die Bilanzen mehrerer großer Unternehmen als Luftnummern erwiesen haben und seit sich hochrangige Manager des Vorwurfs der Untreue erwehren müssen, schauen Anleger den Unternehmenslenkern genauer denn je auf die Finger. Für Manager werden Vorsorge und Sicherheitsdenken deshalb immer wichtiger. Ihr Rettungsanker heißt nun Corporate Governance: Mit festen Regeln zur ordentlichen Unternehmensführung wollen sie die Aktionäre beruhigen und in Schach halten.

Der Großteil der europäischen Konzerne hat sich entsprechend gewappnet, zeigt eine Studie von Kienbaum Consultants International und Hewitt Associates, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Bereits 73 Prozent der befragten Unternehmen haben sich selbst schriftlich fixierte Regeln zur Corporate Governance auferlegt. Damit hat sich die Corporate-Governance-Idee erstmals bei der Mehrheit der großen europäischen Aktiengesellschaften durchgesetzt. "In den Unternehmen hat in jüngster Zeit ein starker Bewusstseinswandel stattgefunden", beobachtet Marc Gläser von Kienbaum in Gummersbach. "Nach anfänglichem Zögern haben die meisten Manager ihre Zurückhaltung gegenüber dem Thema jetzt abgelegt."

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