Corporate-Governance
Fonds klopfen Firmen auf die Finger

Gegen unternehmerische Fehlentscheidungen formiert sich immer öfter eine schlagkräftige Opposition - weltweit. Experten bemängeln dennoch, dass sich in Deutschland immer noch zu wenige Anteilseigner aktiv einmischen, wenn es darum geht, die eigenen Vermögensinteressen zu wahren.

HB FRANKFURT/LONDON. Immer häufiger gehen Investoren auf die Barrikaden und wehren sich, wenn sie Firmenlenker auf falschem Kurs wähnen. Auf den jeweiligen Hauptversammlungen wird dann abgerechnet. Einige deutsche Fondshäuser marschieren nun in Sachen "Corporate Governance", der interessengerechten Unternehmensführung, nach vorn und fordern andere Anlegergruppen zu mehr Engagement auf.

Gestern tat in London mit Isis der erste britische Fondsmanager einen Schritt zu mehr Transparenz. Die immerhin 83 Mrd. verwaltende Gesellschaft präsentierte eine Studie über ihr Abstimmungsverhalten auf den besuchten Hauptversammlungen im vergangenen Jahr. Isis stimmte bei 92 % aller Entscheidungen im Sinne des Managements ab, in 5 % der Fälle gegen die vorgelegten Entwürfe. Bei Gehaltsfragen stimmte Isis sogar in exakt einem Fünftel der Fälle gegen die vorgeschlagene Vergütung.

Diese Initiative dürfte vorerst die einzige bleiben. Obwohl Fonds und Investoren die Unternehmen zu mehr Transparenz auffordern, sehen die Aktionäre selbst keine Notwendigkeit, ihr Stimmverhalten zu erläutern. Das gilt etwa für die Vereinigung der britischen Versicherer, deren Mitglieder ein Fünftel des britischen Aktienmarktes besitzen. Ähnlich zurückhaltend ist der Verband der Pensionsfonds NAPF, der ebenfalls ein Fünftel des Marktes repräsentiert. "Wie unsere Mitglieder abstimmen, ist ihre Sache. Genauso wie die Frage, ob sie ihre Entscheidung bekannt geben wollen."

"Von so einer Statistik hat der Anleger nichts", kommentiert DWS - Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen die Isis-Offensive. Nicht nur Deutschlands größte Fondsgesellschaft reagiert abwehrend, auch SEB Invest. "Das sagt dem Anleger nichts darüber, wo und warum im Einzelfall für oder gegen einen Vorschlag gestimmt wurde", bündelt Thomas Körfgen, Leiter des Aktienfondsmanagements bei der SEB - Fondstochter, seine Skepsis.

In Deutschland machen sich mit DWS, Union Investment und der kleinen SEB Invest drei Fondsfirmen für Corporate Governance stark. Sie nutzen das gesamte Einflussspektrum von bilateralen Gesprächen mit den Firmen bis zu Abstimmungen auf Hauptversammlungen. "Wir sehen nicht ein, warum die Chefs fast automatisch in den Aufsichtsrat wechseln sollen", sagt Union-Fondsmanager Boris Schabwoski. Konsequenterweise stimmten Union und DWS auf der jüngsten Hauptversammlung der Hypo-Vereinsbank (HVB) gegen den Wechsel von Albrecht Schmidt in den Aufsichtsrat. SEB Invest wehrte sich gegen die gleiche Aktion von Henning Schulte-Noelle bei der Allianz.

Union-Mann Schabowski sieht in Deutschland zwar "einen klaren Trend zu Corporate Governance". Doch dazu müssen weit mehr Investoren den Mund aufmachen.

Die genannten drei Häuser erreichen auf Hauptversammlungen großer Unternehmen meist nur wenige Prozent des Kapitals. Das führt zu keiner fühlbaren Einflussnahme. "Viele Institutionelle üben ihr Stimmrecht nicht aus. Aber sie sollten ihre Verantwortung ernst nehmen", sagt Kaldemorgen. Das gilt auch für Private, die ihr Depotstimmrecht meist nicht wahrnehmen. Körfgen rät ihnen, im eigenen Interesse stärker auf gute Unternehmensführung zu achten: "Firmen, die im Sinne ihrer Eigentümer arbeiten, liefern langfristig auch eine bessere Aktienperformance."

Ein weiterer Hemmschuh sind die Unternehmensverflechtungen. Die Münchener Rück etwa hält ein Viertel des Kapitals an der HVB. "Da hackt einer Krähe der anderen keine Auge aus", beschreibt ein Analyst das Dilemma.

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