Corporate Governance Kodex
Spitzenmanager sollen Gehälter offen legen

Die Bezüge von Vorstandsmitgliedern bleiben nicht länger ein Geheimnis: Die Corporate-Governance- Kommission unter Leitung von Gerhard Cromme einigte sich auf weit reichende Regelungen zur Offenlegung der Vergütungen. Aktionärsschützer und die Bundesregierung begrüßten den Schritt.

dih/ajo/lü/gof DÜSSELDORF. Aktiengesellschaften, die die Bezüge ihrer Manager nicht veröffentlichen, müssen dies künftig jährlich ausführlich begründen. Bislang war die Offenlegung der Bezüge lediglich als unverbindliche Anregung im Kodex enthalten, von der ohne Begründung abgewichen werden konnte.

"Wenn die Leistungsorientierung nicht nur strikt eingehalten, sondern auch offen kommuniziert wird, dann wird auch die Kritik an Managergehältern leiser werden und das Vertrauen in die Unternehmen steigen", begründete die Kommission die Neuerungen.

Die Kommission selbst spricht von "Schwachstellen in der bisherigen Umsetzung" des Kodexes. Tatsächlich geben unter den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften derzeit nur sechs (Altana, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, SAP und Thyssen-Krupp) exakt an, wie viel jedes Vorstandsmitglied genau verdient. Drei weitere (Telekom, MAN, Schering) nennen das Salär des Vorstandschefs.

Auch der Umfang der Offenlegung wird erheblich erweitert. So soll die Vergütung nach ihren Bestandteilen aufgeschlüsselt werden. Aktiengesellschaften sollen die Grundzüge des Vergütungssystems im Internet in allgemein verständlicher Form erklären und im Geschäftsbericht erläutern. Dazu gehören auch Angaben zum Wert von Aktienoptionen. Nach dem Willen der Kommission sollen künftig Aktienoptionen für Top-Manager an anspruchsvolle Vergleichsmaßstäbe geknüpft werden.

In den vergangenen Wochen war der Druck auf die Kommission gewachsen, für mehr Transparenz zu sorgen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte dem Handelsblatt gesagt, sie wolle die Offenlegung der Gehälter notfalls per Gesetz erzwingen. In Kreisen der Bundesregierung hieß es gestern, mit den jetzt beschlossenen Neuerungen werde eine gesetzliche Regelung hinfällig.

Nach Auffassung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) war die Entscheidung längst überfällig. Andere Länder seien Deutschland weit voraus: In England beschließe seit Anfang des Jahres die Hauptversammlung über die Vorstandsvergütung mit. "Die sind damit schon quasi zwei Schritte weiter als wir", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Institutionelle Anleger äußerten sich positiv zu der Entscheidung. "Wichtig ist insbesondere, dass durch diese Neuregelung mehr Transparenz in den Jahresabschluss hineinkommt", sagte Markus Temme von der Fondsgesellschaft Union Investment dem Handelsblatt. Der Wirtschaftsrechtler Marcus Lutter, selbst Mitglied der Kommission, nannte die Neuerungen "das aus momentaner Sicht beste denkbare Ergebnis".

Verhalten reagierten die betroffenen Unternehmen. So hieß es etwa bei Porsche, man sehe keinen Grund, von der bisherigen Praxis abzuweichen und die Vorstandsbezüge einzeln auszuweisen. Ein BMW-Sprecher sagte, er bezweifle den Erkenntnisgewinn aus einer individualisierten Darstellung.

Mit den Neuerungen kommt die von der Bundesregierung eingesetzte Corporate-Governance-Kommission ihrem Auftrag nach, den Kodex einmal jährlich zu überarbeiten. Die Kommission hatte den Kodex Ende Februar 2002 verabschiedet. Er fasst einerseits die gesetzlichen Rahmenbedingungen für börsennotierte Unternehmen in Deutschland zusammen, um sie Investoren verständlich zu machen, und gibt andererseits Empfehlungen und Anregungen für eine aktionärsfreundlichere Unternehmensführung. Das Transparenz- und Publizitätsgesetz verpflichtet die Unternehmen seit Juli 2002, darzulegen, ob sie den Kodex voll akzeptieren, oder in welchen Punkten sie aus welchen Gründen von den Empfehlungen abweichen. Von den Anregungen des Kodexes können die Unternehmen hingegen abweichen, ohne dies öffentlich bekannt zu geben.

Die EU-Kommission will neben der Offenlegung der Gehälter der Unternehmensführungen auch die Anleger besser vor betrügerischen Geschäftsberichten schützen. Entsprechende Pläne von Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein segnete die Brüsseler Behörde gestern ab. Danach sollen Manager künftig für die Richtigkeit der Bilanzen selbst haften. Irreführende Berichte sollen mit einem europaweiten Berufsverbot geahndet werden. Auch sollen Manager für den Konkurs eines Unternehmens persönlich zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Mitgliedstaaten müssen der Vorlage zustimmen.

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