Coulthard bleibt vorsichtig
Schumacher startet beruhigt in den Urlaub

Der Weltmeister kann sich im Urlaub getrost entspannen - mit seinem Vorsprung könnte er schon beim Heim-Rennen in Hockenheim als Champion feststehen.

dpa MONTE CARLO. Sie speisten gemeinsam beim fürstlichen Champions-Dinner, doch in der Weltmeisterschaft trennen sie Welten: Michael Schumacher steuert auch nach dem Sieg von David Coulthard geradewegs auf seinen fünften Titel zu und kann entspannt in seinen Amerika-Urlaub starten. Der viermalige Weltmeister kann trotz der gerissenen Erfolgsserie beruhigt eine Pause einlegen - mit seinem nun auf 33 Punkte gewachsenen Vorsprung könnte er schon in zwei Monaten beim Heim-Rennen in Hockenheim so früh wie nie als Champion feststehen. Dennoch fühlte sich Schumacher nach dem Großen Preis von Monaco in seinen Vorhersagen bestätigt. "Ich glaube, dass jetzt sehr viele in Erklärungsnot geraten, die McLaren-Mercedes am Anfang des Jahres schon abgeschrieben haben", meinte der Ferrari-Star.

Die Beobachter feierten das Monaco-Resultat am Montag als Erfolg für die nach der Stallorder-Aktion von Ferrari in Spielberg heftig umstrittene Formel 1. "Coulthards Sieg hilft, das befleckte Image wieder herzustellen", fand die englische "Times". Ferrari erntete nach zwei Wochen der Kritik in der Heimat endlich wieder Lob: Als "größten Sieg in Monte Carlo" würdigte die "Gazzetta dello Sport" die Ankündigung der "Roten", Spielberg nicht zu wiederholen.

Die endlich wieder erfolgreichen "Silbernen" genossen Coulthards Sieg, den ersten des Teams seit acht Monaten, in vollen Zügen. An die Rückkehr ins Titelrennen glauben sie jedoch nicht. "Es gibt keinen Grund, jetzt euphorisch zu werden", sagte Jürgen Hubbert, das bei DaimlerChrysler für die Formel 1 zuständige Vorstandsmitglied, im Premiere-Interview. "Das war noch nicht die Wende." Auch Coulthard rechnet nicht damit, dass sich der Erfolg beim nächsten Rennen in zwei Wochen in Kanada wiederholen lässt. Monaco gilt als Sonderfall. Montreal dürfte "eine andere Geschichte sein", mutmaßte der Schotte. "Ich glaube nicht, dass wir in Kanada wieder in der ersten Startreihe stehen", so Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Angesichts von Schumachers noch größer gewordenen WM-Vorsprung zeigte sich Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo äußerst zufrieden: "Das ist so viel wert wie ein Sieg", fand er. Schumacher selbst tat sich nach dem berühmtesten Formel-1-Rennen der Welt schwer, die Kräfteverhältnisse einzuschätzen: "Ich sage immer wieder, das Blatt kann sich sehr schnell ändern. Ob sich das hier klar und deutlich geändert hat, ist eine andere Frage. Ob das auch für andere Strecken gilt, weiß ich auch nicht." Coulthard (20) schob sich auf Platz vier der WM-Wertung, hat aber 40 Punkte Rückstand auf den weit enteilten Michael Schumacher (60), der die punktgleichen Williams-BMW-Verfolger Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya (27) immer klarer hinter sich lässt. Der Spitzenreiter könnte drei Rennen pausieren und wäre immer noch vorn.

Bis zum Kanada-Grand-Prix nimmt Schumacher eine Auszeit. Nach dem PS-Spektakel in Monaco traf er sich zum lockeren Plausch mit der Konkurrenz - Norbert Haug und BWM-Sportdirektor Gerhard Berger - im Zelt von Formel-1-Wirt Karl-Heinz Zimmermann. Dann begab er sich wie Coulthard zur vornehmen Einladung der monegassischen Fürsten-Familie. In dieser Woche überlässt er die Ferrari-Testfahrten in Silverstone und Monza den Kollegen, stattdessen urlaubt er mit Ehefrau Corinna in Nordamerika und kehrt erst in Montreal in sein Dienstauto zurück. Dass der Ferrari immer noch stark ist, zeigte sich auch in Monaco. Schumacher war über weite Strecken schneller, kam aber auf dem engen Stadtkurs nicht an Coulthard vorbei. "Wir können davon ausgehen, dass wir die Schnellsten auf der Strecke waren", meinte der Kerpener. "Die WM-Situation ist positiv", urteilte Ferrari-Teamchef Jean Todt. Der Franzose fürchtet in einer durch das Wettrüsten der Reifen-Hersteller unberechenbaren Saison aber jederzeit einen Entwicklungssprung der Michelin-Teams Williams und McLaren: "Wenn sie etwas finden, was deutlich überlegen ist, sind gleich vier Autos vor uns."

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