Countdown für das Euro-Bargeld
Schlangen an Automaten und Schaltern unvermeidbar

"Stellen Sie sich nicht im Januar in die Schlange", rät eine freundliche Stimme in der Telefon-Warteschleife der Taunussparkasse. Damit in rund vier Monaten die Warteschlangen bei der Euro-Ausgabe nicht bis auf die Straße wachsen, sollen Sparer ihre Strümpfe und Schweine leeren und das Kleingeld noch in diesem Jahr bei Banken und Sparkassen einzahlen.

Reuters. FRANKFURT/M. Zwar sehen sich die Geldhäuser für die Euro-Bargeldeinführung am ersten Januar 2002 gewappnet, der Ansturm auf Geldautomaten und Filialen könnte dennoch groß sein. Schließlich will doch jeder endlich das neue Geld in den Händen halten. Mit vorübergehenden Engpässen rechnen daher die meisten Banken, auch wenn endlose Warteschlangen ausbleiben.

Bei der Taunussparkasse rechnet man in der ersten Januarwoche mit einem regelrechten "Run" auf die Filialen. Längere Wartezeiten würden sich deshalb zum Jahresbeginn nicht vermeiden lassen, sagt Karsten Thiele, Euro-Projektleiter der Taunussparkasse. Mit riesigen Schlangen sei aber nicht zu rechnen: "Für mich fängt eine Schlange erst an, wenn sie bis auf die Straße reicht." Die Aufregung wird sich seiner Ansicht nach aber schnell legen: "Nach 14 Tagen redet dann keiner mehr über den Euro." Wie die meisten Beschäftigten der Branche haben auch die Mitarbeiter der Taunussparkasse zum Jahreswechsel eine Urlaubssperre.

"Man muss schon mit gewissen Warteschlangen rechnen", sagt Commerzbank-Sprecher Stefan Roberg. "Da wir aber unsere Kunden immer wieder darauf hingewiesen haben, ihre DM-Bestände rechtzeitig einzuzahlen, rechnen wir mit keinen größeren Problemen." Länger arbeiten müssen die Commerzbank-Mitarbeiter wegen der Euro-Bargeldeinführung im Gegensatz zu vielen anderen Bankangestellten deshalb nicht. "Wir werden mit den bestehenden Personal- und Zeitkapazitäten klarkommen", bekräftigt Roberg.

Nicht alle Banken geben sich so gelassen. "In den ersten Januartagen werden unsere Mitarbeiter stark zur Brust genommen", prognostiziert Lothar Becker, Euro-Projektleiter der Nassauischen Sparkasse (Naspa). Deshalb werden die Naspa-Geschäftsstellen in den ersten Tagen des neuen Jahres länger offen sein. Allein der "Neugier-Effekt" werde viele Menschen in die Banken locken. Damit neben Privatleuten nicht auch noch Geschäftskunden Anfang Januar in die Banken strömen, können sie ihre Tageseinnahmen im Gegensatz zu früheren Sylvestertagen schon am 31. Dezember abliefern. Becker erinnert außerdem daran, dass Zinseinträge ins Sparbuch nicht in der ersten Januarwoche vorgenommen werden müssen. Ein späterer Eintrag bedeute keinen Wertverlust und verhindere ein unnötiges Ausweiten von Warteschlangen.

"Nicht sofort zum Geldautomaten rennen"

Auch an den Geldautomaten könnte es zum Jahresbeginn zu großem Andrang kommen. "Wenn jeder sagt: ich brauche unbedingt sofort Euro, klar, dann gibt es Wartezeiten", sagt Dresdner-Bank-Sprecher Markus Temme. "Man sollte sicherlich auch nicht unbedingt um 0.01 Uhr zum Geldautomaten rennen", fügt er hinzu. Thiele rät daher, vor allem EC- und Kreditkarten zu benutzen. "Außerdem kann man ja auch noch bis Ende Februar mit D-Mark zahlen", fügt er hinzu.

Bei der Ausgabe der sogenannten "Starter Kits" erwarten die Banker hingegen keine Engpässe. "Das wird ganz schnell gehen: Sie geben ihre 20 Mark über den Tresen und erhalten dafür dann das Päckchen mit den Euro-Münzen", erwartet Roberg. Ab dem 17. Dezember werden die Banken und Sparkassen "Münzhaushaltsmischungen", auch "Starter Kits" genannt, im Wert von 10,23 Euro zum Preis von 20 Mark ausgeben. Mit diesen Euro-Münzen sollen die Bürger die neuen Geldstücke kennen lernen. Insgesamt haben die Banken und Sparkassen nach Angaben der Bundesbank 53,5 Millionen solcher Geldsäckchen bestellt. Als gesetzliches Zahlungsmittel dürfen die Euro-Münzen aber erst im neuen Jahr verwendet werden.

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