„Coupé“-Gründer startet am Donnerstag Boulevard-Zeitung „X-News“
Neues Blatt für alte „Bravo“-Leser

Begleitet von einer teuren Fernseh-Werbekampagne soll diesen Donnerstag die neue Boulevardzeitung "X-News" auf den Markt kommen. Als Zielgruppe haben die Blattmacher junge Leute ab 16 Jahre im Visier, die für die "Bravo" schon zu alt sind. Doch Branchenkenner geben dem Heft kaum eine Chance.

pes/lip DÜSSELDORF/HAMBURG. Mit dem neuen wöchentlichen Boulevardblatt "X-News" kehrt Klaus Helbert, Gründer des Yellow-Press-Magazins "Coupé", auf den hart umkämpften Print-Markt zurück. Diesen Donnerstag geht der Titel mit einer Million Exemplaren zum Preis von 1 Euro an den Start. "Wir machen eine Zeitungsillustrierte für das Wochenende", so Manfred Meier, journalistischer Berater des Wiesbadener Verlegers Helbert, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Meier war zuvor sechs Jahre Unterhaltungschef der Springer-Zeitung "Bild". Als Leser haben Helbert und Meier junge Leute ab 16 Jahren im Visier, "die für die Zeitschrift Bravo zu alt sind".

Helbert hatte die restlichen Anteile des Klaus Helbert Verlags ("Coupé", "Blitz Illu", "Piep") Anfang letzten Jahres für einen Preis zwischen 20 und 30 Mill. Euro an den Hamburger Bauer- Verlag verkauft. Jetzt wagt er mit dem Titel aus seinem Unternehmen Impress Verlag einen neuen Anfang. Ebenfalls an dem Projekt "X-News" beteiligt ist die am Neuen Markt notierte Internolix AG, an der Helbert das Mehrheitsstimmrecht hält.

Zwar räumen Branchenkenner Boulevard-Blättern für jüngere Leserkreise durchaus Chancen bei den Anzeigenkunden ein, doch sind die Marktvoraussetzungen für einen Zeitschriftenstart zur Zeit schlecht. Immerhin geht es für People-Magazine wie die "Bunte" aus dem Hause Burda auflagenmäßig zurzeit steil aufwärts, doch der Werbemarkt ist im vergangenen Jahr weltweit um rund 5 % eingebrochen. "Wir alle haben noch ein schwieriges Werbejahr in den Knochen", sagt Holger Busch, Geschäftsführer des Verbands der Zeitschriftenverleger (VDZ). Das mache den Zeitschriftenstart aus Wiesbaden zu einem "ambitionierten Unternehmen". Auch Dietmar Rehker, Geschäftsführer der Mediacom in Düsseldorf, einer der größten Vermittler- Agenturen für Werbung, sieht das Projekt "skeptisch". Die Werbebudgets vieler Unternehmen seien noch nicht verabschiedet, und Anzeigen-Kampagnen würden dementsprechend nur sehr zurückhaltend gebucht. Besonders in dieser Situation müsse ein neuer Titel mit viel Aufwand beworben werden.

In Wiesbaden spricht man von einer "millionenschweren" Werbekampagne auf privaten Fernsehkanälen, die Mittwoch Abend starten solle, verspricht Meier. Der Helbert-Berater baut bei den Einnahmen auf größere Vertriebserlöse aus Kioskverkäufen, die Anzeigen-Erlöse würden dagegen eher gering ausfallen.

Mit Sex-Themen wie "Teppichluder Janina" oder "menschlich anrührenden Fotos" von schweren Autounfällen will Bild-Mann Meier die Leser unterhalten. Aber auch deutsche Politik soll nicht zu kurz kommen. Zu den Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder und Edmund Stoiber stelle "X-News" die Frage, was besser sei: "Armani oder Lederhose?", gibt Meier die Richtung vor. Außerdem solle mit verständlichen Mitteln erklärt werden, warum Deutschland wirtschaftlich nicht gut dastehe.

40 Mitarbeiter werden das wöchentliche Blatt produzieren. Zumindest der optische Eindruck von "X-News" soll "Bild am Sonntag" Konkurrenz machen: Format und Papier gleichen dem Spinger-Klassiker. Gedruckt wird ebenfalls in Springer-Druckereien.

"Bild am Sonntag"-Chefredakteur Claus Strunz blickt gelassen auf die neue Konkurrenz, die außer dem Format kaum Parallelen zu der Springer-Sonntagszeitung aufweise. Strunz bezweifelt vielmehr, ob das Printobjekt den journalistischen Ansprüchen einer Kaufzeitung mit Millionenauflage gerecht wird.

Springer hatte sich erst vergangenen Oktober eine blutige Nase mit einem neuen Boulevard-Projekt für junge Leser geholt. Im Raum Mannheim wurde die Zeitung "Extra" schon nach einem Monat eingestellt.

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