"Crazy Manfred" gilt als außergewöhnlich kreativ
Der mit den Steinen spricht

Hochkarätiges Spielzeug für das Kind im Millionär: "Crazy Manfreds" Edelstein-Objekte bezaubern Scheichs und Museen.

Verrückte Sachen mache er, gibt Manfred Wild zu. Das habe ihm in einem US-Fachmagazin einmal die Überschrift "Wild things" eingebracht und vor Jahren den Spitznamen "Crazy Manfred". Auch weil er, so erzählt man sich, hin und wieder mit Steinen spricht.

Fest steht, dass Wilds Objekte grundsätzlich Aufsehen erregen, besser gesagt, zuerst einmal Irritation: wie etwa die erste spielbare Klarinette aus Bergkristall mit Klappen aus Gold und Verzierungen aus Brillanten. Oder New York City als Skulptur für den Schreibtisch: 100 Wolkenkratzer aus Gold auf einer Insel aus Lapislazuli. Oder die auf Basis eines Märklin-Vorbilds gebaute, funktionstüchtig dahinschnurrende Eisenbahn aus Bergkristall und Gold, deren 18-Karat-Containerwagons mit Rubinen, Saphiren, Smaragden und Diamanten beladen sind.

Ob man Edelsteine mag oder nicht - über Wilds kühne Kreationen staunt nicht nur das Fachpublikum auf der "Intergem", der jährlich in Idar-Oberstein stattfindenden internationalen Fachmesse. Auf die Fertigkeiten des 59-Jährigen greifen bei kniffligen Auftragsarbeiten auch Nobeljuweliere aus aller Welt zurück. Und in Privatsammlungen rund um den Globus stehen Wilds Objekte genauso wie im Bostoner Harvard Museum, im Iksan Jewelry Museum in Korea, im Smithsonian in Washington, im Knauf-Museum in Iphofen und natürlich im Deutschen Edelsteinmuseum in Idar- Oberstein.

Der Leiter und Kreateur der Firma Emil Becker aus Kirschweiler ist seit über 40 Jahren im Geschäft. Er stammt aus einer Dynastie von Steinschleifern, die sich bis ins Jahr 1630 zurückverfolgen lässt. Allerdings gilt "Crazy Manfred" selbst bei passionierten Kollegen als außergewöhnlich kreativ und perfektionistisch; für sie zählt er zu den besten Edelsteindesignern der Welt. Legendär ist beispielsweise sein 35 Zentimeter hohes und 47 Zentimeter rundes Karussell, das er in 5 000 Arbeitsstunden aus 4 114 Einzelteilen fertigte.

Als ob es nicht schon schwierig genug wäre, winzige Karussellpferdchen zu schleifen, studierte Wild jedes Buch über Karussells der Jahrhundertwende, um die schönsten Vorbilder zu finden. Schließlich kreierte er Turmalin-Pferde in klassischer Karussellpose mit abnehmbarem Zaumzeug und Satteln aus Gold. Dazu Bergkristall-Schwäne, die auf Aquamarin-Wellen schwimmen, und grüne Turmalinfrösche mit Schwimmhäuten.

Das Ergebnis ist in jedem Detail so hinreißend, dass sich ein gutbetuchter Japaner mit dem Werk in einen abgedunkelten Raum zurückzog und nach einer Stunde zu dem Ergebnis kam: "Was ist dagegen schon ein Zehn-Karäter? Nichts!" Sprach?s - und kaufte nur deshalb nicht, weil das Karussell schon "für Brunei" reserviert war.

Überhaupt, die Käufer: Wer ersteht einen Blumenstrauß mit 2 641 Blüten aus 4 236 Gramm Gold, Turmalin, Opal, Aquamarin, Rosenquarz? Einen Mercedes 500 SL aus Bergkristall, Gold, Brillanten, die Hecklampen aus Feueropal? Parfumflakons aus Rubin und Gold?

Zu Wilds Abnehmern zählen entsprechend wenige: "Vermögende Privatleute aus Europa, Asien, Arabien; Königshöfe, Sultanspaläste, Museen und Unternehmen." Wobei er sich wünschen würde, dass die Juweliere in Deutschland Edelsteinobjekten mehr Raum geben würden: "Das Interesse ist da. Das beweisen die deutschen Käufer in London, Paris und Genf."

Muss man mögen: Glitzernde Blumenbouquets und Sachen, die die Welt nicht wirklich braucht. Das Überflüssige ist das Notwendige, fand Voltaire - worüber man in Zeiten schlechter Konjunktur vielleicht streiten könnte.

Wer eine römische Galeere aus Bergkristall kauft, hat wahrscheinlich schon alles und liebt luxuriöse "Stehrümchen", wie eine rheinische Stammkundin formuliert. Und natürlich braucht es neben viel Spielgeld einen Hang zu äußerst farbenfrohen, glitzernden Objekten. Wer einen so scharfen Blick fürs Detail hat, der erkennt auch Schönes im Profanen. Und darum gibt es in Kirschweiler auch Geschenke für den kleineren Geldbeutel, Kaffeebohnen aus braunem Jaspis zum Beispiel. Oder täuschend echt wirkende Pralinen und Nüsse aus Edelsteinen. Kosten ein paar Euro und sind im Vergleich zu Blumen wirklich mal ein außergewöhnliches Mitbringsel. Mit der edlen Eisenbahn spielen inzwischen die Kinder eines Scheichs. Das gute Stück wurde vom Londoner Geschenkhaus "Asprey?s" für eine (geschätzte) viertel Million Euro nach Arabien verkauft.

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