Crédit Agricole übernimmt Crédit Lyonnais
Frankreich hat einen neuen Bankenriesen

In Frankreich entsteht einer neuer europäischer Bankengigant. Crédit Lyonnais akzeptierte am Montag eine Übernahmeofferte des genossenschaftlichen Bankenkonzerns Crédit Agricole mit einem Wert für die gesamte Bank von fast 20 Mrd. ?.

HB/dpa PARIS. Die Commerzbank und der zur Allianz gehörende Versicherer AGF haben nach Angaben vom Montag bereits signalisiert, ihre Crédit- Lyonnais-Minderheitsanteile an Crédit Agricole abzugeben.

Das neue Kreditinstitut käme auf einen Börsenwert (auf Basis der Börsenkurse vom Freitag) von rund 33 Mrd. ? und würde gut ein Viertel des französischen Bankenmarktes kontrollieren. Um Crédit Lyonnais war durch den kürzlichen Einstieg der größten börsennotierten Bank der Eurozone, BNP Paribas, ein wochenlanger Bieterstreit entbrannt. Der Verwaltungsrat von Crédit Lyonnais entschied sich jedoch für Crédit Agricole, mit der bereits seit rund drei Jahren verhandelt wurde. Die Übernahmeofferte belaufe sich auf 56 ? je Aktie und solle zu zwei Dritteln in bar und der Rest in Aktien geleistet werden, teilte die Bank in Paris mit.

Crédit Agricole erhofft sich bis 2006 Synergieeffekte von 760 Mill. ? durch Zusammenlegung in den Bereichen Verwaltung, Vermögensverwaltung und Investmentbanking. Die Filialnetze der beiden Banken soll jedoch getrennt fortgeführt werden, hieß es. Französische Gewerkschaften befürchten einen massiven Stellenabbau durch den geplanten Zusammenschluss. Über drei Jahre gesehen dürften 4600 Arbeitsplätze wegfallen. Sie forderten "soziale Garantien" für die Beschäftigten.

BNP Paribas hielt sich am Montag noch bedeckt. Die Bank mit einem Anteil von inzwischen 16,2 % an Crédit Lyonnais hatte zwar in der vergangenen Woche durchblicken lassen, bei einem entsprechenden Preis Crédit Agricole den Vorrang zu lassen. Am Montag hieß es jedoch, man wolle sich "im Augenblick alle Optionen offen lassen".

Der französische Staat hatte den Machtkampf Ende November durch eine spektakuläre Blitzauktion für seinen verbliebenen Crédit- Lyonnais-Anteil von 10,9 % ausgelöst, den er für 2,2 Mrd. ? oder 55 je Aktie an BNP Paribas abgab. Dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer war der Geduldsfaden gerissen, weil es mit der Bankenprivatisierung nicht voran ging.

Crédit Lyonnais hat eine unrühmliche, skandalgeschüttelte Vergangenheit als frühere Staatsbank. Damals war sie knapp am Zusammenbruch vorbeigeschrammt und konnte nur durch insgesamt geschätzt rund 15 Mrd. ? Steuergelder gerettet werden. Die Ermittlungen um die damaligen Affären betreffen auch den französischen Notenbankchef und Kandidaten für die Nachfolge des Präsidentenposten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. In Zusammenhang mit vermuteten Bilanzfälschungen soll er sich neben anderen ab Anfang Januar vor Gericht verantworten. Nach ihrer Privatisierung 1999 erwirtschaftet die "neue" Crédit Lyonnais inzwischen wieder Gewinne.

Crédit Agricole hatten zuletzt ihren Anteil auf 17,4 % an Crédit Lyonnais aufgestockt. Mit den Aktienpaketen, die von der Commerzbank, von AGF, der spanischen BBVA und der italienische InesaBCI im Umfang von zusammen 21,2 % bereitgestellt wurden, sind bereits 38,6 % des Crédit-Lyonnais-Kapitals gesichert. Die Aktien beider Banken waren am Montag an der Pariser Börse vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden.

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