Creditreform-Einschätzung: Rekord-Pleitewelle in Deutschland

Creditreform-Einschätzung
Rekord-Pleitewelle in Deutschland

Die schwache Konjunktur sowie eine restriktive Kreditvergabe vieler Banken haben in Deutschland im vergangenen Jahr zu einer Rekord-Pleitewelle beigetragen. Ungewöhnlich viele Großkonzerne wie KirchMedia und Philipp Holzmann mussten Insolvenz beantragen. Eine Besserung sieht der Informationsdienstleister Creditreform 2003 nicht.

Reuters DÜSSELDORF. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sei in Deutschland 2002 um 16,4 Prozent auf den Rekordstand von 37.700 gestiegen, teilte Creditreform am Donnerstag in Düsseldorf mit. Vor allem die Baubranche, der Handel und der Dienstleistungssektor waren betroffen. Inklusive der privaten Insolvenzen wurden sogar 82 400 Pleiten registriert, 66,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Diese Flut privater Insolvenzanträge war aber in erster Linie auf eine Reform des privaten Insolvenzrechts zurückzuführen, die es privaten Schuldnern leichter macht, Insolvenz zu beantragen.

"Pleiten wird es immer geben, aber wir haben heute eine Entwicklung, die über das normale Maß hinausgeht", sagte Creditreform-Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl bei der Vorstellung der europäischen Insolvenzstatistik. Ungewöhnlich seien vor allem Anzahl und Ausmaß von Großinsolvenzen. "In der Championsleague der Megapleiten dominieren deutsche Unternehmen", stellte Rödl fest. Im vergangenen Jahr mussten in Deutschland unter anderem der Baukonzern Philipp Holzmann, der Maschinenbauer Babcock Borsig, der Medienkonzern KirchMedia, der Flugzeugbauer Fairchild Dornier, der Thüringer Baustoffhändler Mühl und die Frankfurter Gontard und Metallbank Insolvenz anmelden.

Als Grund für die Zunahme der Unternehmenspleiten nannte Rödl die schwache Konjunktur, eine ungenügende Eigenkapitalausstattung vieler Firmen, eine zurückhaltendere Kreditvergabe der Banken, geringes Risikobewusstsein vieler Klein- und Mittelstandsunternehmern sowie in vielen Ländern eine schlechte Zahlungsmoral der Kunden.

Die Zahl aller Zahlungsunfähigkeiten in Deutschland stieg nach Angaben von Creditreform so stark wie in keinem anderen westeuropäischen Land. Deutlich mehr Pleiten als im Vorjahr gab es auch in Spanien (plus 33,7 Prozent), Norwegen (20,8 Prozent) und Portugal (20,7 Prozent). Insgesamt verzeichnete Creditreform in den untersuchten Ländern 150 275 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 10,7 Prozent. Inklusive der privaten Pleiten stieg die Zahl aller Insolvenzen um 21,7 Prozent auf 240 977.

Für 2003 sieht Rödl keine Entspannung. In Deutschland erwarte Creditreform 40 000 bis 42 000 Unternehmensinsolvenzen und 86 000 bis 90 000 Gesamtinsolvenzen. Auch europaweit sei mit keiner Stabilisierung zu rechnen. Creditreform gehe europaweit von 165 000 Unternehmensinsolvenzen und von rund 270 000 Gesamtinsolvenzen aus.

Am deutlichsten getroffen habe es europaweit wie schon im Jahr zuvor den Mittelstand. Fast zwei Drittel aller Unternehmensinsolvenzen fielen den Angaben zufolge auf Firmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Europaweit wurden durch die Insolvenzen 1,6 (Vorjahr: 1,4) Millionen Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht. In Deutschland waren 590 000 Arbeitsplätze von der Insolvenz betroffen.

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