Cromme fordert Modernisierung der Mitbestimmung
Aufsichtsräte sollen professioneller werden

Manager, Anleger und Wissenschaftler sind sich einig: Die deutschen Aufsichtsräte müssen verkleinert und professionalisiert werden, um die Vorstände künftig besser zu kontrollieren.

HB DÜSSELDORF. Sonst wird es ihnen schwer fallen, diesen wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Anforderungen, wie sie vor allem die Kommission Deutscher Corporate Governance Kodex im Auftrag der Bundesregierung formuliert hat, um eine bessere Führung und Kontrolle der Unternehmen zu erreichen.

Schlechtes Zeugnis für Aufsichtsräte

Noch ist bis dahin ein weiter Weg: Die deutschen Top-Manager jedenfalls stellen den Aufsichtsräten ein schlechtes Zeugnis aus: Laut Handelsblatt Business-Monitor - eine monatliche Repräsentativumfrage des Hamburger Psephos-Instituts unter deutschen Top-Managern im Auftrag des Handelsblatts - kritisieren 84 % der Befragten, dass die Aufsichtsräte ihrer Kontrollfunktion "zu wenig" nachkämen, nur 11 % fanden ihre Arbeit "genau richtig". Gerade mal 5 % fanden die bei Dax-Unternehmen übliche Zahl von rund 20 Aufsichtsratsmitgliedern angemessen.

Für eine Verkleinerung plädiert auch die Kommission. "Eine effektive Arbeit in einem Kreis von 20 Aufsichtsräten plus Vorstand ist kaum noch möglich", sagt deren Vorsitzender Gerhard Cromme. "Insgesamt sind die deutschen Aufsichtsräte zu groß und sollten verkleinert werden.Doch das ist leichter gesagt als getan. Eine Verkleinerung ist ebenso wie eine Professionalisierung der Aufsichtsräte nur zu erreichen, wenn die Politik sich an ein Tabu wagt - die Mitbestimmung. Das Mitbestimmungsgesetz von 1976 schreibt vor, dass in Aktiengesellschaften mit mehr als 20 000 Beschäftigten der Aufsichtsrat aus je zehn Vertretern der Arbeitnehmer und der Kapitalseite bestehen muss. Das bringt einen Fraktionszwang wie im Parlament mit sich, wie ein erfahrener Multi-Aufsichtsrat beklagt. Eine kontroverse Diskussion zwischen Vertretern der Kapitalseite habe er kaum je erlebt.

Den Aufgaben nicht gewachsen

"Die Mitbestimmung führt zu aufgeblähten Aufsichtsräten, in denen manche Mitglieder den Aufgaben gar nicht gewachsen sind", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Doch ich glaube nicht, dass die deutsche Industrie so weit ist, diese heilige Kuh in Frage zu stellen", schränkt er ein. Auch die DSW übrigens nicht - Studien zeigten, dass die Mitbestimmung den deutschen Konzernen nicht schade, erklärt Kurz die Zurückhaltung.

Kommissionschef Cromme verweist das Thema an den Gesetzgeber: "In der globalisierten Welt von heute muss sich alles, auch die Mitbestimmung, den veränderten Rahmenbedingungen anpassen, denn sonst hat sie keine Zukunft." Die Kommission könne da nichts machen. Darum wählte sie im Kodex einen Ausweg: Sie empfiehlt den Aufsichtsräten, kompetent besetzte Ausschüsse zu bilden, in denen wichtige Entscheidungen diskutiert werden. Zugleich plädiert sie für eine höhere Bezahlung der Aufsichtsräte. Mehrere Konzerne haben das bereits beschlossen. Daimler-Chrysler zum Beispiel hat die Vergütung eines normalen Aufsichtsrats um 50 % auf 75 000 Euro erhöht.

Nicht nur die Größe, auch die Zusammensetzung der Aufsichtsräte wird heftig diskutiert. Im Handelsblatt Business-Monitor sprachen sich 59 % der Befragten dafür aus, den direkten Wechsel von der Spitze des Vorstands an die Spitze des Aufsichtsrats zu unterbinden. Auch bei mehreren Hauptversammlungen der vergangenen Wochen sorgte dieser nach wie vor übliche Schritt für heftige Diskussionen. Cromme, der 2001 bei Thyssen-Krupp selbst von der Vorstandsspitze auf den Aufsichtsratsvorsitz wechselte, plädiert für eine Einzelfallprüfung: "Man darf die Entscheidungsfreiheit einer Hauptversammlung nicht durch den Ausschluss bestimmter Gruppen einschränken." Das gelte auch für Gruppen wie Banker und Gewerkschaftsfunktionäre, deren Ausschluss aus Aufsichtsräten ebenfalls gefordert worden ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%