Cromme-Kommission schlägt Verhaltenskodex für börsennotierte Unternehmen vor
Vorstände sollen Gehälter offen legen

Der Finanzplatz Deutschland soll attraktiver werden: Mit einem neuen Verhaltenskodex für börsennotierte Unternehmen will die Bundesrepublik den Standort Deutschland für Investoren interessanter und Aktiengesellschaften für Anleger transparenter machen. Nach dem Entwurf für den Kodex, der am Dienstag in Düsseldorf veröffentlicht worden ist, sollen unter anderem die Aktionäre bei Übernahmen stärkere Mitwirkungsmöglichkeiten erhalten und die Managergehälter offen gelegt werden.

ms/phe DÜSSELDORF. Erarbeitet hat den Kodex eine Regierungskommission unter dem Vorsitz des Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme. Die empfohlenen Verhaltensregeln sollen dazu beitragen, die deutsche Praxis der Unternehmenssteuerung und-kontrolle (Corporate Governance) den internationalen Standards anzunähern. Der Kodex soll bis zum 18. Januar öffentlich diskutiert und im Februar an Justizministerin Herta Däubler-Gmelin übergeben werden. Gesetzliche Grundlage des Kodexes ist das Transparenz- und Publizitätsgesetz, das noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden soll. In dem Gesetz werden Vorstände und Aufsichtsräte dazu verpflichtet, einmal jährlich zu erklären, ob sie den Kodex einhalten wollen. Wenn Unternehmen den Kodex nicht akzeptieren, wird, so die Hoffnung der Kommission, der Kapitalmarkt als "Sanktionspeitsche" wirken: Anleger könnten das Unternehmen durch den Verkauf ihrer Aktien "bestrafen".

Der Kodex sieht vor, dass neben dem Jahresabschluss mehrere Zwischenberichte veröffentlicht werden müssen. Diese Empfehlung wurde auch von dem Kommissionsmitglied Wendelin Wiedeking unterschrieben - obwohl der Porsche-Chef für sein Unternehmen die Vorlage von Quartalsberichten bisher standhaft verweigert.

Aktienoptions-Programme und sonstige leistungsbezogene Vergütungen für Vorstände und Aufsichtsräte müssen dem Kodex zufolge künftig transparent gemacht werden. Im Jahresabschluss muss die Gesamtvergütung des Vorstands nach Fixgehalt, erfolgsbezogenen Komponenten und Langfristanreizen aufgeschlüsselt werden. Die Darstellung der Bezüge der einzelnen Vorstandsmitglieder wird aber nur unverbindlich angeregt.

Kommissionschef Cromme wertete den Entwurf des Kodexes als "großen Wurf". Er gehe weit über das hinaus, was noch vor wenigen Monaten in Deutschland für möglich gehalten worden sei.

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