Cromme kritisiert Optionspläne
Breite Front gegen steigende Manager-Bezüge

Sieben von zehn Europäern sind der Ansicht, dass die Manager inzwischen zu viel Geld verdienen. Auch im Unternehmerlager selbst wächst die Kritik. Umstritten sind vor allem Optionspläne.

sts/fs DÜSSELDORF/LONDON. In Europa wächst angesichts der schwierigen Lage vieler Unternehmen die Kritik an der Selbstbedienungsmentalität der Manager. 67 % der Europäer verlangen, Spitzenmanager gesetzlich zur detaillierten Offenlegung ihrer Bezüge zu verpflichten. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Wall Street Journals Europe. Von den 13 000 Befragten aus 14 Ländern forderten 59 % gar ein Gesetz, um die Bezüge der Manager zu deckeln.

Dieses Ergebnis deckt sich nicht nur mit der Kritik vieler Aktionäre auf den jüngsten Hauptversammlungen. Auch die Fakten sprechen dafür, dass die Manager während des Börsenbooms zu kräftig zugelangt haben. Nach Angaben des größten deutschen Personalberaters Kienbaum konnten die Vorstände führender Aktiengesellschaften ihre Bezüge in den vergangenen vier Jahren mindestens verdoppeln. Aktuelles Beispiel: Die Top-Manager der Deutschen Telekom genehmigten sich allein im vergangenen Jahr 90 % mehr als im Jahr zuvor, obwohl sich das Ergebnis stark verschlechterte.

Gegensatz von Leistung und Entgelt

Zum Vergleich: Die Tarifgehälter der Angestellten haben in den vergangenen Jahren im Schnitt gerade um 3 % jährlich zugelegt. Entsprechend laut ist die Kritik der Gewerkschaften: "Leistung und Entgelt stehen oft im krassen Gegensatz", rügt der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Im Unternehmerlager wächst die Selbstkritik. Vor allem die überzogenen Optionspläne, die Managern satte Zusatzeinkommen bescheren können, sind ins Blickfeld geraten. Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp und Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance (Unternehmenskontrolle), forderte die Aufsichtsräte auf, dafür zu sorgen, dass bei der Bezahlung der Manager "das Augenmaß gewahrt bleibt". Cromme sagte dem Handelsblatt: "Ein Problem sind die Aktienoptionen. Es kann nicht sein, dass Vorstände eines Unternehmens, dessen Aktienkurs von 100 auf 20 Euro abgestürzt ist, schon bei einem Anstieg auf 30 Euro wieder Aktienoptionen ausüben dürfen. Hier müssen wir Fehlentwicklungen wie in den USA verhindern."

Aktionärsschützer laufen Sturm

Aktionärsschützer laufen schon lange Sturm. "Es gibt Vorstandschefs wie Ron Sommer, die kümmern sich in erster Linie ums Management der eigenen Person", sagt Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Ähnlich argumentiert die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK): "Wenn sich keine Erfolge einstellen, müssen das die Verantwortlichen auch bei ihren Gehältern zu spüren bekommen", fordert Lars Labryga von der SdK. Viele Fachleute sind sich darüber einig, dass die Kontrolle der Leistungen zu lasch ist. Die britische Regierung hat bereits gehandelt: Sie arbeitet an einer Gesetzesänderung, wonach die Aktionäre über die Optionspläne des Managements entscheiden dürfen.

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