Cromme wird Kriwet als AR-Chef ablösen
Thyssen-Krupp schafft Doppelspitze ab und senkt Prognose

Die Thyssenkrupp AG hat ihren Führungsstreit beigelegt und damit den Weg für die Abschaffung der am Finanzmarkt häufig kritisierten Doppelspitze im Vorstand frei gemacht. Zudem gab der Konzern am Freitag auf der Hauptversammlung in Duisburg eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr aus.

Reuters DUISBURG. Der derzeitige Aufsichtsratschef Heinz Kriwet werde zum 1. Oktober seinen Posten an den bisherigen Vorstandschef Gerhard Cromme abgeben und einfaches Mitglied im Aufsichtsrat sein. Ekkehard Schulz, der bislang den Konzern mit Cromme gemeinsam leitet, werde damit alleiniger Konzernchef. Großaktionäre hatten Kriwet vorgeworfen, Veränderungen in den Führungsgremien des 1998 aus Thyssen und Krupp entstandenen Konzerns blockiert zu haben.

Thyssen-Krupp - Intraday-Chart

Für das laufende Geschäftsjahr nahm der Konzern seine Ergebnisprognose zurück. Nach einem guten Start im ersten Quartal sei ThyssenKrupp wie andere Unternehmen auch, von der Abkühlung der Weltkonjunktur getroffen worden, sagte Cromme. Deshalb gehe man nicht mehr davon aus, das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr zu steigern. Belastungen erwarte man vor allem im Stahlgeschäft und in der Sparte Automobilzulieferungen. Mitte Januar hatte der Konzern noch mitgeteilt, beim Ergebnis 1,3 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2000/01 anzupeilen. Im abgelaufenen Jahr hatte ThyssenKrupp 1,1 Mrd. Euro vor Steuern verdient. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000/01 (per Ende September) konnte der Konzern sein Ergebnis vor Steuern eigenen Angaben zufolge um 200 Mill. auf 300 Mill. Euro verbessern.

Streit drückte Aktienkurs

Streit zwischen Kriwet und einigen Großaktionären über die Bedingungen für seinen Rücktritt hatten in den vergangenen Tagen den Kurs des DAX-Unternehmens kräftig gedrückt. Kriwet hatte nach Angaben aus Unternehmenskreisen darauf gedrungen, den Proporz zwischen den früheren Größenverhältnissen von Thyssen und Krupp in den Konzerngremien von zwei zu eins zu wahren. Mit dieser Forderung hat er sich im Aufsichtsrat als Ganzes nun offenbar durchgesetzt. Für den Eintritt des früheren Krupp- Mannes Cromme verlässt Kersten von Schenck von der Krupp Stiftung - den Aufsichtsrat. Im Präsidium des Aufsichtsrates sollen aber künftig mit Cromme und dem als Thyssen-Mann geltenden Siemens-Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann nur noch ehemalige Thyssianer die Kapitalseite vertreten. Kriwet und das derzeitige Präsidiumsmitglied, WestLB-Chef Friedel Neuber werden das Präsidium verlassen.

Strittige Fragen offen

Der noch vor Beginn der Hauptversammlung von ThyssenKrupp am Freitag gefundene Kompromiss lässt aber die ebenfalls offenbar strittige Frage nach Verkleinerung und Neuverteilung von Aufgaben im Vorstand zunächst unbeantwortet. Darüber werde der Aufsichtsrat "alsbald" beraten und entscheiden, teilte der Konzern mit. Unternehmenskreisen zufolge wollten Großaktionäre und auch die Verwaltung selbst eine Verkleinerung des aktuell neun Vorstände umfassenden Führungsgremiums. Kriwet sieht dafür den Angaben zufolge keine Notwendigkeit.

Verkleinerung des Vorstands läuft auf Holding-Struktur hinaus

Vor den Aktionären sagte er, im Vorstand gebe es kein Proporz-Denken. Diskussionen im Vorstand seien entlang einer Tyhssen-Krupp-Linie geführt worden. Im Übrigen sei es selbstverständlich, dass zwei Unternehmen, die seit über 100 Jahren schärfste Konkurrenten waren, Zeit bräuchten, zusammen zu finden. Eine Verkleinerung des Vorstands läuft nach Ansicht von Betriebsratschef Dieter Kroll auf eine Holding-Struktur hinaus, in der die feste operativen Geschäfte nicht vertreten seien. Dies sei nicht im Interesse der Arbeitnehmer, begründete Kroll seine Unterstützung Kriwets.

Die Entscheidung über Führungsfragen hatte vielen verärgerten Anlegern offenbar den Wind aus den Segeln genommen. "Das ist ein Sieg der Vernunft in der letzten Minute", sagte ein Kleinaktionär. Viele Fragen seien jetzt überflüssig geworden. "Der Beschluss über das Ende der Doppelspitze wird dem Kurs auf die Beine helfen, sagte Jörg Plutar von der Deutschen Schutzgeneinschaft der Kleinaktionäre.

Verhalten von Kriwet gerügt

Ungeachtet des gefundenen Kompromisses rügten einige Aktionäre das Verhalten von Kriwet als störrisch und unbeugsam. Damit habe er dem Unternehmen geschadet. Unter Analysten wurde Beilegung der Differenzen einhellig gelobt. "Es geht nicht darum, wer gesiegt hat. Wichtig ist, dass die Doppelspitze wegkommt" sagte Theo Kitz von Merck, Finck & Co. "Aus Kapitalmarktsicht ist es positiv, dass die Doppelspitze aufgelöst wird und jetzt eine einheitliche Sprache an der Spitze gesprochen wird", sagte auch Jürgen Warfsmann von der HypoVereinsbank. Viele Analysten zeigten sich allerdings von der Gewinnwarnung überrascht.

Nach neunstündiger Debatte stimmten die Aktionäre allen Tagesordnungspunkten mit jeweils fast 100 % zu. Zwei Gegenanträge, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten, waren zuvor zurückgezogen worden.

Die ThyssenKrupp-Aktie lag am Freitag kurz vor Handelsschluss um 1,83 % im Plus bei 18,90 Euro.

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