Crossair übernimmt zwei Drittel des Fluggeschäfts
Swissair Group ist am Ende

Die Regionalfluggesellschaft Crossair führt das Fluggeschäft der vom Konkurs bedrohten Swissair Group weiter. Die Schweizer Traditions-Airline beantragt für Teile der Holding Gläubigerschutz.

ef/ebe/ek ZÜRICH/DÜSSELDORF. Mit der Swissair Group ist die erste europäische Fluggesellschaft finanziell am Ende. Einst als Inbegriff der Luxusklasse und eine der edelsten Fluglinien am Himmel bewundert, wird der Schweizer Luftfahrtkonzern am Dienstag Gläubigerschutz beantragen. Das bestätigte Swissair-Chef Mario Corti am Montag vor Journalisten in Zürich.

Swissair wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben. Das Fluggeschäft wird in der 70-prozentigen Tochter, der Baseler Regionalfluglinie Crossair, aufgehen. Die Crossair wiederum wird an die Großbanken UBS und Credit Suisse Group verkauft. Die Banken hatten einen Überbrückungskredit in Höhe von bis zu einer Milliarde Franken (1,32 Mrd. DM) angeboten und daran harte Bedingungen geknüpft. Crossair-Verwaltungsrat und Swissair hatten gestern das Rettungsangebot von UBS und Credit Suisse akzeptiert, um den regulären Betrieb des Schweizer Fluggeschäfts zu gewährleisten. Mit Beginn des Winterflugplans zum 28. Oktober soll Crossair zwei Drittel des Fluggeschäfts übernehmen und die ersten Langstreckenflüge starten.

Mit dieser Lösung hat die Crossair - und damit die Banken - künftig in der Schweizer Luftfahrt das Sagen. Crossair bekommt von den Banken zusätzliche Betriebsmittel von 500 Mill sfr. Rund 2 500 Arbeitsplätze bei der Swissair werden abgebaut - ein Drittel der Belegschaft. Die Banken kaufen das Crossair-Aktienpaket für 260 Mill. sfr. Sie wollen außerdem eine Kapitalerhöhung von 350 Mill. sfr möglich machen. Weiter zahlt das Konsortium 250 Mill. sfr, um die anderen Teile der Swissair Group - etwa den Verpflegungsbetrieb Gate Gourmet oder Nuance als Duty-free-Tochter - weiterführen zu können. Sie sollen unter Gläubigerschutz gestellt und verkauft werden.

In den vergangenen Jahren hatte sich die Swissair-Führung völlig übernommen. Beim Versuch, ein europaweites Imperium aufzubauen, kaufte sie mehrere milliardenschwere Sanierungsfälle ein. Corti, der im März 2001 die Führung des Konzerns von seinem entlassenen Vorgänger Philippe Bruggisser übernahm, leitete einen radikalen Sanierungskurs ein. Mit Verkäufen aus Firmenvermögen und dem Ausstieg aus den Beteiligungen bei der belgischen Sabena und der französischen AOM/Air Liberté sollte der Neustart gelingen - vergebens. Zuletzt türmten sich bei Swissair die Schulden auf 17 Mrd. sfr, während das Eigenkapital von Woche zu Woche zusammenschmolz. Die fällige Zahlung an Sabena in Höhe von 200 Mill. sfr sei nicht mehr zu leisten gewesen, gestand Corti.

Unterdessen formieren sich in Düsseldorf Anstrengungen, die zu 49,9 % zur Swissair Group gehörende Ferienfluggesellschaft LTU aus dem möglichen Pleitenstrudel herauszuhalten. LTU sollte von der Swissair Group bis 2005 wieder in schwarze Zahlen geführt werden. NRW-Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold (SPD) sagte dem Handelsblatt, das Land habe "ein hohes Interesse, das Unternehmen zu erhalten", und verfüge über ein "Bürgschaftsinstrumentarium unterschiedlicher Rettungsmöglichkeiten".

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