Crow entzieht sich den Medien
US-Nixe aus Athen direkt hinter Gitter

Da wird ihr auch eine mögliche Goldmedaille im Synchronschwimmen nicht helfen: Tammy Crowe erwartet nach ihrer Rückkehr in die USA ein Gefängnisaufenthalt.

HB ATHEN. Ob die hübsche Blondine aus Santa Clara in Kalifornien olympisches Gold gewinnt, muss sich bei den am Montag beginnenden Wettbewerben im Synchronschwimmen erst noch zeigen. In der Mannschafts-Konkurrenz gehören die Amerikanerinnen zu den Favoriten. Dass Crows Weg nach der Rückkehr aus Athen in die Haftanstalt führt, steht indes fest. Drei Monate muss die 27-Jährige einsitzen, weil durch einen von ihr verursachten Verkehrsunfall zwei Menschen ums Leben kamen. Sie wäre mit unangemessener Geschindwindigkeit gefahren, hieß es im Urteil.

Der Schicksalsschlag ereignete sich am Sonntagmorgen des 17. Januar 2003, unweit von San Francisco. Crow, ihr ein Jahr älterer Freund Cody Tatro, der als Sportlehrer arbeitete, und dessen Schüler, der zwölfjährige Brett Slinger, waren auf dem Weg ins nordkalifornische Skiressort Dodge Ridge, als sie auf dem Highway 108 nach einer Kurve die Kontrolle über ihren schwarzen Jeep verlor. Das Auto geriet ins Schleudern, drehte und überschlug sich. Die Fahrerseite wurde vollständig aufgerissen. Crows Insassen starben am Unfallort. Sie erlitt einen vierfachen Bruch des rechten Arms, der mit elf Schrauben und einer Titan-Platte "zusammen geflickt" wurde.

Crow wachte erst im Nothubschrauber wieder auf, der sie ins Krankenhaus nach Modesto geflogen hatte. Nach der Operation erfuhr sie, dass ihre beiden Mitfahrer nicht mehr am Leben sind, woraufhin sie in einen schweren Schockzustand fiel. "No, no, no, das kann nicht sein", schrie sie immer wieder verzweifelt. "Ich konnte es einfach nicht glauben", erzählte Crow einige Wochen nach dem Unglückstag, an dessen Geschehnisse sie sich kaum erinnern kann.

Die seelischen Schmerzen waren anfangs so groß, dass Crow die Olympia-Qualifikation schon abgeschrieben hatte. Zumal die Eltern von Slinger, die von Crow eine Entschädigungssumme von 22 930 Dollar erhielten, ihr bis heute nicht verziehen und eine viel härtere Strafe für sie gefordert haben. Doch mit der Zeit fasste sie wieder Lebensmut, auch weil sie glaubt, nicht zu schnell gefahren zu sein. Am 19. Dezember 2003 sicherte sie sich schließlich doch noch den letzten von drei Startplätzen für das Olympia-Team.

Crow möchte nicht reden. Sie will die furchtbaren Wunden nicht wieder aufzureißen. Wunden, die längst noch nicht verheilt sind. Wunden, die sicher nie richtig verheilen werden. Crow entzieht sich den Medien, wird in der griechischen Hauptstadt abgeschirmt von der amerikanischen Mannschaftsleitung. Sie möchte ihren olympischen Auftritt Cody und Brett widmen. Die Slingers wollen allerdings nicht, dass der Name ihres Sohnens im Zusammenhang mit Crow erwähnt wird.

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