CSFB greift im Investment-Banking an
Kommentar: Der Aufsteiger

Noch ist das Selbstbewusstsein der großen Drei aus den USA unerschütterlich. Wann immer Vertreter von Morgan Stanley Dean Witter, Goldman Sachs oder Merrill Lynch über die Zukunft des Investment-Bankings philosophieren, steht für sie außer Frage, dass so schnell niemand in ihre Liga wird vorstoßen können. Etwas gönnerhaft wird allenfalls eingeräumt, dass es im Rest der Welt durchaus Kandidaten gebe, die mit Geschick und viel Glück irgendwann an die Tür zur Oberklasse im lukrativen Geschäft mit Emission und Handel von Wertpapieren sowie der Beratung bei Fusionen und Übernahmen klopfen könnten.



Vielleicht bringt die Nachricht von der geplanten Übernahme der mittelgroßen US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) durch die Schweizer Credit Suisse Group die Branchenführer nun doch ins Grübeln. Denn der Deal ist mehr als nur eine Fortsetzung der Konsolidierungswelle in der Finanzindustrie. Er kann darüber hinaus als weiteres Indiz dafür gewertet werden, dass die Hackordnung im Investment-Banking wackelt. Zumindest aber als Beweis dafür, dass sich die Häuser, die noch nicht in einer Liga mit den Morgan Stanleys und Goldmans spielen, nicht in ihr Schicksal ergeben werden.



Langfristig ist in der Oberklasse Platz für eine Hand voll Player, die ihren international agierenden Kunden globales Research, weltumspannende Dienstleistungen und eine den steigenden Transaktionsvolumina gewachsene Platzierungskraft zur Verfügung stellen können - und die selbst in der Lage sind, die exorbitanten Kosten und Kapitalanforderungen zum Unterhalt einer solchen Organisation zu tragen. Mit DLJ haben sich die Chancen für Credit Suisse First Boston, dem erlauchten Kreis dauerhaft anzugehören, klar verbessert. Der Schweizer Konkurrent UBS mit seinem Investmentarm Warburg hat unlängst erst mit dem Erwerb von Paine Webber seine Ambitionen unter Beweis gestellt. Und die Deutsche Bank hat seit der erfolgreichen Integration von Bankers Trust den Anschluss an das führende US-Trio hergestellt. Dass sie in der Königsdisziplin Mergers & Acquisitions noch große Defizite hat, ist aber mehr als ein Schönheitsfehler.



Weitere Kandidaten, denen man den Sprung in die Spitzengruppe zutrauen könnte, sind dünn gesät. Zu nennen ist noch die zur mächtigen Citigroup gehörende Schroder Salomon Smith Barney und vielleicht auch J.P. Morgan. Für den Rest, auch für traditionsreiche Adressen wie Lehman, die allmählich den Anschluss zu verpassen scheinen, werden die Zeiten härter. Erst recht für jenes Heer von Instituten, die im Weltmaßstab heute schon abgeschlagen sind. Sie müssen sich wohl oder übel auf bestimmte Produkte oder Regionen konzentrieren - und werden doch immer wieder den Branchenführern über den Weg laufen.



Das gilt, abgesehen von der Deutschen Bank, auch für hiesige Adressen mit Ambitionen im Investment-Banking. Die Dresdner- Division Kleinwort Benson ist immerhin ein in Europa etablierter Spieler mit gutem Namen. Doch auch sie dürfte sich auf Dauer schwer tun, auf sich allein gestellt den Großen Paroli zu bieten. Im Falle der Commerzbank grenzt der Anspruch, aus eigener Kraft quasi aus dem Nichts eine führende europäische Investmentbank aufzubauen, fast an Hochmut.



Dresdner und Cobank gibt der CSFB-Deal, der erneut ein Schlaglicht auf den Verdrängungswettbewerb in der Branche wirft, sicher zu denken. Kalt lassen aber wird er auch die viel besser als ihre Nachbarn positionierte Deutsche nicht. Sie wird sich fragen müssen, ob sie - entgegen jüngsten Bekundungen - im Investment-Banking nicht doch noch einmal richtig zuschlagen sollte. Viel Zeit bliebe ihr nicht. Denn langsam gehen im Investment-Banking die Übernahmekandidaten aus.

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