CSU-Parteitag: Harmonie auf bayerisch
„Frau Merkel – liebe, liebe Angela“

Auf das Bild, das man während des Streits um die Gesundheitsreform abgegeben hatte, ist keiner stolz in der Union - auch nicht die CSU. Auf ihrem Parteitag in Augsburg überhäufte Vorsitzender Edmund Stoiber die Schwesterpartei mit Liebesschwüren. Doch mit der Kritik am Koalitionspartner SPD kann er nicht hinterm Berg halten.

MÜNCHEN. Frau Merkel" hat er gesagt. Doch Edmund Stoiber korrigiert sich sofort: "Die Angela" heißt das natürlich. Die "liebe, liebe Angela": So hatte der CSU-Chef die Kanzlerin am Vortag begrüßt. Merkel hatte sich beim "lieben Edmund Stoiber" bedankt und mit einer gewissen Kühle in der Stimme eine etwas förmlichere Anrede gewählt, mit Vor- und Nachnamen.

Die CSU hält ihren Parteitag ab in Augsburg, und die liebe Angela hatte den Delegierten per Interview in der "Augsburger Allgemeinen" gleich etwas mitzuteilen. "Ich will wahrlich keine Geschlossenheit durch Gleichschaltung", konnten die bayerischen Freunde dort lesen. "Aber ich will Geschlossenheit als Ausdruck einer positiven Grundhaltung. Das verändert die Umfragen sofort." Und wer versäumt hatte, die Lokalzeitung aufzuschlagen, erfuhr das Gleiche am selben Tag direkt aus dem Mund der Kanzlerin. Verpackt in allerlei Lobpreis und ohne die Gesundheitsreform zu erwähnen, erinnerte Merkel die bayerische Schwesterpartei samt ihrem Vorsitzenden an eine einfache Tatsache: "Selten war für mich so klar, dass CDU und CSU es nur gemeinsam schaffen können."

Auf das Bild, das man während des Streits um die Gesundheitsreform abgegeben hatte, ist keiner stolz in der Union - auch nicht die CSU. Nicht, dass man inhaltlich etwas zurückzunehmen hätte: Die "Länderklausel", die die Bewohner reicher Regionen vor Mehrkosten durch den Gesundheitsfonds schützt, für die er im Koalitionsausschuss gekämpft hat, für die klopft sich Stoiber in seiner Parteitagsrede noch einmal auf die Schulter. Den Spottnamen "Dr. No", den man ihm in der SPD angehängt hat, betrachte er als eine "Ehrenauszeichnung zur Verfolgung bayerischer Interessen."

Doch fast im gleichen Atemzug gibt der Dr. No honoris causa auch ganz andere Töne von sich: "Wir wissen ganz genau", sagt Stoiber, "wir haben eine Gesamtverantwortung für Deutschland." Es sei "besser zu regieren und für unser Land etwas zu bewegen, als nur zu nörgeln und zu opponieren". Das sage er denen, "die immer sagen, wo ist das Profil der CSU".

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