D-Mark hart erkämpft
Ostdeutsche sehen den Euro skeptisch

Auch auf der neuesten Station ihrer Schlafmünzentour bietet sich für die Mitarbeiter der Heros Geld- und Werttransport GmbH immer das gleiche Bild. "Mit Freude geben die Leute aus den neuen Bundesländer ihr Geld nicht gern her, keiner fiebert dem Euro entgegen", sagte Wolfgang Knorr.

dpa LEIPZIG. "Kommt die D-Mark, bleiben wir hier, kommt sie nicht gehen wir zu ihr" war der Ruf auf vielen Protestkundgebungen, erinnert sich die damalige Chefin der Sparkasse in Leipzig. "Die Euphorie damals war riesig, denn die neue Währung war mit Freiheit, Wohlstand und Anerkennung verbunden", sagte Frau Greiner. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1990 wurde die D-Mark eingeführt.

Auch Jens Stottmeier gibt seine Münzen in der Sparkasse des Einkaufsparkes von Großpösna bei Leipzig mit Wehmut ab. "Wir haben uns an die D-Mark gewöhnt und kommen gut damit klar, jetzt sollen wir uns nach nur elf Jahren wieder von ihr trennen", kritisiert er. Der Euro klinge zwar ganz plausibel, doch die Unsicherheit gegenüber der neuen Währung sei groß. Selbst die neun Jahre alte Julia Busch gibt ihr Sparschwein mit 42 DM nur schweren Herzens.

Im Pösnapark und an vielen Wechselstellen der Neuen Bundesländern kann man derzeit erleben, was viele Umfragen zur Einstellung der Ostdeutschen zum Euro belegen. 76 % der Haushalte in den neuen Bundesländern äußern Befürchtungen beim Ersatz der D-Mark durch den Euro, geht aus einer Studie des Leipziger Institutes für Marktforschung hervor. Nur 18 % der Befragten freuen sich auf die gemeinsame europäische Währung. Nicht nur ältere sehen danach den Euro mit Skepsis. Selbst in den jüngeren Haushalten (18 bis 45 Jahre) zweifeln 72 % an der neuen Währung.

Von der damaligen Begeisterung sind die Ostdeutschen heute weit entfernt, es überwiegt die Unsicherheit. "Es wird doch jetzt schon alles teurer wegen der Euro-Umstellung", klagt eine Frau im Pösna- Einkaufspark. Wie sie befürchten 48 % der Haushalte finanzielle Einbußen durch den Euro. Nur ein Prozent glaubt an Verbesserungen.

Der Vizepräsident der Landeszentralbank in den Freistaaten Sachsen und Thüringen Dietmar Girst gibt sich trotz der allgemeinen Skepsis gelassen. "Wenn die Menschen die neuen Scheine erst einmal in den Händen haben, wird das Vertrauen in den Euro schnell wachsen", sagt er. Dann werde schnell klar werden, dass es nur ein Umrechnung und kein Wertverlust ist. Im übrigen habe er auch Stimmen mit dem Tenor gehört "wir sind doch geübt in Sachsen Währungsumstellung, das haben wir doch alles schon einmal erlebt".

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