„D“ wie Durchbruch
Das D-Netz feiert Geburtstag

Die Bahn machte es schon 1926 vor, Konrad Adenauer zog 1958 nach - den Durchbruch aber schaffte der Mobilfunk erst mit dem Start des D-Netzes. Das war 1992. Eine Zeitreise zum zehnten Geburtstag.

Erste-Klasse-Passagiere der Deutschen Reichsbahn kommen 1926 als erste in den Genuss mobiler Telefone. Auf der Strecke Hamburg-Berlin sind Drähte auf die Wagendächer gespannt. Sie funktionieren als Antennen und leiten die Signale von den Fernsprechern im Wagen an die Telegrafen-Leitungen neben den Gleisen weiter.

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Das erste richtige Mobilfunknetz nimmt 1958 seinen Betrieb in Deutschland auf - mit Konrad Adenauer als Trendsetter, der vom Dienstwagen aus telefoniert. Bis heute hält sich deshalb hartnäckig das Gerücht, dass das A-Netz seinen Namen zu Ehren des damaligen Bundeskanzlers trägt.

Menschen wie Adenauer - gut bezahlt und mit Dienstwagen ausgestattet - sind zu jener Zeit prädestiniert fürs mobile Telefonieren. Für die Hosentasche ungeeignet, sind die 16-Kilo-Geräte voller Röhrenelektronik fest im Auto installiert - und kosten mehr als das Fahrzeug selbst. Das Standardgerät "TeKaDe - B72" gibt es für 8 000 bis 15 000 Mark. Zum Vergleich: Ein VW-Käfer ist damals ab 5 000 Mark zu haben.

Nicht einmal die monatliche Grundgebühr ist für den Normalbürger zu finanzieren. Während ein Facharbeiter durchschnittlich 600 Mark im Monat verdient, kostet der Mobilfunk monatlich 66 bis 270 Mark. Das ist nicht verwunderlich. Schließlich wird jedes Gespräch handvermittelt. 600 "Fräuleins vom Amt" sind für die 11 000 Kunden rund um die Uhr im Einsatz.

Sage mir, wo Du bist...

Im B-Netz darf ab 1972 schon selbst gewählt werden. Das ist allerdings fast schon der einzige Fortschritt. Wie beim A-Netz auch geht ohne Regionsvorwahl nichts. Der Anrufer muss also wissen, wo genau sich der gewünschte Gesprächspartner gerade aufhält. Gewicht und Kosten bleiben gigantisch. Dennoch steigt die Kundenzahl von 16 000 zeitweilig auf 27 000.

Erst das C-Netz bringt ab 1985 den Begriff des Handlichen - "handy" - in denkbare Nähe. Erstmals genügt eine Nummer für bundesweite Erreichbarkeit, und neben den fest eingebauten gibt ab 1987 auch tragbare Telefone. Mit dem, was wir heute Handy nennen, haben diese Kofferradio-großen und vier bis fünf Kilogramm schweren Umhänge-Geräte zunächst allerdings wenig gemein.

Sowohl die Muskulatur der Nutzer als auch deren Brieftaschen profitieren von den Entwicklungen der Folgejahre: Die Geräte schrumpfen auf 500 bis 600 Gramm und auch die Grundgebühren sinken rapide - von monatlich 120 auf nur noch 19 Mark. Damit ist das Mobil-Telefonieren erstmals kein Millionärs- und Manager-Privileg mehr. Auf dem Höhepunkt seiner Geschichte bringt es das C-Netz 1993 denn auch auf rund 850 000 Nutzer.

Das D-Netz bringt den Durchbruch

Das D-Netz startet 1992 mit einer wesentlichen Neuerung: Erstmals werden Sprache und Daten digital übertragen. In der Sprachqualität schlägt die neue Technologie das C-Netz damit um Längen. Eine einheitliche Vorwahl genügt außerdem, um einen Teilnehmer im In- und im Ausland zu erreichen.

Der gemeinsame Start von Telekom und dem privaten Anbieter Mannesmann sorgt für Wettbewerb und purzelnde Kosten. Von anfangs 7 500 Mark sinken die Preise schnell auf 500 Mark für Geräte, die zudem so klein werden, dass sie sich endlich mit Fug und Recht Handy nennen dürfen. Zusätzliche Dynamik bringt das E-Netz ab 1994 in den Markt und ins Preisgefüge.

Den Erfolg ihrer Netze unterschätzen aber selbst die Betreiber lange Zeit: Mit Kapazitäten von bis zu vier Millionen Nutzern fühlen sich die D-Netz-Anbieter zunächst bestens gerüstet - zehn mal mehr sind es heute. Insgesamt gibt es heute nach Angaben der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post rund 56,3 Millionen Mobilfunk-Teilnehmer.

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