"Da ist Musik drin"
Wie die Mammutgewerkschaft ver.di zu ihrem Namen kam

afp BERLIN. "Der neue Name wird kleingeschrieben, und den Punkt dazwischen nicht vergessen", heißt es bei der ÖTV. Die Rede ist von ver.di, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, zu der sich die Gewerkschaften Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die IG Medien und die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) derzeit in Berlin zusammenschließen. Dass der Name Assoziationen zu dem italienischen Opern-Komponisten Guiseppe Verdi (1813-1901) weckt, ist gewollt. In der neuen Mega-Gewerkschaft mit 2,9 Millionen Mitgliedern "ist Musik drin", heißt es bei den Gründungsgewerkschaften.

Die hatten im November 1998 unter ihren Mitgliedern einen Wettbewerb zur Namensfindung ausgeschrieben. Auflage war, dass der neue Name "modern", "identitätsstiftend" und "mediengerecht", also kurz, sein sollte. Und weil die neue Mega-Gewerkschaft ihren Gründungsmitgliedern zufolge auch "über den Tellerrand schauen und zumindest europäisch denken" muss, sollte der neue Name auch europaweit verwendbar sein.

Insgesamt wurden 8 184 Vorschläge eingesandt, davon kreisten allein 46 Prozent um die Begriffe "Dienstleistungsgewerkschaft" und "Vereinigung". Unter den 60 Vorschlägen, die zunächst in die engere Wahl kamen und von drei einschlägig erfahrenen Werbeagenturen geprüft wurden, war vier Mal der Vorschlag "Verdi" mit jeweils unterschiedlichen Übersetzungen.

Nähe zum Komponisten vermeiden

Die Medienfachleute machten daraus dann ein kleingeschriebenes und durch einen Punkt getrenntes ver.di, um durch dieses "gestalterische Mittel eine zu große Nähe zum Komponisten zu vermeiden". Dabei ist der unwillkürliche Gedanke an Verdi durchaus erwünscht: "Die Person Verdi passt zum neuen Namen", meinen die Gründungsmitglieder. Der Sohn eines Schankwirts und einer Spinnerin sei nicht nur ein bedeutender Musiker, sondern auch "Vorkämpfer der italienischen Freiheitsbewegung" gewesen.

Eine Umfrage bestätigte zudem, dass der Name ver.di "klangvoll" und "einprägsam" sei. Nachdem dann auch noch sichergestellt wurde, dass ver.di in den anderen europäischen Sprachen kein Schimpfwort ist oder einen negativen Beiklang hat, wurde der Name eingetragen und damit für die Gewerkschaften geschützt.

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