Dabei gab es auch Enttäuschungen
Gewinnen und bescheiden bleiben

Chinas Athleten sollten in Athen eigentlich nur für Peking 2008 üben - nun haben sie schon elf Goldmedaillen geholt.

ATHEN. Xe Hoixian sitzt im Saal Delphi vor rund 30 chinesischen Journalisten und liest aus einem Notizbuch vor. Weite Strecken ihres 45-minütigen Vortrags spricht die Vizepräsidentin des chinesischen Nationalen Olympischen Komitees über die Philosophie des Sportes. Die chinesischen Sportler müssten Sunzi anwenden, sagt Xe Hoixian, eine alte chinesische Kriegsstrategie. Diese besagt: "Du musst dich kennen und du musst deinen Gegner kennen."

Das wenden die chinesischen Sportler bislang sehr erfolgreich an. Nach vier Tagen führen sie den Medaillenspiegel vor den USA an. Elfmal ertönte nach olympischen Wettbewerben in Athen bereits die chinesische Hymne. Eigentlich hatte sich das chinesische NOK 20 Goldmedaillen und mehr als Ziel gesetzt. Davon hatte es die Hälfte schon nach drei Tagen eingesammelt. Erst 85 von 407 chinesischen Sportlern haben ihre Wettkämpfe beendet. "Einige haben bereits gefragt, ob wir unsere Ziele nach oben korrigieren", sagt Xe Hoixian, "aber das machen wir nicht." Die strenge Funktionärin mit der altmodischen Brille glaubt, dass die USA und Russland in den nächsten Tagen an China im Medaillenspiegel vorbeiziehen werden. Vor allem in der Leichtathletik zählen die chinesischen Sportler noch nicht zur Weltspitze. "Wir kämpfen mit den anderen Nationen um den dritten Platz in der Weltrangliste."

Das wollte die deutsche Mannschaft auch einmal tun, doch nach vier Tagen scheinen die Chinesen bereits außer Reichweite. "Die Chinesen können aus einem Potenzial von 1,2 Milliarden Menschen schöpfen", sagt der deutsche NOK-Präsident Klaus Steinbach, "das birgt Vorteile." In vier Jahren finden die Olympischen Spiele in Peking statt. "Die Chinesen haben ihre Bemühungen im Sport verstärkt", sagte Steinbach, "ich erwarte China im Jahr 2008 auf Platz eins im Medaillenspiegel."

Schon das aktuelle Team steht im Zeichen der Olympischen Spiele 2008. Im Durchschnitt ist es 23,2 Jahre alt. Viele ältere Athleten haben die Chinesen zu Hause gelassen, um Sportlern eine Chance zu geben, die auch in vier Jahren an den Start gehen können. Einen ersten Platz belohnt die Regierung mit 20 000 Euro.

Doch es gab auch Enttäuschungen. Die Synchronspringer verpatzten ihren letzten Sprung, die Badmintonspieler und die Turner blieben bisher hinter den Erwartungen zurück. Für alle Sportler hat Xe Hoixian in ihrem Buch die passende Philosophie parat. "Wenn wir gewinnen, müssen wir bescheiden bleiben", liest die Funktionärin vor, "wenn wir verlieren, dürfen wir nicht den Mut verlieren."

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