Dachgesellschaft Taurus-Holding stellt Insolvenzantrag
Leo Kirchs Imperium bricht endgültig zusammen

Die Kirch-Gruppe ist am Ende: Nach Kirch Media und Kirch Pay TV stellten gestern auch die Konzernzentrale Taurus-Holding und die Kirch-Beteiligung Anträge auf Insolvenz. Unterdessen steht die Commerzbank zusammen mit der WAZ-Gruppe und der Sony-Tochter Columbia Tristar vor der Übernahme der Kirch Media.

HB/bas/hps/kri DÜSSELDORF/TOKIO. Der Zusammenbruch der Kirch-Gruppe - nach Bertelsmann Deutschlands größter Medienkonzern - ist vollzogen. Die Dachgesellschaft Taurus Holding GmbH & Co. KG sowie die Tochterunternehmen Kirch Beteiligungs GmbH & Co KG und Formel Eins Beteiligung GmbH haben beim Amtsgericht München Antrag auf Insolvenz gestellt. Der Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Kirch Beteiligung und die Formel Eins Beteiligung bestellt. Jaffé ist in dieser Funktion auch bei der Kirch Media tätig. Zum Insolvenzverwalter für die ehemalige Konzernzentrale Taurus wurde der Münchener Rechtsanwalt Kurt Bruder bestellt. Bereits Anfang April hatte die Kirch Media (Fernsehen, Rechtehandel, Produktion) und die Kirch Pay TV (Bezahlsender Premiere) Anfang Mai Insolvenz beantragt.

Mit dem Insolvenzantrag der Taurus Holding wird auch die im Oktober fällige Put-Option des australisch-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch über 1,7 Mrd. Euro wertlos. Kirch hätte Murdochs Anteile am Bezahlfernsehen Premiere für diese Summe zurückkaufen müssen. Auch das Schicksal der von Leo Kirch ins Leben gerufenen Stiftung, die 73 % an der Taurus-Holding hält, steht in den Sternen. Unter dem Dach der Kirch-Beteiligung sind unter anderem die Anteile am Axel Springer Verlag und der Formel 1. Ein Sprecher wollte zu den Konsequenzen gestern nichts sagen.

Commerzbank, WAZ und Sony zeigen Interesse

Unterdessen haben die Commerzbank, der Essener Zeitungskonzern WAZ und das zum Sony-Konzern gehörende Hollywood-Studio Columbia Tristar ein Angebot zur Übernahme der insolventen Kirch Media abgegeben. Der Elektronikriese Sony bestätigte in Tokio sein Interesse an einem Einstieg bei der Kirch Media. Sony-Chef Nobuyuki Idei sagte: "Das ist eine interessante Gelegenheit. Es ist eine großartige Firma." Er sei bereits zu einem Besuch bei Kirch in München gewesen. "Über die Entwicklungen heute kann ich aber nichts sagen." Bond-Analyst Naoki Takahashi von der Ratingagentur Moody´?s sagt einschränkend, die Inhalte seien zwar spannend für Sony. Dennoch müsse der Konzern aufpassen, nicht wie für Columbia Pictures einen viel zu hohen Preis zu bezahlen.

Die Commerzbank und die WAZ wollen sich mit jeweils 40 % und Columbia mit 20 % an der neuen Kirch Media beteiligen. Die Commerzbank sei offen für weitere Partner, wolle aber möglichst nicht mehr als fünf Gesellschafter an Bord nehmen. "Wir haben schon weitere Interessenten, wie etwa den Bauer-Verlag oder Finanzinvestoren wie die Rewe-Gruppe oder WCM", sagte Commerzbank-Kreditvorstand Wolfgang Hartmann der Agentur Reuters. Noch seien die Verträge für die Gründung der Investorengruppe nicht unterschrieben.

Der Preis für Kirch Media, der mit 52,52 % am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG beteiligt ist, liegt nach Angaben der Commerzbank zwischen zwei und 2,5 Mrd. Euro. "Die Gespräche laufen sehr konstruktiv und sind weit vorangeschritten", sagte ein Insider.

Bewegung bei den Formel-1-Rechten

Bewegung kommt offenbar auch in die Weiterverwertung der Formel 1. Wie die "Wirtschaftswoche" meldet, planen die Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, J.P. Morgan und Lehman Brothers mittelfristig einen Börsengang der Formel-1-Holding. Kirch verpfändete seinen Anteil von 58 % am Formel-Vermarkter Slec Holdings Ltd., um seine Darlehen von 1,6 Mrd. $ zu sichern. Heimlicher Regisseur, so das zur Verlagsgruppe Handelsblatt gehörende Magazin, sei der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Thomas Fischer als Vorsitzender eines sechsköpfigen Lenkungsausschusses der drei Banken.

Der italienische Medienkonzern Mediaset, eine Tochter der Holding Fininvest von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, hat gestern dementiert, Interesse an Kirch Media zu haben. Als "aus der Luft gegriffene Hypothesen" bezeichnete Piersilvio Berlusconi die Meldungen über die Kaufabsichten. Berlusconi ist Sohn des Premier und Vizepräsident von Mediaset.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%