Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden treten dem Schengen-Abkommen bei
Nordeuropäische Länder schaffen Grenzkontrollen ab

Reisende aus EU-Länders haben am Beginn der Woche freie Fahrt über 5 000 Kilometer: Von Gibraltar im Süden Spaniens bis Kirkenes an der Nordostspitze Norwegens wird es keine Passkontrollen geben.

dpa KOPENHAGEN. Alle fünf nordeuropäischen Länder haben am Sonntag die Grenzkontrollen für Bürger aus EU-Ländern abgeschafft. Durch den Beitritt von Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden zum Schengen-Abkommen haben Reisende aus den Unionsländern seit Beginn der Woche freie Fahrt über 5 500 Kilometer von Gibraltar im Süden Spaniens bis nach Kirkenes an der Nordostspitze Norwegens. Gleichzeitig wurden in Nordeuropa aber auch die Kontrollen bei der Einreise aus angrenzenden Ländern außerhalb der EU wie Polen und Russland deutlich verschärft. In allen Ländern verlief der Schengen- Beitritt ohne praktische Probleme, aber auch ohne offizielle Feiern wegen der vor allem in Dänemark ablehnenden Haltung der Öffentlichkeit.

Die angekündigten Demonstrationen rechtsorientierter Schengen- Gegner an der dänisch-deutschen Grenze blieben zunächst aus. Im Mittelpunkt der Kritik stand die Sorge vor verstärkten Grenzübertritten Krimineller und illegal einreisender Asylbewerber. Hinzu kamen historische Bedenken wegen der Rolle des Nachbarlandes Deutschlands als Besatzungsmacht 1940 bis 1945.

Grenzkontrollstellen wurden geschlossen

In der Nacht zum Sonntag fanden sich an deutsch-dänischen Grenzübergängen wie Krusau und Padburg Schaulustige ein, um die Schließung der Kontrollstellen mitzuerleben. Vor allem während der Urlaubszeit mussten hier in der Vergangenheit deutsche Touristen auf dem Weg an die dänische Nordsee und umgekehrt Richtung Süden reisende Dänen zum Teil erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen. Diese fallen nun ganz weg.

Angehörige der dänischen Minderheit im deutschen Südschleswig und der deutschen Minderheit im dänischen Nordschleswig teilten am Sonntag Blumen im Grenzgebiet aus. Für die deutsche Minderheit sagte Verbandschef Hans-Heinrich Hansen im Rundfunk: "Heute ist ein Freudentag für uns."

Dänemark lehnte gemeinsame Feier an der Grenze ab

Die dänische Regierung hatte vorab Vorschläge aus dem Berliner Innenministerium abgewiesen, das endgültige Ende der gegenseitigen Grenzkontrollen gemeinsam mit Bundesinnenminister Otto Schily und dem Kopenhagener Justizminister Frank Jensen an der Grenze zu feiern. Nachdem es dazu offiziell hieß, Jensen sei aus zeitlichen Grunden verhindert, besuchte der dänische Minister am Sonntag mit Medienbegleitung den Kopenhagener Hafen, um sich die durch Schengen deutlich verschärften Grenzkontrollen für Fähren-Passagiere aus Polen vorführen zu lassen.

Die namhafte Kopenhagener Wochenzeitung "Weekendavisen" kritisierte am Wochenende das Verhalten der eigenen Regierung: "Die dänischen Behörden haben deutsche Vorschläge für Feiern zur Öffnung dieser blutigen Grenze pur abgewiesen, wo noch vor 61 Jahren junge Männer umgebracht wurden. In Dänemark hofft man fast, dass die Leute dieses Ereignis überhaupt nicht bemerken." Der Chef des Sekretariats der deutschen Minderheit; Siegfried Matlok hatte das abweisende Verhalten der Kopenhagener Stellen als "traurig und kein gutes Zeichen für den Stand des deutsch-dänischen Verhältnisses" eingestuft.

Schily sieht Beitritt als Chance für EU-Bürger

Schily und die schwedische Ministerin für Entwicklung und Migration, Maj-Inger Klingvall, bezeichneten den Wegfall der Binnengrenzkontrollen als große Chance. "Für alle Reisenden, ob Unionsbürger oder Angehörige von Drittstaaten, bedeutet dies einen enormen Gewinn an Freizügigkeit", sagte Schily am Sonntag in Sassnitz auf Rügen.

Island und Norwegen sind als bisher einzige nicht der EU angehörende Staaten in den Schengen-Raum einbezogen, weil die nordeuropäischen Länder seit 1957 keine gegenseitigen Passkontrollen mehr durchführen und die "Nordische Passunion" erhalten bleiben sollte.

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