DAI-Studie macht Hoffnung
Langjährige Baisse soll es nicht geben

Das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) macht Hoffnung: "Die aktuelle Situation an den Aktienmärkten ist nicht mit der Krise nach 1929 vergleichbar." Im Gegensatz zu den 30er-Jahren sänken die Kurse heute trotz Wachstums. Langfristig werde das Wirtschaftswachstum wieder für steigende Kurse sorgen - wenn es gelingt, das erschütterte Vertrauen der Anleger in die Aktienmärkte wieder zu gewinnen.

HB FRANKFURT/M. Zwar gebe es Parallelen zu der Lage nach jenem "Schwarzen Freitag" am 25. Oktober 1929, dem mehr als 20 Jahre Baisse an den Börsen der Welt folgten: So war 1929 wie auch im Jahr 2000 an der Wall Street eine Spekulationsblase geplatzt. Technische Errungenschaften hatten vorher die Anleger von "neuen Zeitaltern" mit endlos steigenden Unternehmens- und Kursgewinnen träumen lassen. Bewährte Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wurden für überkommen befunden und über Bord geworfen.

Die Zauberworte der 20er Jahre waren Fließband, Radio und Telefon, die Überflieger-Aktien AT & T, General Electric oder International Telephone. In den 90ern übernahmen Internet, Handy und Biotechnologie mit Yahoo, Nokia und Amgen diese Rollen. Erneut gab es rasante Kursanstiege, die KGV erreichten teils vierstellige Werte. Bereits 1996, bevor die Märkte richtig heiß liefen, warnte der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Alan Greenspan vor "irrational exuberance", der nicht nachvollziehbaren Überbewertung der Aktien.

Diese Überbewertung aber ist nach Ansicht vieler Experten durch die schmerzhaften Kursverluste der vergangenen zwei Jahre bereinigt. "Die Bewertungen sind wieder vernünftig, einige Märkte sind sogar unterbewertet", sagt Rolf Elgeti, Aktienstratege der Commerzbank Securities. "In den nächsten zehn Jahren sollten Aktien wieder eine Rendite von jährlich acht bis zehn Prozent bringen." Dafür sprächen auch die Anzeichen für wirtschaftliche Erholung in den USA, Europa und zahlreichen Schwellenländern.

Die im Gegensatz zu den 30er-Jahren leicht positive gesamtwirtschaftliche Lage stimmt auch die DAI-Experten zuversichtlich. Während die Depression nach 1929 von einer langen Rezession geprägt war, gab das Rezessionsgespenst diesmal nur ein kurzes Gastspiel. Trotz der Katastrophe vom 11. September hat sich in den wichtigen Wirtschaftsräumen bereits wieder moderates Wachstum eingestellt.

Das liegt laut DAI auch an der aktuellen Zinspolitik der Zentralbanken. Fed und Europäische Zentralbank (EZB) haben - anders als die Fed in den 30er Jahren - die Leitzinsen kontinuierlich gesenkt. Das sollte den Aktien bald wieder Schwung geben: In den vergangenen 50 Jahren hat extreme Niedrigzinspolitik immer direkt auf die Aktienmärkte durchgeschlagen. Bereits auf Jahressicht sorgten stark gesenkte Leitzinsen in jedem Fall für steigende Aktienkurse.

Diesmal lässt der Aufschwung jedoch bereits mehr als ein Jahr auf sich warten. Den Grund sieht das DAI in den Bilanzskandalen um Enron, Worldcom und nun auch Merck. Das Vertrauen der Anleger sei erschüttert. Nur deshalb würden sie trotz Silberstreif am Konjunktur-Himmel noch nicht wieder einsteigen.

"Wichtig ist daher, die Kapitalmarktaufsicht mit schärferen Rechten auszustatten", sagt Rüdiger von Rosen, Leiter des DAI. Die Diskussion darüber sei nun entfacht, Gesetze würden folgen. Wenn es gelänge, neues Vertrauen zu schaffen, werde dies positiv auf die Kurse wirken.

Quelle: Handelsblatt

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