Daimler-Chrysler entwickelt Notbremssystem für Lkw
Elektronische Bremse verhindert Crashs

Unfälle mit Nutzfahrzeugen sind besonders gefährlich. Ein neues Notbremssystem soll Auffahrcrashs von Lkw verhindern helfen: Entwicklern bei Daimler-Chrysler ist es gelungen, einen kostengünstigen elektronischen Assistenten zu entwickeln, der sich bereits in langen Testläufen bewährt hat.

STUTTGART. Ein Forschungsteam von Daimler-Chrysler bringt Nutzfahrzeugen das Sehen bei: Das vorausschauende Notbremssystem "Protector" soll die Unfallzahlen mit Lkw deutlich senken. Für die Entwicklung wurde das Team um Jürgen Trost, Ingo Scherhaufer und Lorenz Schäfers für den Deutschen Zukunftspreis 2002 nominiert.

"Bei großen Nutzfahrzeugen machen Auffahrunfälle etwa 25 % aller schweren Unfälle aus", sagt Jürgen Trost, Leiter der Vorentwicklung. Die Bekämpfung dieser Crash-Ursache hat sich das Team zum Ziel gesetzt.

Keine einfache Aufgabe: "Es gibt eine ganze Reihe von Ideen für Notfallbremssysteme. Doch bislang sind alle Entwickler an der Komplexität der Aufgabe gescheitert", sagt Trost. So gibt es bisher weltweit keine Konkurrenz. Außer dem Daimler-Chrysler-Team hat noch niemand ein Sicherheitssystem bis zur Marktreife entwickelt.

Die Herausforderung besteht darin, dass die Elektronik in der Lage sein muss, unterschiedliche Verkehrssituationen richtig zu beurteilen und das Fahrzeug so zu steuern, dass es mit falschen Bremsmanövern nicht selbst zur Gefahr wird. Alleine die Anforderungen auf der Autobahn, der Bundesstraße und im Stadtverkehr unterscheiden sich stark. Deshalb nimmt das Notbremssystem der Daimler-Chrysler - Entwickler nicht nur Fahrzeug-, sondern auch Umweltinformationen wahr und kann - wenn der Fahrer nicht reagiert - selbst bremsen. Neu ist vor allem, dass das System nicht nur den Verkehr beobachtet, es beurteilt auf dieser Basis die Verkehrssituation und kommuniziert mit dem Fahrer und der Umwelt.

Das alles geschieht mit Hilfe modernster Elektronik: Ein Radarsensor im Wagen beobachtet die Umgebung. Seine Informationen werden von einem Steuergerät weiterverarbeitet. Dieses Modul modelliert aus den eingehenden Daten eine künstliche Landschaft und beurteilt mit Hilfe eines ausgeklügelten Auslösealgorithmus, ob ein Bremsmanöver nötig wird oder nicht. Wird die Lage kritisch, ertönt ein Warnsignal. Reagiert der Fahrer nicht, wird die Umgebung durch Hupen und Blinken gewarnt. Erst wenn das alles nichts nutzt, wird über die elektronische Bremsanlage unabhängig vom Pedaldruck gebremst. Während den Testfahrten von gut einer Millionen Kilometern in Kundenfahrzeugen reagierte der Protector nach Daimler-Chrysler-Angaben bisher souverän. Es sei bislang noch zu keiner Fehlbremsung gekommen.

Eckhard Cordes, Leiter des Geschäftsfeldes Nutzfahrzeuge, geht davon aus, dass das intelligente Assistenzsystem in zwei bis drei Jahren in Serie gehen wird. Nachdem ausschließlich gängige Komponenten eingesetzt werden, gebe es für die Serienproduktion keine allzu großen Hürden. Wahrscheinlich werde das System als reine Softwarelösung zusammen mit dem "Telligent Abstandsregler" angeboten, der zurzeit für 3 745 Euro Aufpreis zu haben ist. Damit wäre Daimler-Chrysler als erster Hersteller mit einer Notbremse auf dem Markt.

Mitsubishi und Hino bieten in Japan einfache Abstandsregelungssysteme an, die optisch und akustisch warnen. Scania stellte vor einem Jahr ein Konzeptfahrzeug vor, und auch Iveco und Renault arbeiten noch an derartigen Notbremssystemen. Antiblockiersysteme (ABS) und Elektronische Schlupfregelung (ESP) sind so ausgereift, dass von dieser Technik keine Fortschritte bei der Vermeidung von Unfällen zu erwartet ist, sagt Daimler-Chrysler-Forscher Trost. Nur Systeme, die auf ihr Umfeld reagieren, könnten mehr Sicherheit bringen. Für den Protector hält Daimler-Chrysler zwar die Basispatente, doch langfristig soll das System auch Wettbewerbern nicht vorenthalten werden. "Das wäre nicht zu vertreten", sagt Trost. "ABS ist ein gutes Beispiel dafür. Es ist hier im Hause entwickelt worden. Mittlerweile fährt jeder neue Lkw mit ABS."

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