Daimler-Chrysler eröffnet Customer Research Center in Berlin
Autokäufer auf virtueller Testfahrt

Bei der Entwicklung von Autos kommt den Kunden eine wachsende Bedeutung zu: In Simulatoren können sie die Ausstattung von neuen Autos Schwachstellen zu beseitigen und die Kosten zu senken.

HB BERLIN. Verwirrt das Navigationssystem? Bläst die Lüftung angenehm? Blendet da auch nichts? Autobauer haben solche Fragen bislang erst in teuren Prototypen beantworten können. Dank verbesserter Simulatoren können nun Fehlplanungen früher vermieden werden. Verstärkt werden Autofahrer in den Entwicklungsprozess einbezogen, so auch im gerade eröffneten Customer Research Center von Daimler Chrysler - in Berlin Marienfelde. Wie die Stuttgarter Autobauer setzen immer mehr Anbieter auf virtuelle Teststände, an denen Kunden neue Technik frühzeitig testen können.

Im Daimler-Chrysler-Labor wird untersucht, welche Teile den Fahrer vom Verkehr ablenken. Auch optische, akustische und emotionale Sinnesreize, etwa die Wirkung des Knackens beim Blinken, werden analysiert. In fünf Forschungsfahrzeugen stehen Telematiksysteme und Bordelektronik auf dem Prüfstand. n einer Auto-Attrappe durch eine virtuelle Landschaft, während Techniker die Neigung der Frontscheibe, die Anordnung der Lüftungslamellen und die Lichtverhältnisse ändern.

Neben solchen simulierten Situationen werden Testpersonen auch real auf die Straße geschickt. Das Testfahrzeug ist ausgestattet mit zwei Kameras - die eine beobachtet den Fahrer, die andere blickt auf die Straße. So wird dokumentiert, ob es Probleme mit der Bedienung des Fahrzeugs gibt. Während der Fahrt kann der Fahrer außerdem per Funk Kontakt mit dem Labor aufnehmen und seine Eindrücke von dem Fahrzeug schildern.

Unter Laborbedingungen gehört zu solchen Tests auch die Messung der elektrischen Leitfähigkeit der Haut, die auf Stress schließen lässt. Außerdem zeichnet ein spezieller Helm die Augenbewegungen auf, wodurch nachvollzogen werden kann, wie übersichtlich das Display des Bordcomputers gestaltet ist.

Gerade bei der Entwicklung intuitiv bedienbarer Navigationssysteme wird das immer wichtiger. "Wir legen jedoch nicht nur das Fundament für die Cockpit-Designer, sondern auch den Karosseriebau", sagt Laborleiter Götz Renner. Wenn spätere Nutzer die Neuerungen erproben, "wird der Kunde selbst zum Forscher", sagt Renner.

Die frühe Schwachstellenanalyse macht sich bezahlt: "Durch Fahrsimulatoren lassen sich 30 bis 50 % Entwicklungskosten sparen, weil Probleme noch vor dem Prototypenstadium ausgeschaltet werden", sagt Manfred Dangelmaier, Leiter des Kompetenzzentrums Virtual Environments des Fraunhofer- Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Mehr ist noch nicht zu machen, da trotz Simulation noch nicht auf reale Prototypen verzichtet werden kann", erklärt der Wissenschaftler. Das Fraunhofer IAO hat Systeme für das Virtual Prototyping und Testing entwickelt, die im Rahmen eines EU-Projektes unter anderem bei Fiat, Volvo, Renault, Bosch und Siemens genutzt werden.

Die Bedeutung von Simulatoren steigt auch: Fahrassistenzsysteme, Internet, Entertainment-, Notfall- und Navigationssysteme halten Einzug. "Schlüssige Bedienkonzepte werden zum Schlüsselfaktor für den Entwicklungs- und Verkaufserfolg"ähnlicher Trackball im Zentrum steht.

Bislang waren . Nun werden die kostspieligen Grafik-Workstations durch PC-basierte Lösungen und günstige Beamer-Technik ersetzt. So verabschiedet sich setzt auf ein Netzwerk von Kleinrechnern. Jedem Rechner wird eine eigene Aufgabe zugewiesen. Das ist kostengünstiger und schneller als ein Großrechner", sagt BMW-Sprecher Manuel Hiermeyer. en Konstruktionstools auch die klassische Verkehrssimulation: Es ist inzwischen üblich, verschiedene Fahrsituationen darzustellen - ob Autobahn oder Landstraße, ob Regen oder Glätte. Möglich machen das komplexe Rechnerverfahren, die die Hydraulik des Fahrsimulators alle Bewegungen des Autos in Echtzeit ausführen lassen. Querdynamik in der Kurve? Kein Problem. Die Testfahrer im Daimler Chrysler-Simulator - spüren sogar die Rückstellkräfte am Lenkrad. Und beim beherzten Tritt aufs Gaspedal quietschen sogar die Reifen.

Quelle: Handelsblatt

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