Daimler-Chrysler nach Umsatzrückgang unter Druck
Deutliche Gewinne der Telekom ziehen Dax ins Plus

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat am Mittwoch Händlern zufolge wegen der deutlichen Kursgewinne beim Indexschwergewicht Deutsche Telekom nach anfänglichen Verlusten in die Gewinnzone gedreht und konnte knapp zwei Prozent zulegen.

rtr/dpa-afx FRANKFURT. Händler sagten, die Telekom ziehe den Index der deutschen Standardwerte nach oben. Der Kursgewinn von mehr als vier Prozent bei der Telekom sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Anleger, die auf weiter fallende Kurse spekuliert hatten, nun angesichts der Kursgewinne ihre Positionen wieder glattstellen müssten, um die eigenen Verluste zu begrenzen. Beim so genannten "short selling" leihen sich Anleger Aktien, die sie dann verkaufen, um sie bei fallenden Kursen billiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Wiederkaufspreis minus eine Leihgebühr kann der Anleger als Gewinn behalten.

Der Dax stieg am Vormittag um 1,68 % auf 4265 Punkte. Auch der Neue Markt drehte am Vormittag ins Plus und stieg um 2,39 % auf 833 Punkte.

Daimler-Chrysler gibt aufgrund unerwarteter Umsatzrückgänge am Vormittag nach

Der Aktienkurs von Daimler-Chrysler stand am Mittwochmorgen wegen erwarteter Umsatzrückgänge in den USA deutlich unter Druck. Die Papiere verlieren bis 9.45 Uhr um 1,7 % auf 35,18 ?.

"Durch die amerikanische Chrysler und die starken Exporte von Mercedes-Fahrzeugen ist Daimler-Chrysler besonders stark vom US-Markt abhängig", sagte ein Frankfurter Händler. Eine mögliche Abschwächung der US-Konjunktur würde sich dementsprechend stark auf die Umsätze des Stuttgarter Automobilkonzerns auswirken.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's setzte Daimler-Chrysler am Dienstagabend auf "CreditWatch Negative". Das bedeutet, dass die Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Konzerns möglicherweise bald gesenkt werden könnte und der Wert in den nächsten Tagen und Wochen besonders aufmerksam beobachtet wird. "Eine solche Herabstufung der Kreditwürdigkeit geht oftmals mit schlechteren Kreditkonditionen und so mit höheren Kreditkosten einher", sagte der Händler weiter.

Auch die Befürchtungen über ein drohendes Bußgeld in Millionenhöhe aus Brüssel hätten den Daimler-Chrysler -Kurs heute belastet, sagte der Händler. Dem Stuttgarter Konzern wird die Behinderung von Autoverkäufen im benachbarten europäischen Ausland an Deutsche Kunden vorgeworfen. Damit habe Daimler-Chrysler die Freiheit des Warenverkehrs innerhalb der EU verletzt, so die Anschuldigung der Kommission.

Gegen Volkswagen hatte die EU bereits 1998 aus gleichem Grund ein Bußgeld in Höhe von 103,3 Mill. ? verhängt. Das mache die Verhängung eines Bußgeldes auch bei Daimler-Chrysler sehr wahrscheinlich, hieß es.

Auch Technologiewerte zu Beginn unter Druck

Angeführt wurde die Liste der Dax-Kursverlierer im frühen Handel von den Technologiewerten SAP und Infineon , die jeweils rund vier Prozent verloren. Infineon hatten bereits am Vortag hohe Einbußen erlitten, die Händler auf Verkäufe eines großen Investoren aus den USA zurückführten. Auch andere Technologietitel rutschten tief ins Minus. So bröckelten SAP in der ersten halben Handelsstunde um 3,28 Prozent auf 106,00 Euro ab. Siemens verloren 1,55 Prozent auf 42,59 Euro. Auch das dritte Mitglied der Siemens-Familie, Epcos , gab um 0,97 Prozent auf 33,53 Euro ab.

Zu den Verlierern gehörten auch Lufthansa mit einem Abschlag von 1,71 Prozent auf 10,32 Euro. Die gebeutelte Fluggesellschaft will heute Nachmittag eine Aufsichtsratsitzung einberufen. Im Gegensatz zu Konkurrenzunternehmen plant das deutsche Unternehmen laut einem Bericht im "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe) keine Entlassungen. Allerdings nennt das Blatt keine Quellen.

Linde

zogen um 0,99 Prozent auf 43,83 Euro an. "In einem so volatilen Markt sind defensive Werte wie Linde gefragt", erläuterte ein Händler. Zulegen konnten auch die Papiere der Deutschen Post und von Schering , die jeweils mehr als ein Prozent gewannen.

"Die Vorgaben aus den USA sind gar nicht so schlecht", sagte ein Händler. Das Problem sei, dass "einfach niemand" kaufen wolle. "Wenn vor einem halben Jahr die US-Notenbank die Zinsen so deutlich gesenkt hätte, wären die Aktienmärkte in die Höhe geschossen", kommentierte er.

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