Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied Eckhard Cordes erwartet deutliche Spareffekte
Internet-Plattform Covisint ist startbereit

Ford, General Motors und Daimler-Chrysler wollen künftig über die Internet-Plattform Covisint ihren Einkauf im Wert von 240 Mrd. Dollar abwickeln. Die erste kartellrechtliche Hürde wurde Anfang der Woche in USA genommen. Jetzt kommt es auf die deutschen Wettbewerbsbehörden an.

STUTTGART. Eckhard Cordes, im Vorstand von Daimler-Chrysler für E-Business zuständig, ist zuversichtlich. Für die Internetplattform Covisint rechnet er bald auch mit dem Einverständnis der deutschen Kartellbehörden. Mit der Freigabe könne der Startschuss für die seit Februar in Vorbereitung befindliche Automobil-Einkaufsplattform fallen. "Wir sind über Nacht arbeitsfähig", sagte Cordes dem Handelsblatt. Von Covisint verspricht er sich "deutliche" Einsparungen, etwa durch weniger Lagerhaltung in der Lieferkette. Die in einer oft zitierten Goldman - Sachs-Studie genannten 1 000 $ pro Auto hält Cordes aber für sehr hoch.



Covisint soll die Arbeit schrittweise aufnehmen. Anfangs können nicht-produktive Produkte wie Büromaterial und Standardteile über elektronische Kataloge bestellt werden. Ab 2001 soll der Umfang der Leistungen über die gesamte Lieferkette erweitert werden. Später sind Consulting und andere Dienstleistungen als zusätzliche Einnahmequellen neben den Transaktionsgebühren angedacht. Geplanter Einkaufsumfang: 240 Mrd. $.



Die drei Gründungsmitglieder Ford, General Motors und Daimler-Chrysler sollen zunächst je 30 % der Anteile von Covisint halten. Doch die Plattform sei offen für weitere Anteilseigner, etwa Zulieferer. "Bisher sind aber keine in Sicht", so Cordes. Dies werde auch nicht forciert. Bei Zulieferanteilen oder einem ebenfalls angedachten Börsengang würden sich die Anteile der Gründungsmitglieder gleichmäßig reduzieren. Es sei "völlig offen", wie groß der Anteil der Gründungsmitglieder auf Dauer sein werde: "Es muss nicht die Mehrheit sein."



Für Europa wird eine 100 %ige Tochtergesellschaft gegründet. In Asien gibt es vorerst keine Pläne für eine Covisint-Tochter. Die Situation könnte sich langfristig allerdings durch eine Einbeziehung der künftigen Daimler-Chrysler-Beteiligung Mitsubishi Motors ändern. Zudem werde mit "anderen unabhängigen japanischen Herstellern" über eine zumindest teilweise Teilnahme verhandelt. Dabei kann es sich nur um Honda und Toyota handeln.



Als einziger der großen Autohersteller will aus Sicht von Cordes Volkswagen eine eigene Plattform aufziehen. Außerdem arbeiten große Zulieferer wie Bosch, Conti und ZF Friedrichshafen an einer eigenen Plattform. Bei BMW sei "vielleicht noch nicht das letzte Wort gesprochen". Für Cordes wäre allerdings eine einzige Plattform für die gesamte Automobilindustrie "der Idealfall". Es gehe nicht darum, das Einkaufsvolumen der großen drei Automobilhersteller zu bündeln.



Cordes vergleicht Covisint vielmehr mit einer Telefongesellschaft, die die Infrastruktur und die technischen Standards für die Kommunikation in der Autoindustrie bereitstellt. In einer möglichen Alleinstellung von Covisint sieht der Daimler-Chrysler-Vorstand für die Zulieferer kein Problem. Es bestehe kein Zwang, an Covisint teilzunehmen. Auch könnten die Zulieferer im Gegensatz zu den Kunden im früheren Telefonmonopol die Transaktionsgebühren auf die Preise aufschlagen. Über Höhe und Art der Gebühren werde noch diskutiert.



Der Manager versucht, die Bedenken von Zulieferern zu zerstreuen, dass die Automobilhersteller durch die Internetplattform in deren Verantwortungsbereich eingreifen wollen, ohne sich an eventuellen Folgekosten zu beteiligen. Cordes: "Information und Entscheidung bleiben getrennt." Das Ziel seien schnellere Informationsprozesse. "Unsere Vision ist, dass Kunden ihr Fahrzeug im Internet zusammenstellen, per Knopfdruck bestellen und gleichzeitig die notwendigen Bestellungen bei den Lieferanten ausgelöst werden." Er kann sich vorstellen, dass die Zeit zwischen Bestellung und Auslieferung auf knapp zwei Wochen schrumpft. Heute sind es nach Angabe von Marktexperten mindestens zwei Monate.



Cordes erwartet allerdings, dass die Kostenvorteile durch den Einkauf via Internet auf Grund des Konkurrenzdrucks letztendlich an den Kunden weitergegeben werden müssen. "Wer sich nicht an Covisint beteiligt, erleidet einen Wettbewerbsnachteil."



Im Vertrieb sieht Cordes jedoch keine Revolution. Die Bestellung solle weiterhin über den Händler abgewickelt werden. "Im Gegensatz zum Buch braucht ein Auto Wartung." Der Händler sei unentbehrlich. Er rechnet deshalb auch nicht damit, dass Internetfirmen den Autoherstellern den Vertrieb streitig machen werden.

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