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Daimler erwägt Chrysler-Mitsubishi-Kooperation

Daimler-Chrysler zieht eine enge Zusammenarbeit zwischen ihrer angeschlagenen Chrysler-Sparte und dem japanischen Partner Mitsubishi Motors in Betracht, die über den Austausch von Teilen hinausgehen könnte.

Reuters FRANKFURT. Die Daimler-Chrysler AG zieht eine enge Zusammenarbeit zwischen ihrer angeschlagenen Chrysler-Sparte und dem japanischen Partner Mitsubishi Motors in Betracht. Ein Sprecher des Konzerns sagte am Montag in Stuttgart, dies sei eine interessante Möglichkeit. Er reagierte damit auf einen Bericht der Zeitung "Financial Times Deutschland", wonach eine Kooperation zwischen Mitsubishi und Chrysler weit über den Austausch von Teilen hinausgehen könnte. Derweil berichtete das Magazin "Capital" über eine angeblich geplante Neuordnung der Konzernstruktur, die die Integration verschiedener Sparten voran bringen solle. Der Sprecher sagte, dazu gebe er keine Stellungnahme ab, jedoch sei das Unternehmen mit der derzeitigen Struktur sehr zufrieden. An der Börse legte der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie deutlich zu.

"Es ist zu früh, zu sagen, ob es tatsächlich so kommen wird, aber es ist eine interessante Option", sagte der Sprecher zu der angeblich geplanten engen Kooperation zwischen Chrysler und Mitsubishi. Es werde aber auch nach Einsparmöglichkeiten zwischen den Marken Mercedes und Chrysler gesucht, jedoch nur, ohne die Marke Mercedes zu beschädigen. DaimlerChrysler hatte mitgeteilt, verstärkt Komponenten von Mercedes wie Motoren und Getriebe in Chrysler-Modelle einbauen zu wollen. Umgekehrt ist aber keine Verwendung wesentlicher Chrysler-Komponenten in Mercedes-Pkw geplant, da der Konzern das Image der Marke Mercedes schützen will.

Die "Financial Times Deutschland" hatte einen namentlich nicht genannten Daimler-Chrysler-Manager mit den Worten zitiert, die Einspareffekte durch eine Kooperation zwischen Chrysler und Mitsubishi seien viel größer als zwischen Chrysler und Mercedes. So plane der Konzern, baugleiche Fahrzeuge unter beiden Markennamen zu verkaufen. Ferner würden gemeinsame Plattformen für verschiedene Modelle entwickelt, berichtete das Blatt. Während der Verkauf gleicher Autos unter zwei Markennamen schon ab sofort machbar sei, könnten gemeinsame Plattformen erst nach einem Modellwechsel eingesetzt werden.

An Mitsubishi hält Daimler-Chrysler 34 % der Anteile. Der viertgrößte japanische Hersteller kämpft derzeit ebenfalls mit Verlusten und erwartet im Geschäftsjahr 2000/01 (zum 31. März) einen Verlust von umgerechnet etwa 1,4 Mrd. Euro.

Derweil lehnte der Konzernsprecher eine Stellungnahme zu einer angeblich geplanten neuen Konzernstruktur ab, äußerte sich zugleich aber zufrieden über den jetzigen Organisationsaufbau. Die jetzige Struktur mit den Sparten Pkw Mercedes/Smart, Chrysler, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen sei klar und habe sich bewährt. "Wir sind mit der Struktur sehr zufrieden." Man dürfe Fragen zur strategischen Ausrichtung nicht mit "operativen Herausforderungen" in einigen Bereichen vermengen. Er betonte nochmals, dass die vor kurzem eingesetzte neue Chrysler-Führung bis Ende Februar ein Konzept für die umfassende Neuausrichtung der angeschlagenen US-Sparte vorlegen werde. Chrysler hatte im dritten Quartal 579 Mill. Euro Verlust ausgewiesen.

Das Magazin "Capital" berichtete, das Fahrzeuggeschäft solle künftig in die Sparten "Luxusklasse" mit der Marke Mercedes, "Kompakt- und Kleinwagen" mit den Marken Mitsubishi, Chrysler und Smart, "Geländewagen und Minivans" mit den Marken Mitsubishi, Chrysler und der Mercedes M-Klasse sowie Nutzfahrzeuge aufgeteilt werden. Jede Sparte solle von einem Vorstand geleitet werden. Die einzelnen Marken verlören erstmals ihre Unabhängigkeit und bildeten einen Entwicklungs- und Produktionsverbund, der durch die Nutzung baugleicher Teile und Plattformen Einsparungen in Milliardenhöhe bringen solle.

Bei der Kompaktklasse bleibe die Marke Chrysler nur noch als Marke bestehen, die technische Entwicklung werde von Stuttgart und Tokio aus gesteuert, hieß es in dem vorab veröffentlichten Bericht weiter. In der Geländewagensparte sollten künftig die Mercedes M-Klasse und der Chrysler-Jeep Cherokee eine gemeinsame technische Plattform erhalten. In Firmenkreisen wurde dies aber als falsch zurückgewiesen. Die M-Klasse und der Jeep würden weiterhin getrennt voneinander weiterentwickelt.

An der Börse legte der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie am Montag bis zum Nachmittag deutlich stärker als der Gesamtmarkt um 3,4 % auf etwa 50 Euro zu. Händler führten den Zuwachs auf die Berichte über eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Chrysler und Mitsubishi zurück. Analysten sagten, dies wäre ein positiver Schritt, jedoch werde es eine Weile dauern, bis er sich wirklich auswirken würde.

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