Daimler
Kommentar: Frühe Weichenstellung

Daimler-Chrysler stellt frühzeitig die Weichen für die Nachfolge an der Spitze des Unternehmens.

Der Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat scheint aus der Geschichte gelernt zu haben. Vor fast 10 Jahren hat die Frage, wer Nachfolger von Edzard Reuter würde, den damaligen Daimler-Benz-Konzern fast zerrissen. Der Kampf von Jürgen Schrempp, damals Chef der Luft- und Raumfahrtsparte Dasa, gegen den Mercedes-Benz-Chef Helmut Werner hat tiefe Wunden hinterlassen, die noch lange im Konzern zu spüren waren. Zudem verlor der Konzern mit Helmut Werner, der es vorzog zu gehen, einen renommierten Automobilmanager.

Dieses Mal stellt der Aufsichtsrat die Weichen frühzeitig. Dieter Zetsche, Chef der Chrysler-Sparte, ist eindeutig der Favorit - wenn er bei der Sanierung weiter so erfolgreich ist. Allerdings ist der Konzern in der guten Lage, mit Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes, der 1998 mit Schrempp die Chrysler-Übernahme einfädelte, einen weiteren Kandidaten zu haben.

Man hofft, dass Cordes im Gegensatz zu Werner bei der Stange bleibt, wenn Zetsche an ihm vorbeizieht. Immerhin ist Daimler-Chrysler der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt. Und die schwierige Nutzfahrzeugsparte braucht nach den ständigen Wechseln an ihrer Spitze endlich Kontinuität.

Erwartet wird der Rückzug von Schrempp zur Hauptversammlung 2005. Dann hat er zehn Jahre die Zügel in der Hand gehabt - und kann voraussichtlich mit einem respektablen Abgang rechnen. Er tut alles dafür, bis dahin doch noch nachzuweisen, dass die Chrysler-Fusion und der Einstieg bei Mitsubishi Motors in Japan sich rechnen.

Es brächte wenig, bekäme Schrempp nochmals einen kurzfristigen Vertrag. Der Daimler-Chef feiert 2005 seinen 60. Geburtstag. Und bei Daimler-Chrysler gilt künftig die Regelung, dass es von diesem Alter an nur noch Einjahresverträge gibt. Doch solch ein Kurzläufer gibt weder den Aktionären noch den Mitarbeitern eine Perspektive. Schon jetzt beginnen die Führungskräfte, sich auf die Zeit nach Schrempp auszurichten. Eine Verlängerung würde den Konzern nur in Lethargie verfallen lassen. Und die potenziellen Nachfolger könnten abspringen. Zetsche werden gute Chancen bei General Motors und Ford nachgesagt.

Offen ist aber eine andere wichtige Personalie: Wer wird Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler? Der Vertrag von Hilmar Kopper läuft 2004 aus, könnte aber bis 2005 verlängert werden. Von einem externen Kandidaten ist nichts zu hören. Ihn zu finden ist zwar nicht leicht. Denn es herrscht Zurückhaltung unter Topleuten, solche aufwendigen Mandate anzunehmen. Aber Schrempp als Aufsichtsratschef wäre eine wenig überzeugende Alternative. Der Vorteil wäre zwar, dass er jeden Winkel des Konzerns kennt. Doch der Corporate-Governance-Kodex rät ab, weil solche Aufsichtsratschefs ihren Nachfolgern oft wenig Raum lassen. Und Schrempp ist ein Machtmensch.

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