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Daimler-Pläne für möglichen Stellenabbau dauern noch

rtr FRANKFURT. Die Daimler-Chrysler AG wird nach eigenen Angaben noch etwas Zeit brauchen, bis der Umfang eines möglichen Stellenabbaus bei der angeschlagenen US-Tochter Chrysler feststeht. "Es gibt in den nächsten Tagen zu einem Stellenabbau bei Chrysler nichts von uns", sagte ein Konzernsprecher am Freitag in Stuttgart. Er relativierte damit Aussagen von Finanzvorstand Manfred Gentz vom Vortag, wonach der Konzern Pläne für einen eventuellen Stellenabbau möglichst rasch vorlegen wolle. In Firmenkreisen hieß es, für umfangreichere Personalmaßnahmen seien wegen der komplizierten Tarifverträge in den USA ohnehin Verhandlungen mit der US-Autogewerkschaft UAW nötig. Relativ unproblematisch sei es möglich, kurzzeitig die Fertigung in einzelnen Werken ruhen zu lassen.

Der Konzernsprecher sagte, wenn der Konzern schon jetzt über einen Stellenabbau spräche, würde er damit dem vom neuen Chrysler-Chef Dieter Zetsche auszuarbeitenden Plan zur Neuausrichtung von Chrysler vorgreifen. "Das kann mit Sicherheit nicht kurzfristig über das Knie gebrochen werden." Der vor einer Woche ernannte Zetsche soll bis zum ersten Quartal 2001 seinen Umstrukturierungsplan ausarbeiten.

Gentz hatte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, sein Unternehmen wolle mit Aussagen über einen möglichen Stellenabbau so schnell wie möglich an die Öffentlichkeit gehen. "Aber geben Sie Herrn Zetsche noch ein paar Wochen Zeit, vielleicht sind es eher nur ein paar Tage", hatte er gesagt. Jedoch werde auf jeden Fall die Produktion in den Werken von Chrysler gesenkt. Chrysler hatte bereits zuletzt angekündigt, in der kommenden Woche die Produktion in drei der 13 Werke in Nordamerika ruhen zu lassen, um die Fahrzeughalden abzubauen.

Chrysler hatte im dritten Quartal einen Verlust von 579 Mill. Euro erwirtschaftet, sollte nach ursprünglichen Plänen aber bereits im vierten Quartal wieder Gewinne erzielen. Im Zusammenhang mit dem Führungswechsel bei Chrysler hatte der Stuttgarter Mutterkonzern jedoch angekündigt, die Ergebnisse bei der US-Tochter würden schlechter als erwartet ausfallen. Die US-Tochter leidet doppelt unter dem Preiskampf auf dem US-Markt, da Chrysler wegen Modellwechseln hohe Kosten hat und außerdem auslaufende Modelle nur mit hohen Rabatten verkaufen kann.

Zu den möglichen Einschränkungen bei einer Sanierung durch die bei Chrysler geltenden Tarifverträge hieß es in Firmenkreisen, grundsätzlich seien die für Chrysler bestehenden Vereinbarungen sehr umfassend und machten bei einschneidenden Maßnahmen im Grunde Verhandlungen mit der UAW nötig. Jedoch sei trotzdem eine größere Flexibilität möglich, da die Tarifverträge nach deutschen Maßstäben eine Mischung aus Tarifvertrag und Betriebsverfassungsgesetz seien. Damit könnten auch Aspekte verhandelt werden, die in Deutschland nicht zum Gegenstand von Verhandlungen gemacht werden könnten.

Relativ einfach seien Produktionspausen für einzelne Werke umzusetzen, hieß es in den Kreisen. Der im September 1999 ausgehandelte und bis 2003 geltende Tarifvertrag sieht Betriebspausen von bis zu 42 Wochen in dem Vier-Jahres-Zeitraum vor. Die betroffenen Beschäftigten erhalten in diesem Fall bis zu 95 % ihres Einkommens bezahlt, wobei ein Teil des Geldes dann aus staatlichen Unterstützungskassen stammt.

Zu einem möglichen Stellenabbau bei Chrysler hieß es in den Kreisen, im Grunde gehe es bei der Analyse der Lage nun darum festzulegen, welchen Marktanteil Chrysler in Nordamerika anstrebe und mit welchen Fahrzeugen dies erreicht werden solle. "Im dritten Schritt kann man dann sagen, wie viele Beschäftigte man braucht." Derzeit beschäftigt Chrysler 125 000 Menschen.

Für eine Neuausrichtung von Chrysler wird nach Firmenangaben auch geprüft, inwieweit bei der Fertigung von Chrysler auch Methoden von Mercedes übernommen werden können. Ein Konzernsprecher lehnte allerdings eine Stellungnahme zu einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ab, wonach Chrysler durch die Übernahme von Produktionsverfahren nach deutschem Vorbild seine Fertigung flexibilisieren und mehrere hundert Mill. $ sparen wolle.

Die Fertigung von Mercedes zeichnet sich nach Firmenangaben durch eine hohe Flexibilität aus, da Arbeiter beispielsweise durch Standardisierungen wie etwa bei den Lagerorten für benötigte Werkzeuge zwischen den Fertigungen verschiedener Modelle wechseln können, ohne umfassend umgeschult werden zu müssen. Zudem fertigt Mercedes einen relativ großen Anteil von Komponenten in Montagegruppen abseits der Laufbänder selbst. Der Anteil der Eigenfertigung bei Mercedes-Pkw liegt im Schnitt bei mehr als 40 %, während Chrysler nur eine Fertigungstiefe von weniger als 30 % habe.

Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie legte am Freitag nochmals leicht zu. Am Nachmittag wurde das Papier für 49,10 Euro gehandelt und lag damit ähnlich wie der Gesamtmarkt um 1,3 % über dem Vortagesschluss. Noch am Mittwoch war der Kurs auf ein neues Rekordtief von 45,13 Euro gefallen.

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