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Daimler und Kirch reißen Dax in die Tiefe

Der Aktienindex fiel unter eine charttechnisch wichtige Marke und notierte zeitweise auf einem Jahrestief

rtr FRANKFURT. Angeführt vom Kursrutsch bei Daimler-Chrysler und wegen Sorgen um mögliche Kreditausfälle der Banken durch die Schuldenproblematik der Kirch-Gruppe haben Händlern zufolge die deutschen Börsen am Mittwoch deutlich nachgegeben. Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte unter die von Analysten als charttechnisch wichtig bezeichnete Marke von 4870 Punkten und fiel zeitweise auf ein Jahrestief bei 4817 Punkten.

"Die Verunsicherung am Markt ist weiter groß", sagte Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba. "Es gibt weiter keinen guten Grund zum Einsteigen." Der Daimler-Kurs leide besonders unter dem verhaltenen Ausblick des Konzerns, sagten Händler. Bei den Banken büßten HypoVereinsbank- Titel überdurchschnittlich ein.

Der Dax tendierte am Nachmittag mit 4849 Punkten 1,77 % unter seinem Vortagesschluss. Nach dem Bruch der 4870-Punkte-Marke könne der Index im Rahmen einer Korrekturbewegung bis auf 4360 Punkte fallen, sagte Klaus Tafferner, technischer Analyst bei Concord Effekten. Der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 notierte indessen etwas leichter bei 1080 Zählern. Der MDax für mittelgroße Werte verlor 0,15 % auf 4384 Punkte.

In den USA eröffneten die Börsen freundlich. Der Dow-Jones-Index für die Standardwerte legte um 0,19 % und die Technologiebörse Nasdaq um 0,47 % zu. Maßgeblich für den Anstieg der Nasdaq sei der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco Systems, der zuvor mitgeteilt hatte, die durchschnittlichen Analystenprognosen zum Gewinn je Aktie im zweiten Quartal zu übertreffen. Die Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von fünf (Vorjahresquartal: 18) US-Cents. Cisco wird voraussichtlich nach US-Börsenschluss die offiziellen Zahlen bekannt geben. Cisco-Titel stiegen in New York um mehr als drei Prozent.

Im Mittelpunkt des Dax-Handels standen Daimler-Chrysler, deren Titel rund fünf Prozent auf 42,60 ? einbüßten. Der Konzern hat die Ergebnisprognose für 2001 wie erwartet erfüllt, sich für das laufende Jahr aber wesentlich vorsichtiger als bislang geäußert. Für 2001 will der Konzern eine Dividende von 1,00 ? (Vorjahr 2,35) je Aktie auszahlen. "Das große Fragezeichen sind die zukünftigen Gewinnziele. Es gibt Unsicherheiten, die den Aktienwert drücken", sagte ein Analyst. Die Dividende sei zwar über den Erwartungen, viele Marktteilnehmer hätten dennoch auf mehr gehofft.

Im Daimler-Sog gaben auch die Anteilsscheine von Volkswagen und BMW um jeweils fast drei Prozent nach.

HypoVereinsbank-Papiere verbilligten sich um 2,04 % auf 33,19 ?. Händler sagten, es gehe weiter die Angst vor einem Kreditausfall im Falle einer Pleite der hochverschuldeten Kirch-Gruppe um. Nach Informationen aus Finanzkreisen will die Dresdner Bank einen 460-Millionen-Euro-Kredit, der im April ausläuft, nicht verlängern und in bar zurückbekommen. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es Spekulationen um die Kreditwürdigkeit von Kirch gegeben. Darunter hatten vor allem Finanzwerte und die Kirch gehörende Fernsehsenderfamilie ProSiebenSat.1 gelitten.

Pro7 legte im MDax am Mittwoch jedoch rund 26 % auf 5,66 ? zu, was Börsianer auf besser als erwartete Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2001 zurückführten.

Die Aktien der Deutschen Post stiegen gegen den schwächeren Trend um 2,65 % auf 15,50 ?. Die Post hat ein Konzept zu stärkeren Nutzung von Synergien zwischen den Konzernbereichen und zur Senkung von Kosten aufgelegt. "Das wird Kosten sparen und ist mittel- bis langfristig gut", sagte Aktienhändler Schmidt. Außerdem profitierten Post-Anteile von Fonds-Umschichtungen aus Tech-Werten in defensivere Werte.

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