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Daimler-Vorstand bietet Gehaltsverzicht an - Betriebsrat kampfbereitDPA-Datum: 2004-07-19 16:42:55

(dpa-AFX) Stuttgart/Berlin - Unbeeindruckt von einem möglichen Gehaltverzichts des Daimlerchrysler-Vorstands hat der Betriebsrat im Arbeitskostenkonflikt seine Kampfbereitschaft unterstrichen. Sollte es in dieser Woche keine Einigung geben, werde der Protest gegen das 500-Millionen-Euro -Sparpaket an diesem Freitag in allen deutschen Werken "mit voller Härte" fortgesetzt, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Montag. In der Nacht zum Dienstag wollten erneut einige Hundert Beschäftigte im Pkw-Werk Sindelfingen protestieren.

(dpa-AFX) Stuttgart/Berlin - Unbeeindruckt von einem möglichen Gehaltverzichts des Daimlerchrysler-Vorstands hat der Betriebsrat im Arbeitskostenkonflikt seine Kampfbereitschaft unterstrichen. Sollte es in dieser Woche keine Einigung geben, werde der Protest gegen das 500-Millionen-Euro-Sparpaket an diesem Freitag in allen deutschen Werken "mit voller Härte" fortgesetzt, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Montag. In der Nacht zum Dienstag wollten erneut einige Hundert Beschäftigte im Pkw-Werk Sindelfingen protestieren.

Das Topmanagement bekräftigte vor der möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde am Dienstag und Mittwoch, einen eigenen Beitrag leisten zu wollen. Einen Gehaltsverzicht bis zu 10 Prozent, wie am Wochenende in Medien berichtet worden war, bestätigte das Unternehmen aber nicht. Bundesregierung und Verbände werteten das Angebot als ein richtiges Signal.

Ein Konzernsprecher sagte in Stuttgart, der Vorstand sei zu einem Gehaltsverzicht bereit, wenn es eine Gesamtlösung mit dem Betriebsrat gebe. Er nannte aber keine konkrete Summe oder Prozentzahl. Der Daimlerchrysler-Vorstand hatte 2003 laut Geschäftsbericht insgesamt 40,8 Millionen Euro verdient. Davon entfielen 13,4 Millionen Euro auf fixe und 27,4 Millionen Euro auf kurz- und mittelfristig erfolgsbezogene Vergütungskomponenten. Aktienoptionen waren darin nicht enthalten.

Der Autokonzern will beim Bau der neuen C-Klasse ab 2007 jährlich 500 Millionen Euro Kosten einsparen und hat mit dem Abbau von 6000 der über 30 000 Arbeitsplätze im Mercedes-Hauptwerk Sindelfingen gedroht. Der Konzern verlangt vom Betriebsrat die Abschaffung von baden-württembergischen Sonderregelungen wie fünf Minuten Pause pro Arbeitsstunde ("Steinkühler-Pause"), Spätschichtzuschläge schon von 12.00 Uhr an sowie Kürzungen bei Urlaubs- und Feiertagen. Andernfalls werde die C-Klasse-Produktion nach Bremen und Südafrika verlagert. Der Gesamtbetriebsrat hat bislang den Verzicht auf Lohnzuwächse von mehr als 200 Millionen Euro angeboten.

Klemm, der das Verzichtsangebot des Vorstands am Wochenende als "lächerlich" bezeichnet hatte, erneuerte seine grundsätzliche Kompromissbereitschaft. "Wir verhandeln mit dem ernsthaften Willen zur Einigung. Dies bedeutet aber nicht, dass wir uns über den Tisch ziehen oder erpressen lassen", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef.

Die Pkw-Produktion von Daimlerchrysler in Deutschland lief am Montag ohne Ausfälle. Am vergangenen Donnerstag hatten mehrere zehntausend Beschäftigte gegen das Management protestiert und zeitweise die komplette Daimlerchrysler-Produktion in Deutschland lahm gelegt.

Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, sollen beide Seiten einer Einigung sehr nahe sein. Konsens soll es bei der Einführung der 40-Stunden-Woche für rund 20 000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung bei Mehrbezahlung geben. Zudem könnte es zu einem Tarifvertrag für Dienstleister kommen, wonach Arbeitnehmer in Kantinen, Druckereien und Werksschutz weniger verdienen würden als Metaller in der Autoproduktion.

Der Gesamtbetriebsrat teilte am Montag in einer Mitteilung bereits mit, nach einem positiven Abschluss der Verhandlungen werde es in allen Werken Betriebsversammlungen geben, um die Mitarbeiter zu informieren. Nach dpa-Informationen hat Daimlerchrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp den Konflikt mit dem Betriebsrat zur Chefsache gemacht. Er hat bereits mehrere Gespräche mit Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm geführt.

Die Bundesregierung begrüßte in Berlin grundsätzlich die Bereitschaft des Daimlerchrysler-Managements zu Einschränkungen. CSU - Chef Edmund Stoiber sagte, er hoffe, dass die vom Daimlerchrysler - Vorstand in Aussicht gestellte Kürzung Schule mache. Nach Auffassung des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, kann die Kürzung von Managergehältern in der Diskussion um Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen ein richtiger "symbolischer Schritt" sein.

Wohlwollend bewerteten auch Aktionärsschützer die Vorstandsinitiative. "Das ist ein positives Signal", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Er kritisierte aber die mangelnde Transparenz des nach Umsatz größten deutschen Konzerns: "Die zahlen amerikanische Gehälter, möchten aber nur schwäbisch-transparent sein."

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