DaimlerChrysler-Hauptversammlung
Schrempp bittet um Geduld

Nach sechs Minus-Quartalen in Folge schreibt der US-Autohersteller Chrysler erstmals wieder schwarze Zahlen. Mit dieser frohen Botschaft gewappnet stellt sich DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp auf der Hauptversammlung den Aktionären. Doch die sehen noch genug weitere Baustellen.

dpa/vwd BERLIN. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp verteidigte seine Strategie. Zugleich bat er die knapp 10.000 angereisten Aktionäre um mehr Geduld bei der Umsetzung der Pläne. Als Beweis für die Richtigkeit seiner Strategie verwies Schrempp darauf, dass die angeschlagene Chrysler Group im ersten Quartal 2002 erstmals seit anderthalb Jahren wieder ein leicht positives Ergebnis erreichte.

Bis zum frühen Nachmittag blieb es auf dem Aktionärstreffen unerwartet ruhig. Für die zurückhaltende und um Verständnis werbende Rede von Schrempp gab es nach einer Dreiviertelstunde nur wenig Beifall. Beobachter meinten, der Daimler-Boss habe in diesem Jahr kräftig auf die Euphoriebremse getreten.

Mehr Beifall bekam der Aktionärsschützer Jörg Pluta für seine scharfe, aber weitgehend sachliche Kritik am Schrempp-Kurs. Schrempp meinte zum weiteren Weg des deutsch-amerikanischen Autobauers: "So wie eine Strategie einen langfristigen Weg beschreibt, benötigt auch ihre Umsetzung mehrere Jahre."

Prognose bekräftigt

Im Gesamtjahr 2002 verbuchte DaimlerChrysler einen operativen Gewinn, der deutlich mehr als das Doppelte des Ergebnisses des letzten Jahres betragen wird. "Diese Aussage steht", so Schrempp.

Im vergangenen Jahr lag der operative Gewinn ohne Einmaleffekte bei 1,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich hatte die DaimlerChrysler AG allerdings wegen der hohen Aufwendungen für Chrysler einen operativen Verlust von 1,3 Milliarden Euro und einen Konzernverlust von 700 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Zudem hält DaimlerChrysler "grundsätzlich" an den zuvor veröffentlichten Aussagen für die Folgejahre fest. Auf Grund der prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung werde DaimlerChrysler diese Ziele jedoch erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt erreichen, sagte Schrempp auf der Hauptversammlung.

Weitere Dividendenkürzung ausgeschlossen

DaimlerChrysler Finanzvorstand Manfred Gentz hat eine weitere Dividendenkürzung für das Geschäftsjahr 2002 ausgeschlossen. Es gebe klare Aussagen, dass sich die Dividende am Geschäftsverlauf des jeweiligen Jahres orientiere. Da für das laufende Geschäftsjahr mit einem weit besseren Ergebnis gerechnet werde als 2001, erübrige sich die Frage nach einer weiteren Absenkung der Dividende.

Wann aber das Niveau von 2000 mit 2,35 Euro je Aktie wieder erreicht werde, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, antwortete Gentz auf entsprechende Aktionärsfragen. Der Konzern hatte wegen eines Ergebniseinbruchs 2001 die Ausschüttung auf 1,00 Euro je Aktie reduziert.

Bei den einzelnen Sparten wechseln sich Licht und Schatten ab.



  • Die verlustreiche US-Autotochter

    Chrysler

    hat nach sechs negativen Quartalen im ersten Quartal 2002 zum ersten Mal ein leicht positives Ergebnis erreicht.





  • Der Absatz von

    Mercedes Benz

    ging im ersten Quartal leicht zurück.





  • Im Geschäftsfeld

    Nutzfahrzeuge

    erwartet DaimlerChrysler, dass sich die schwierige Marktsituation, die zu erheblichen Produktionskürzungen führte, im Ergebnis niederschlagen wird. Bei den Auftragseingängen zeichne sich aber im Vergleich zu den Planungen inzwischen ein positiver Trend ab, und dies gelte auch für

    Freightliner

    .





  • Sehr zufrieden zeigte sich Schrempp mit der Betetiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern

    EADS

    , der trotz schwieriger Bedingungen seine Marktziele erreicht habe. Der Auftragsbestand von Airbus Industries liege deutlich über dem des Konkurrenten Boeing. Schrempp bekräftigte erneut, dass der Konzern seine Strategie nicht ändern werde. Dies bedeute auch, "dass es eine Plattformstrategie mit Mercedes-Benz nicht geben wird". DaimlerChrysler halte Kurs, "weil wir davon überzeugt sind, dass unsere Strategie das Unternehmen auf die führende Position in der Automobilindustrie bringen wird", sagte er.



Am Rande der Hauptversammlung dementiert Unternehmenssprecher Hartmut Schick einen Magazin-Bericht, wonach sich der Konzern aus dem China-Geschäft zurückziehen will. "Das stimmt definitiv nicht", sagte Schick auf Anfrage. Schrempp erklärte in seiner Rede, China biete "enormes Potenzial". DaimlerChrysler beschäftige sich intensiv mit diesem Markt und sei "startbereit".

Positiv in diesem Zusammenhang dürfte das Unternehmen die jüngste Nachricht aus Kuwait stimmen. Wie die "Stuttgarter Nachrichten" in ihrer Samstagausgabe unter Berufung auf den Leiter der kuwaitischen Investmentbehörde berichtete, will der Staat dem Unternehmen treu bleiben, obwohl die Deutsche Bank AG als größte Aktionärin erklärt hatte, sie werde ihre Aktien verkaufen, sobald diese im Kurs gestiegen seien. Das Institut hält zwölf Prozent an dem Fahrzeugkonzern, Kuwait sieben Prozent.

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