Damaskus und Teheran dienen offenbar als Drehscheibe
Geheimdienste orten El Kaida in Syrien

El-Kaida-Aktivisten sollen nach israelischen Angaben über Iran und Syrien in den von Damaskus dominierten Libanon gelangt sein. Syrien ist gegenwärtig dabei, die Beziehungen zu Iran, aber auch zum Irak zu intensivieren.

TEL AVIV. Das syrische Regime unterstützt offenbar die Terrororganisation El Kaida. Dies meldete am Montag die israelische Tageszeitung "Haaretz". Dem Bericht zufolge, der sich auf Informationen israelischer und anderer westlicher Geheimdienste stützt und von der Regierung in Jerusalem weitgehend bestätigt wird, halten sich gegenwärtig mit ausdrücklicher Genehmigung des syrischen Präsidenten Baschar el Assad etwa 150 bis 200 El-Kaida-Kämpfer in dem palästinensischen Flüchtlingslager Ein Hilwe südlich der libanesischen Hauptstadt Beirut auf. Den El-Kaida-Aktivisten sei von der Regierung in Damaskus der Transit durch Syrien erlaubt worden. Sie seien aus Afghanistan über Iran nach Syrien gelangt. Die libanesische Regierung, deren Politik weitgehend von Damaskus bestimmt wird, dementierte den Bericht.

Wie "Haaretz" weiter meldet, soll auch Mohammed Atta, der Anführer des Anschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September zwei oder drei Mal Syrien besucht haben. Ferner sollen sich der Sohn von El-Kaida-Chef Osama bin Laden, Omar, sowie dessen Mutter bis drei Wochen vor dem Selbstmordattentat in Syrien aufgehalten haben. Omar sei anschließend noch mindestens drei Mal nach Syrien gereist.

Ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon kommentierte den Zeitungsbericht mit den Worten, dass es lediglich eine Frage der Zeit gewesen sei, bis El-Kaida-Mitglieder in Damaskus eine bequeme Zufluchtsstätte finden würden.

Die Regierung in Teheran, die seit der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan deren Regime und damit auch die El Kaida stets bekämpft und die Nordallianz unterstützt hatte, bestreitet bislang vehement jegliche Verbindung zu Aktivisten von bin Ladens Terrorgruppe. Allerdings besuchte in der vergangenen Woche eine iranische Regierungsdelegation Syrien und konferierte dabei auch mit Präsident el Assad. Iran und Syrien unterstützen gemeinsam die schiitischen Hisbollah-Milizen im Libanon.

Darüber, ob es im Rahmen ihrer Anti-Israel-Politik über Syrien auch eine Verbindung zwischen der El Kaida und dem Irak gibt, kann heute nur spekuliert werden. Fest steht freilich, dass die über Jahrzehnte herrschende Feindschaft zwischen Bagdad und Damaskus, das sich 1991 im Krieg gegen den Irak auf die Seite der von den USA angeführten Koalition geschlagen hatte, inzwischen durch eine Phase politischen Tauwetters abgelöst wird.

So fand der irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan dieser Tage den Weg nach Damaskus. Bei seinen Gesprächen mit der dortigen Regierung ging es vor allem um die Suche nach Möglichkeiten, wie einem von der US-Regierung angedrohten Krieg gegen das Zwei-Strom-Land gemeinsam begegnet werden könne. Auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit wollen beide Länder jetzt verstärken, heißt es Damaskus.

Dass der schon fast traditionelle Streit zwischen den beiden arabischen Nachbarländern wohl der Vergangenheit angehören wird, liegt aber nicht nur an der gemeinsamen anti-amerikanischen und anti-israelischen Haltung. Es gibt auch handfeste ökonomische Interessen. So bezieht Syrien täglich immerhin 150 000 Barrel Öl aus dem Irak. Syrien produziert zwar auch eigenes Erdöl - rund 70 % aller Exporteinnahmen des Landes stammen aus Ölverkäufen. Und diese sichern dem Land das wirtschaftliche Überleben und bescheren der Zentralregierung die Hälfte ihrer Einkünfte bescheren.

Aber die syrischen Erdölreserven gehen bald zu Neige. Das Land ist daher gezwungen, mehr und mehr auf seine Vorkommen an Erdgas zurück zu greifen. Allein im vergangenen Monat wurden in Syrien zwei neue Gasfelder entdeckt. Gegenwärtig werden täglich rund 22 Mill. Kubikmeter Erdgas produziert. Der syrische Wirtschaftsexperte Nabil Sukkar meint denn auch: "Unser Gaspotenzial rettet uns bis ins nächste Jahrzehnt". Aber eben auch nicht viel länger.

Angesichts einer solchen wirtschaftlichen Perspektive kann ein besseres Einvernehmen mit dem irakischen Nachbarn für Syrien nur nützlich sein. Immerhin kann der Irak, sollte das nach der Kuwait-Invasion von den Vereinten Nationen verhängte Embargo irgendwann einmal wieder aufgehoben werden, über den drittgrößten Erdölschatz der Welt verfügen. Und das Öl ist neben der gemeinsamen Förderung der libanesischen Hisbollah-Milizen wohl ebenfalls ein wesentlicher Grund dafür, dass man in Damaskus eben auch an möglichst guten Kontakten zu Iran interessiert ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%