Damoklesschwert Irak-Krise
Dax-Ausblick: Die Hängepartie geht weiter

Die Hoffnung auf ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk in Form einer Jahresend-Rally haben die Investoren an den Aktienmärkten mittlerweile begraben. Denn in der letzten vollständigen Handelswoche des Jahres sind kaum noch Impulse von Unternehmen zu erwarten. Und die Irak-Krise, die wochenlang aus dem Blickfeld geraten war, sorgt weiter für erhebliche Ungewissheit.

vwd/rtr FRANKFURT. Eine Lösung in den kommenden Wochen ist unwahrscheinlich. Anhaltspunkte für eine länger anhaltende Aufwärtsbewegung sind weit und breit nicht in Sicht. Die Gewinnprognosen für das kommende Jahr werden bereits nach unten korrigiert.

Am wahrscheinlichsten erscheint Beobachtern daher bis zum Jahresende eine Fortsetzung der Hängepartie: Der Dax werde angesichts des am kommenden Freitag bevorstehenden Verfallstermins auf Aktien- und Indexoptionen sowie Futures weiterhin stark schwanken, sagten Händler. Im Vorfeld dieses so genannten dreifachen Hexensabbats versuchen Marktteilnehmer in der Regel die Aktienkurse, auf die sie Derivate haben, in die von ihnen gewünschte Richtung zu bewegen. Dies ist besonders bei dünnen Umsätzen gut möglich, was vor den Weihnachtsfeiertagen gewöhnlich der Fall ist.

"Die Tendenz am Markt ist kaum vorherzusagen", sagte der Aktienstratege Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz. Wichtig werde aber vor allem die wichtige Marke von 3 000 Punkten im Dax sein. Sollte der Index unter diese Marke fallen, werde das Abwärtspotenzial am Markt deutlich zunehmen. In der nun zu Ende gehenden Woche hat Deutschlands wichtigster Aktienindex per saldo rund vier Prozent auf 3 060 Punkte verloren. Unterhalb von 3 000 Punkten hat der Dax zuletzt Mitte Oktober geschlossen.

Ifo-Index und Eon-Ruhrgas-Entscheid auf dem Terminkalender

Vor allem Konjunkturdaten aus den USA, der deutsche Ifo-Index und eine Gerichtsentscheidung zur angestrebten Ruhrgas-Übernahme durch den Energieriesen Eon werden könnten in der bevorstehenden Woche noch einmal für Kursausschläge sorgen. Am Montag veröffentlichen aber zunächst Escada und die Norddeutsche Affinierie Ergebnisse, daneben veranstaltet die Deutsche Bundesbank ihre Jahrespressekonferenz. Am Dienstag informiert der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien über die Entwicklung des IT- und Telekommunikationsmarktes. In den USA werden die Verbraucherpreise und Realeinkommen veröffentlicht sowie die Zahl der Baubeginne und-genehmigungen und die Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im November mitgeteilt.

Am Mittwoch veröffentlicht das Ifo-Institut dann den Geschäftsklima-Index für Dezember. Im November war das Stimmungsbarometer den sechsten Monat in Folge rückläufig und leicht auf 87,3 Punkte gefallen. Diese Woche hatte bereits der ZEW-Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, der als Vorbote des Ifo-Index gilt, für Dezember eine weiter rückläufige Entwicklung angezeigt. In den USA wird am gleichen Tag die Handelsbilanz Oktober bekannt gegeben und die Book-to-Bill-Ratio für November. Oracle meldet Zahlen für das zweite Quartal. Am Donnerstag kommen aus den USA die Frühindikatoren für November, der Chicago Fed National Activity Index und der Philadelphia-Fed-Index für Dezember. Am Freitag schließlich findet die Bilanzpressekonferenz von ThyssenKrupp statt. Zudem ist an den Börsen Europas dann dreifacher Verfallstermin, der vor der Weihnachtspause noch einmal kurzfristig für hohe Kursausschläge sorgen kann.

Thyssen-Krupp liefert detailierte Ergebnisse

Die in den vergangenen Monaten stark gefallenen Aktien des Energiekonzerns Eon werden auf Grund eines erwarteten Gerichtsentscheids im Vordergrund stehen. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hatte den Vollzug der Übernahme der Essener Ruhrgas durch Eon per Einstweiliger Verfügung gestoppt. Das Gericht wird sich voraussichtlich in der kommenden Woche zu dem geplanten Zusammenschluss äußern. Vor Dienstag wird jedoch keine Entscheidung erwartet. Marktteilnehmer rechnen mit wieder steigenden Kursen bei Eon, sollte die Fusion doch noch durchgehen. "Für Eon ist der Deal aus strategischer Sicht sehr wichtig und deswegen würden weitere Verzögerungen das Geschäft und den Kurs belasten", kommentierte Aktienhändler Martin Siegel von Sal. Oppenheim.

Achten werden die Börsianer auch auf die Titel von Thyssen-Krupp. Der Stahlproduzent, der auch Autozubehör und Aufzüge herstellt, will Ende der Woche Details zur Entwicklung der einzelnen Geschäftssparten bekannt geben. In diesem Monat hatte der Mischkonzern für das abgelaufene Geschäftsjahr einen deutlichen Gewinnrückgang ausgewiesen und zur Begründung auf die schwache Konjunktur, die niedrigen Stahlpreise sowie Restrukturierungskosten verwiesen.

Der Blick schweift schon ins neue Jahr

Ansonsten richten die meisten Anleger ihren Blick meist schon auf das kommende Jahr und hoffen auf eine langsame und schrittweise Erholung der Weltwirtschaft. Der Aufschwung kommt aber nur, wenn eine Reihe möglicher Entwicklungen nicht eintritt. Diese Ungewissheit sorgt für Kaufzurückhaltung an den Aktienmärkten ebenso wie an den Kassen des Einzelhandels.

Denn niemand kann derzeit einen längeren Krieg im Nahen Osten oder einen andauernden Kursverfall des US-Dollar ausschließen. Zunehmende Inflationsdifferenzen in Europa, die die Arbeit der Europäischen Zentralbank noch schwieriger machen würden, und wachsende Spannungen zwischen den USA und Europa sind eine weitere Gefahr. Ein ähnlicher Konjunkturverlauf wie in Japan seit Beginn der Neunziger Jahre erscheint dann auch in den USA und Westeuropa möglich. Die meisten Analysten halten das zwar für unwahrscheinlich. Das Vertrauen in ihre Prognosekraft ist allerdings getrübt: Ende 2001 hätten sie einen Dax-Stand um 3 000 Punkte zum Jahresende 2002 ebenfalls für extrem unwahrscheinlich gehalten.

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