"Dangerous Markets": Rezepte zum Kampf gegen die Bankenkrise

"Dangerous Markets"
Rezepte zum Kampf gegen die Bankenkrise

Es gibt ein Buch, das in deutschen Bankkreisen derzeit hoch gehandelt wird: "Dangerous Markets" heißt es und befasst sich mit den Warnsignalen, der Eigendynamik und der Bewältigung von Finanzkrisen. Die Autoren Dominic Barton, Roberto Newell und Gregory Wilson sind bzw. waren Krisenexperten bei der Unternehmensberatung McKinsey.

pk FRANKFURT/M. Das bisher nur im amerikanischen Original verfügbare Buch ist ein spannender Insiderbericht über Systemkrisen in Schwellenländern und über Bankenschieflagen in G7-Staaten.

Obwohl schon seit Monaten auf dem Markt, wird es erst jetzt so richtig entdeckt. Denn: Der drohende Irak-Krieg und die deutsche Bankenkrise fordern zu neuem Nachdenken über Notfallpläne heraus.

Als Musterbeispiel für die Rettung eines Kreditinstituts nennt das Buch den Fall der Mellon Bank in den 80er-Jahren. Die 1869 gegründete Bank war eines der angesehensten US-Institute. Nach fulminanter Expansion in immer neue Felder, darunter die Kreditvergabe an Entwicklungsländer, kam die Bank unter Druck. Ende 1986 machte sich das Top-Management erstmals Sorgen über die Effekte der starken Kreditausweitung und regionale Konjunkturflauten. Im ersten Quartal 1987 wies die Bank einen Verlust von 65 Mill. Dollar aus, die Rückstellungen für Kreditausfälle erreichten 175 Mill. Dollar. Die Alarmglocken der Bank schrillten, der Vorstand wurde gefeuert.

Der neue Chairman Frank V. Cahouet, der im Juni 1987 als Krisenmanager kam, stammte ebenso wie sein Team nicht aus der Bank. Denn, so hatte McKinsey herausgefunden: Leute des eigenen Hauses sind zu sehr mit der Vergangenheit befasst.

Im zweiten Quartal wies die Mellon Bank dann schon einen Verlust von 566 Mill. Dollar aus, die Rückstellungen erreichten 533 Mill. Dollar, die Marktkapitalisierung war auf 750 Mill. Dollar geschrumpft. Ohne schnelles Gegensteuern wäre die Bank verloren gewesen. Im Juli stand der Stabilisierungsplan: Innerhalb von sechs Monaten wurden 15 % der Jobs abgebaut und die Hälfte der Niederlassungen im Ausland geschlossen. Die Beschäftigten wurden für Sparvorschläge belohnt. Die Krisenmanager platzierten ihre Leute auch im mittleren Management, alle Angestellten wurden aufgefordert, keine Probleme mehr unter den Teppich zu kehren. Die Devise hieß: "We don?t shoot the messenger." Monatliche Budgetziele, direktes Berichten an den Finanzvorstand und Renditevorgaben bis in kleinste Geschäftseinheiten sollten die Bank auf Erfolgskurs trimmen.

Aber die gesamte fünf Jahre dauernde Rettung wäre nicht zu Stande gekommen ohne eine so genannte Bad Bank, die über Hochzinsanleihen finanziert wurde. Mit Hilfe des Wagnisfinanzierers E.M. Warburg Pincus wurden notleidende Kredite im Buchwert von 1 Mrd. Dollar in die Bad Bank transferiert, am Ende einer komplizierten Transaktion hatte Mellon 525 Mill. Dollar frisches Kapital gewonnen. Als Cahouet Ende 1998 in Pension ging, betrug die Börsenkapitalisierung der Mellon Bank wieder 18 Mrd. Dollar.

Dominic Barton, Roberto Newell, Gregory Wilson: "Dangerous Markets", Wiley Finance 2002, 49,95 $

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