Daniel Pearl starb bei der Terrorismus-Recherche
Der grausame Tod eines Top-Journalisten

Die Stromschnellen der pakistanischen Innenpolitik und die Untiefen des radikalen Islam haben für den US- Journalisten Daniel Pearl ein grausames Ende genommen.

afp KARACHI. Ein am Donnerstag im US-Konsulat in der pakistanischen Hafenstadt Karachi eingegangenes Video zeigt den Tod des vor einem Monat entführten Korrespondenten des "Wall Street Journal". Dem Blatt blieb nichts als die traurige Pflicht, die Ermordung des 38-Jährigen zu bestätigen.

Pearl machte sich im "Wall Street Journal" vor allem durch die Seite-eins-Reportagen einen Namen, die das Markenzeichen des renommierten Blattes sind. Doch der mit der französischen Journalistin Marianne Pearl verheiratete angehende Vater lief in die tödliche Falle, als er harten Fakten im Nachrichtengeschäft hinterher jagte: Am 23. Januar hatte Pearl sich auf die Suche nach Hintermännern des mutmaßlichen "Schuhbombers" Richard Reid gemacht, der im Dezember einen Sprengsatz auf einem Transatlantik-Flug zünden wollte.

Verabredung mit Extremistenführer

Auf dem Weg zu einer vermeintlichen Verabredung mit dem pakistanischen Extremistenführer Scheich Ahmed Omar wurde Pearl verschleppt. Am 31. Januar wurden E-Mails mit Fotos verschickt, auf denen Pearl mit einer an den Kopf gehaltenen Pistole zu sehen war. Der Absender drohte mit der Hinrichtung des Journalisten am folgenden Tag, falls die USA nicht einen Taliban-Diplomaten und mehrere pakistanische Gefangene freilassen sollten. Washington lehnte ab.

Pearl stammte aus Princeton im US-Bundesstaat New Jersey, zog aber in Jugendjahren nach Los Angeles. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft an der Stanford-Universität arbeitete er zunächst für verschiedene Lokalzeitungen, ehe das "Wall Street Journal" ihn 1990 in sein Büro in Atlanta holte. Drei Jahre später kam er nach Washington, um für sein Blatt über das Transportgewerbe zu berichten. 1996 ging er als Korrespondent nach London. Vor zwei Jahren schließlich wurde er Südasien-Korrespondent mit Sitz im indischen Bombay. In Pakistan wohnten Daniel Pearl und seine Frau Marianne bei Freunden.

"Sinnlose Ermordung"

"Danny's sinnlose Ermordung liegt jenseits unserer Auffassungsgabe", hieß es in einer Stellungnahme von Pearls Familie. "Er war ein geliebter Sohn, Bruder, Onkel, Ehemann und Vater eines Kindes, das ihn niemals kennen wird." Marianne, die Pearl 1999 in Paris kennenlernte, appellierte in den vergangenen Wochen immer wieder an die Entführer ihres Mannes - vergeblich. "Er hat nie jemanden etwas zu Leide getan", versicherte sie in einem ihrer Aufrufe. "Danny und ich sind freundliche, friedliebende Menschen." In zwei Monaten soll Marianne Pearl einen Jungen zur Welt bringen.

"Er war fasziniert von anderen Kulturen", erinnert sich Craig Copeta, ein Kollege und Freund Pearls. "Nachts blieb er manchmal lange auf, nur um das Desinteresse der Amerikaner an Auslandsnachrichten mit einer packenden Geschichte zu überwinden." Sein Arbeitgeber nennt Pearl "besonders sensibel für die Gefühlslage in der islamischen Welt", die er seinen westlichen Lesern unbedingt habe erklären wollen. In den kommenden Monaten werde die Zeitung "Wege finden, die großartige Arbeit und die guten Taten" Pearls zu würdigen, sagte "Wall Street Journal"-Redaktionsmanager Paul Steiger nach Bekanntwerden von Pearls Tod. "Aber heute ist ein Tag der Trauer".

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