Dank Dirk Bauermann spielt Bamberg um den Titel im Basketball
Der Maler unter den Trainern

Kunst ist sein Hobby. Jede freie Minute nutzt Dirk Bauermann, um in seinem Atelier den Pinsel über große Leinwände zu schwingen. Motiv und Technik sind dabei meist gleich. Einige Kurven und wenige Linien und fertig ist das Gemälde. Man mag es abstrakte Kunst nennen oder einfach nur "Die Wege des Erfolgs".

BAMBERG. Denn was der junge Trainer des Basketballvereins TSK Universa Bamberg da an so manche Leinwand kleckst und in Vernissagen ausstellt, sind seine Taktiken, mit denen er große Siege einleitete.

Die nächste Ausstellung im Hause Bauermann dürfte bald wieder anstehen. Denn ein großer Sieg könnte ja in wenigen Tagen ins Haus stehen - der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Überraschend steht Bamberg nämlich dieser Tage gegen Alba Berlin im Finale. Nach zehn Jahren haben sie den Einzug ins Endspiel wieder einmal geschafft. Da ist die Euphorie natürlich groß, auch wenn die Oberfranken das erste Spiel gegen den Serienmeister der vergangenen Tage mit 69:73 vor heimischer Kulisse verloren.

"Was wir bisher geschafft haben, ist sicherlich eine der größten Basketball-Sensationen der letzten zehn, fünfzehn Jahre", meint Bauermann. Mit ihrem Mini-Etat von 1,8 Millionen Euro haben sie sich unter die Großen des deutschen Basketballs gemogelt. Sogar das Erklimmen der Spitze ist noch möglich. "Die erste Finalpartie war sehr eng", beteuert Bauermann. "Es ist noch alles drin", auch wenn die nächsten Spiele in Berlin stattfinden und die "best of five"-Serie am Sonntag zu Gunsten Berlins entschieden sein könnte. "Wir haben aber doch jetzt schon mehr erreicht, als uns jemals zugetraut wurde", so Bauermann.

Bei so viel Erfolg müsste ein weiteres Gemälde eigentlich Pflicht sein. Doch Bauermann wiegelt ab. Er hat zur Zeit wenig Lust auf sein Hobby. Dieser Tage ist ihm das Malen gründlich vergangen, doch dazu später mehr. Dabei hätte er Motive genug. Etwa die fanatischen Zuschauer, die ihm auf Plakaten mit einer Königskrone abbilden. Am Wochenende campierten hunderte Anhänger vor dem Bamberger "Forum" , um noch eine Karte zu ergattern. Andere strichen ihre Häuserfassaden in den Vereinsfarben an.

"Verrückt" sei das, meint Bauermann. Wie auch die Leistung seines Teams. Mit einem kollektiven Kraftakt boxten sich die Bamberger bis ins Finale vor. Vor allem in der Abwehr, dem Kernstück des modernen Basketballs, gehen sie hart zur Sache. Mit Helmanis und Ensminger haben sie unter ihrem Korb zwei gigantische Eisklötze stehen, die alles kühl und bedingungslos abräumen. Kaum ist der Ball erobert, geht es über Aufbauspieler Hamann pfeilschnell nach vorne. "Da kommt man nur mit einer knallharten Defensive gegen an", erklärt Albas Trainer Emir Mutapcic.

Doch allen voran steht Derrick Taylor. "Er spielt einfach phantastisch", befindet Bauermann. Man mag hinzufügen: "Und das trotz seines Alters." Der flinke US-Amerikaner ist 39 Jahre alt und damit ältester Spieler der Liga. Was ihm aber nicht anzumerken ist, wenn er wieder einmal an seinem Gegner vorbei zieht und den feinen "Touch" findet - also das richtige Gefühl für den Ball. Die Berliner versuchten den zweiten Spielmacher der Bamberger durch Manndeckung auszuschalten - in der ersten Partie weitgehend erfolglos. "Irgendwie habe ich mich hier in einen Rausch gespielt", ist Taylor auf seine alten Tage von sich selbst überrascht. "Wenn er in den nächsten Partien gut ins Spiel kommt, wird es schwer", unkt Mutapcic vor der morgigen zweiten Finalpartie.

Doch warum sträubt sich dann Bauermann bei so viel Lob und Inspirationen den Erfolg auf Leinwand zu bannen? "Ich habe keine Muse mehr", sagt der Erfolgstrainer trocken. Denn ein Streit zwischen Hauptsponsor Günter Tröster und Manager Wolfgang Heyder könnte den Klub zur nächsten Saison sogar in den Bankrott führen. Tröster sieht seine Gelder vom Verein veruntreut. "Sie haben das Stammkapital in Spieler investiert", lautet sein Vorwurf. Über eine halbe Million Euro fordert er zurück und droht mit der Schließung des Basketball- Standorts Bamberg. Erste Planungen seinerseits laufen, ein "Frankenteam" in Nürnberg aufzubauen. Heyder kämpft hingegen für Bamberg. Kontrakte mit Spieler und Trainer sind schon gemacht. Doch da Tröster als Alleingesellschafter die Lizenz hält, müssten Heyder & Co. eine der beiden "Wild Cards" der Liga beantragen.

Mit dem Meistertitel dürften sie ein Druckmittel mehr haben - egal ob bei Tröster oder der Liga. "Wir werden alles probieren", gibt sich Bauermann kämpferisch. Für ein Hobby bleibt da gar keine Zeit mehr.

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