Dank einiger Sonderfaktoren setzt der MDax seine Aufholjagd fort
Die zweite Reihe kaufen

In den vergangenen zwei Jahren ist der Anleger mit Aktien aus dem MDax besser gefahren als mit den großen Dax-Werten. Jetzt ist der Markt fast ausgereizt - wären da nicht Sonderfaktoren wie die Steuerreform.

DÜSSELDORF. Mit dem MDax und dem Dax ist es wie mit den Schumacher-Brüdern in der Formel 1. Jahrelang fuhr der kleinere Bruder Ralf immer dem im Rampenlicht stehenden Michael hinterher, doch mittlerweile liefern sie sich ein spannendes Duell um die Spitzenposition. Auch der 70 Aktien umfassende MDax blieb über Jahre vernachlässigt, bis er dann im Rahmen der Renaissance der "Value-Werte" - Aktien mit solider Börsenbewertung - zu einer Aufholjagd ansetzte. Dem MDax könnte in diesem Jahr die Puste ausgehen, wären da nicht einige Sonderfaktoren, die ihn weiter attraktiv erscheinen lassen für die Anleger.

"In einer von Liquidität getriebenen Aufwärtsbewegung schneiden normalerweise die ,large caps? besser ab als die ,mid caps?. Dies sollte auch in diesem Jahr in Europa wieder gelten. In Deutschland würden wir die mittelgroßen Titel jedoch nicht untergewichten, da die Steuerreform für erhebliche Fantasie sorgen wird", erklärt Aktien-Stratege Matthias Jörss vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Zwar steckt in den MDax-Kursen schon viel von den erwarteten positiven Entwicklungen drin, trotzdem sehen viele Analysten bei den Titeln aus der zweiten Reihe noch Spielraum nach oben. Klaus Schlote vom Research bei Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet, "dass sich der MDax etwas besser halten wird als der Dax".

Steuerreform sorgt für Fantasie

Der "Umbau der Deutschland AG" werde das große Thema in 2002, worunter in erster Linie die steuerfreien Beteiligungsverkäufe zu verstehen sind. Allerdings hat sich im noch jungen Jahr wenig bewegt, die Neuordnung der Finanz- und Industriebeteiligungen kommt nur ganz langsam in Schwung. Auch Schlote räumt ein, dass die Spekulation auf Sondersituationen wie Übernahmen oder Herauskäufe von Konzernteilen (Management-Buyouts) teilweise aus den verschiedensten Gründen nicht aufgehe. "Manchmal fehlen letztlich einfach die Käufer", so Schlote.

Viele Hoffnungen auf Bewegung im Beteiligungsgefüge gründen auch auf dem Duell Stoiber kontra Schröder. Vor der Bundestagswahl würden sich die Vorstände beeilen, ihre Beteiligungen neu zu ordnen, bevor vielleicht eine neue Regierung das Rad wieder zurückdreht, wird argumentiert. Und seit Januar ist noch ein weiteres starkes Kaufargument für die mittelschweren Aktien hinzugekommen: die Bilanzpolitik. Denn Manipulationen in der Rechnungslegung wie beim US-Energiehändler Enron dürften bei MDax-Unternehmen kaum vorstellbar sein. "Diese Unternehmen unterliegen oft noch der strengen Kontrolle von Familienstämmen und bilanzieren sehr solide", sagt Schlote.

Besonders optimistisch gestimmt ist Josef Schopf, der bei der Fondsgesellschaft Lupus Alpha einen MDax-Fonds managt. Auf Basis der aktuellen Zahlen sei der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 für 2003 bewertet, der MDax dagegen nur mit 15. "Die Unterbewertung ist nach wie vor da, im MDax kann der Anleger ein ungefähr gleiches Ergebniswachstum günstiger kaufen", meint Schopf, der für den MDax als Ziel bis Ende des Jahres 5 500 Punkte ansetzt.

Wer steigt am 24. März in den Dax auf?

Wer MDax-Titel kaufen will, sollte auch verfolgen, welche Aktien bei der nächsten Indexrevision der Deutschen Börse, die am 24. März wirksam wird, in den Dax auf- oder in das Kleinwertesegment Smax absteigen könnten - entsprechend sind Kurszuwächse oder-abschläge zu erwarten, und zwar meist schon im Vorfeld der Veränderungen. Während etwa Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe Karstadt-Quelle für den wahrscheinlichsten Dax-Aufsteiger hält, rechnet David Kohl vom Bankhaus Julius Bär eher mit Altana; auch Beiersdorf sei ein Anwärter. Doch noch ist sowieso nicht abzusehen, dass ein Dax-Titel ausscheidet, erinnert Kohl. Als potenzielle Abstiegskandidaten im MDax sind Deutz, Phoenix, Baader Wertpapierhandelsbank, Escada, Sixt und Agiv im Gespräch. Am 13. Februar entscheidet die Börse darüber.

Eng gekoppelt an die Frage der Indexzugehörigkeit ist das Thema Liquidität: So halten sich institutionelle Anleger meist an die Dax-30-Titel, so dass die Nebenwerte weniger liquide sind. Schlienkamp ist der Meinung, man müsse bei MDax-Titeln differenzieren: Die größten zwanzig Werte seien deutlich liquider als die übrigen. Bei letzteren sei auch die fehlende Transparenz ein Nachteil für Privatanleger, weil die Analysten die Werte kaum beobachteten. Sein Rat: Je niedriger die Marktkapitalisierung sei, desto stärker sollten Anleger auf ein gutes Management achten.

Beim Kauf sind die Liquidität sowie kurzfristige Indexeffekte für den Privatanleger aber nur zwei von vielen Kriterien: Falls er einen Titel länger halten will, ist es wichtig, auf gute Fundamentaldaten und eine viel versprechende Story zu achten. Wem das zu anstrengend ist, der sollte auf einen Fonds ausweichen.

Was Analysten empfehlen

Rolf Geck von der WGZ-Bank sieht bei MG Technologies Kurspotenzial - trotz der schlechten Rahmenbedingungen auf Grund der konjunkturellen Eintrübung in den beiden Geschäftsbereichen Engineering und Chemie. Dies könne, so der Analyst, auch das Gesamtergebnis belasten. Doch die additive Bewertung der Geschäftsbereiche ergebe einen deutlich höheren Wert, als er sich im derzeitigen Börsenkurs widerspiegele, argumentiert Geck. Außerdem flackere bei MG immer wieder Übernahmephantasie auf. Gecks Einschätzung nach liegt der faire Wert des Titels bei 13 Euro. Independent Research erwartet eine über dem Marktdurchschnitt liegende Kursentwicklung, und Dresdner Kleinwort Wasserstein rät zum Kauf.

Beim ehemaligen Dax-Wert Karstadt-Quelle sieht DIT-Fondsmanager Frank Hansen vor allem in den Management-Veränderungen, im Online-Versandgeschäft und in den stillen Reserven des Immobilienbesitzes weitere Kursphantasie. Auch die Beteiligung am Tourismuskonzern Thomas Cook (Neckermann-Reisen) werde sich positiv niederschlagen. Die Reisebranche sei nach den Terroranschlägen unter Druck gekommen, langsam normalisierten sich die Buchungen aber wieder, so Hansen. Die Analysten der Commerzbank argumentieren ähnlich und verweisen auf den geschätzten Marktwert der Karstadt-Quelle-Immobilien von fünf Milliarden Euro, dem ein Buchwert von nur 1,82 Milliarden gegenüber stehe.

Buderus zeichne sich durch eine erfolgreiche Unternehmensstrategie aus, und das sei die Konzentration auf das Heizungsgeschäft, lobt David Kohl vom Bankhaus Bär. Auch die nach dem Bosch-Ausstieg gewichene Übernahmephantasie sei noch nicht vom Tisch. Nach Kohls Ansicht ist der Baukonzern Bilfinger & Berger, der einen Anteil von 28,5 Prozent an Buderus hält, ein potenzieller Übernahmekandidat. Der Aufkäufer könnte dann das Aktienpaket versilbern. Kohl erwartet, dass sich der Gewinn je Aktie bei Buderus von 2,13 Euro in diesem Jahr auf 2,41 Euro im Jahr 2003 erhöhen wird. Die Bankgesellschaft Berlin stuft den Wert mit "Akkumulieren" ein, für die Hypo-Vereinsbank ist er "Outperformer".

Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe empfiehlt die Pharma-Aktie Altana wegen der guten Ergebniszahlen sowie der positiven Geschäftsaussichten. Dies lasse eine weiterhin überdurchschnittliche Performance erwarten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26,7 auf Basis des laufenden Geschäftsjahres sei der Titel angesichts der Wachstumsdynamik nicht zu hoch bewertet. Die Analysten von Commerzbank Securities geben als Kursziel 60 Euro vor und raten zum "Akkumulieren" der Aktie. Zwar werde das Magenmedikament Pantoprazol in 2003 verstärkt durch Generika-Produkte bedrängt, gleichzeitig seien aber zwei Arzneien gegen Atemwegserkrankungen in der fortgeschrittenen Testphase.

Chartanalyse

Zuerst die schlechte Nachricht: Der mittelfristige Abwärtstrend, in dem der Nebenwerteindex MDax seit November 2000 liegt, sei noch intakt, erläutert Achim Matzke von Commerzbank Securities. Dazu komme, dass sich in dem Bereich von 4 575 bis 4 600 Punkten seit dem Sommer des Jahres 2000 eine Widerstandszone herausgebildet habe, die bereits mehrfach getestet wurde.

Nun die gute Nachricht: Nach dem Ausverkauf im September 2001 befindet sich der MDax - ganz im Gegensatz zu vielen Standardwerte-Indizes in Europa - aber weiterhin in einer Erholungsphase, erklärt Matzke. Folglich seien gegenwärtig für Nebenwerte noch Kursgewinne möglich. Allerdings, so schränkt der Chartspezialist von Commerzbank Securities ein, sollte aus mittelfristiger technischer Sicht nicht überraschen, wenn der Index mit dem Heranlaufen an die genannte Widerstandszone deutlich an Aufwärtsdynamik verlieren würde. "Für Stock-Picker ist und bleibt das Segment in diesem Jahr allerdings sicherlich eine Fundgrube", urteilt Matzke.

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