Dank Flavio Briatore sorgt Renault wieder für Schlagzeilen - auf und abseits der Piste
Der Meister-Macher

Spätestens seit Flavio Briatores Auftritt in der Johannes B. Kerner Show ist klar: Renault dreht in der Formel 1 wieder am großen Rad. Bis 2005 werde das blau-gelbe Team den Weltmeister stellen, wettete der Rennstall-Manager selbstbewusst vor spätabendlichem Publikum.

KÖLN. Talkmaster Kerner täte gut daran, sich auf eine Einlösung möglicher Wettschulden vorzubereiten. Denn anderthalb Jahre nach dem Komplett-Einstieg in die Formel 1 hat sich Renault als vierte Kraft etabliert. Während ambitionierte Teams wie Toyota und Jaguar hinter allen Erwartungen bleiben, gelten die Franzosen als die Überraschung der Saison. "Wir haben dieses Jahr einen Riesenschritt gemacht", sagt Briatore. Weitere sollen folgen.

Luft nach oben ist da: Noch gehen die Renaults mit etwa 40 Pferdestärken weniger auf die Strecke als die Wagen der Spitzenteams, deren Leistungsvermögen auf 850 PS geschätzt wird. Die zehn Zylinder des Renaults sind in einem Winkel von 110 Grad montiert und nicht wie bei der Konkurrenz im Winkel von 90 Grad. Der Verzicht auf PS bringt Vorteile bei der Fahrwerksabstimmung: Der Motor hat einen tieferen Schwerpunkt - deshalb kommt der Renault besser um die Kurven. Jetzt rätselt die Branche, was von Renault im kommenden Jahr zu erwarten ist, wenn die Franzosen die PS-Lücke schließen können.

"Wir werden uns weiter verbessern", verspricht bekannt optimistisch Teamchef Briatore. Schon jetzt attackiert sein Team die großen Drei: Ferrari, BMW-Williams und McLaren-Mercedes. Die zeigten - vor allem zu Saisonbeginn - ungewohnte Schwächen. Derweil sammelt der blau-gelbe R 23 jedes Rennwochenende Punkte. Sehr zur Freude des umtriebigen Briatore, der sich von Renault mit umfassender Allmacht ausstatten ließ. Anders als Mercedes und BMW ist Renault Herr sowohl über die Motoren-Entwicklung wie auch über die Chassis-Konstruktion. Die Zehnzylinder kommen aus dem französischen Chatillon, die Hülle aus dem englischen Enstone. Chef an allen Fronten: Flavio Briatore.

Bei Renault lässt man den italienischen Zampano gerne gewähren - schließlich hat er Erfolg. Und sorgt mit seinem glamourösen Lebensstil - derzeitige Freundin ist Top-Modell Heidi Klum - für ein weiteres Plus an Aufmerksamkeit. 320 Millionen Dollar pumpt der Autoproduzent dieses Jahr in die Formel 1. Das Ziel ist klar: Die Franzosen wollen ihr Image verbessern und den Fahrzeugverkauf ankurbeln. Vier Millionen Autos will Renault 2010 weltweit verkaufen; vergangenes Jahr waren es noch 2,4 Millionen.

Auch bei der Fahrerwahl bewies Briatore wieder einmal ein exzellentes Näschen: Mit dem Spanier Fernando Alonso hat er den wohl wertvollsten Rohdiamanten der Branche unter Vertrag. In acht von zehn Rennen dieser Saison kam der 21-Jährige ans Ziel - und holte jedes Mal Punkte für sein Team. Dreimal schaffte er es auf das Podium. Sechs Rennen vor Ende der Saison liegt der Spanier vor etablierten Kräften wie David Coulthard und punktgleich mit Ferrari-Pilot Rubens Barrichello. Schon gilt Alonso als möglicher Nachfolger von Michael Schumacher. Ähnlichkeiten gibt es durchaus: Beide begannen ihre Karrieren früh im Kart-Sport und haben einen unbedingten Siegeswillen - und Schumacher feierte seinen zweiten WM-Titel bei Benetton-Renault. Damaliger Manager des Teams: Flavio Briatore. "Ich vergleiche keine Fahrer", sagt der, auf Ähnlichkeiten zwischen den beiden angesprochen. Doch etwas lässt Briatore sich doch entlocken: "Schumacher ist auf dem Höhepunkt seines Leistungsvermögens angelangt." Alonso hingegen könne noch viel dazu lernen. Auf gut deutsch: Alonso hält jetzt schon mit dem Deutschen mit - und hat noch einiges drauf.

Der Spanier bleibt trotz des Erwartungsdrucks cool. "Ob 20 oder 200 Journalisten sich für mich interessieren ist egal", sagt er dem Handelsblatt über die Auswirkungen seiner Erfolge. Und mediale Vergleiche mit Schumacher lassen ihn kalt: "Sobald ich drei oder vier Fahrfehler mache, werden die Journalisten mich wieder mit jedem Go-Kart-Fahrer vergleichen." So abgebrüht muss wohl einer klingen, der noch bei Tempo 300 über Boxenfunk neueste Zwischenstände erfragt.

Noch etwas gefällt Briatore an dem Spanier: "Er hat das Zeug zu einem echten Star." Und an denen mangelt es zur Zeit in der Formel 1: "Uns fehlen Typen wie Prost oder Senna", sagt der 53-Jährige. Als regelmäßiges Thema der Klatschspalten weiß Briatore nur zu gut, dass echte Typen gut fürs Geschäft sind. Einen Seitenhieb auf die Konkurrenz kann er sich da nicht verkneifen: "Es dürfte schwer werden, aus Räikkönen einen echten Star zu machen."

Der junge Mercedes-Fahrer, das zweite große Talent der Formel 1, hat sich den Spitznamen "Iceman" verdient und gilt als ziemlich unspannend. Zumindest auf der Glamour-Seite ist Renault schon auf der Überholspur - nicht zuletzt dank des Teamchefs.

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