Dank Internet und moderner Fertigungsprozesse können Unternehmen individuelle Waren zum Serienpreis verkaufen
Maßgeschneiderte Produkte ersetzen Massenware

Individuell gestaltete Autos, Büromöbel oder Vitaminpillen zu Warenhauspreisen – Mass Customization macht es möglich. Dank neuer Informations- und Fertigungstechniken gelingt die Maßanfertigung in großem Stil.

HB DÜSSELDORF. Das Internet und neue Produktionsmethoden sollen dafür sorgen, dass es in vielen Branchen bald Maßgeschneidertes zum Preis von Massenware gibt. Mass Customization – also individuelle Massenproduktion – heißt das Konzept, auf das Kleidungs- und Schuhhersteller, die Automobilbranche oder auch die Pharmaindustrie setzen. "Die neue Produktionsweise wird möglich durch die intelligente Kombination moderner Fertigungs- und Informationstechnologien", sagt Ralph Seelmann-Eggebert, Leiter Mass Customization am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und-automatisierung (IFF) in Magdeburg.

Unternehmen, die sich von der Serienproduktion verabschieden wollen, müssen laut Seelmann-Eggebert auch auf das Internet setzen. Nur so sei die individuelle Produktberatung für einen großen Kundenkreis möglich. Dabei können die Abnehmer per Mausklick ihre Wünsche eintippen. Die Unternehmen leiten diese dank weltweiter Vernetzung direkt an die Produktion weiter.

Ein Beispiel für maßgeschneiderte Massenfertigung bietet die im hessischen Karben ansässige Sovital Life & Nutri GmbH. -Science Sie verkauft Vitamintabletten, die auf den Bedarf des jeweiligen Kunden abgestimmt sind. Dieser füllt – wahlweise im Internet oder in der Apotheke – eine Checkliste zu Ernährung und Lebensgewohnheiten aus. "Wir errechnen daraufhin den individuellen Vitaminbedarf und stellen das passende Präparat her", sagt Sovital-Marketing-Chef Holger Seyfarth. Dann werden die Daten in die Herstellung weitergegeben.

Gemeinsam mit der Hoffmann-La-Roche Roche-Tochter Vitamins Europe Ltd. in Basel, der Siemens-Tochter in Frankfurt und der Losan Pharma GmbH in Neuenburg hat Sovital ein Produktionsverfahren entwickelt, mit dem sich die Wirkstoffe in den Vitasys-Pillen dosieren lassen.

Völlig neue Anforderungen an die Logistik

Die auf den Kunden ausgerichtete Herstellung fordert allerdings nicht nur Neuerungen in den Werkhallen: "Es ergeben sich auch völlig neue Anforderungen an die Logistik", sagt Fraunhofer-Forscher Seelmann-Eggebert. Beispielsweise könne die Fertigung erst nach Eingang des Auftrags beginnen, die übliche Produktion auf Lager ist nicht mehr möglich.

"Die Integration des Kunden in die Wertschöpfungsprozesse ist eine Voraussetzung für Mass Customization", bestätigt Frank Piller, geschäftsführender Partner der Beratungsfirma Think Consult GmbH. Am einfachsten sei der Abschied von der Massenproduktion bei reinen Informationsgütern. Sie lassen sich auf elektronischen Märkten digitalisiert präsentieren, über Netzwerke verschicken und beliebig be- und verarbeiten. Typisches Beispiel sind individuell zusammengestellte Online-Magazine oder Software-Pakete. "Aber auch bei materiellen Produkten ermöglichen neue Internetservices eine effiziente Individualisierung", ist Piller überzeugt.

Die Basis dafür bilden moderne Multimedia-Anwendungen. "Moderne Produkt-Konfiguratoren sind das Herzstück für erfolgreiches Mass Customization", sagt Philipp Ackermann, Chef der Perspectix AG in Zürich. Die 3-D-Software des Spinoffs des Multimedia-Labors der Universität Zürich wird unter anderem von dem Schweizer Büromöbelhersteller USM Schärer Söhne AG eingesetzt. Das Unternehmen lässt damit seine Kunden etwa über das Design eines neuen Tisches entscheiden.

Auch der Stuttgarter Autohersteller Mercedes-Benz AG kommt seinen Kunden bei der Suche nach dem passenden Produkt entgegen. Das Unternehmen hat seinen "Car Konfigurator" im Internet jüngst von der Hamburger Agentur DDD Design überarbeiten lassen. Damit können Kunden unter anderem die Farbe der Sitzbezüge und die Stärke des Motors bestimmen – und bekommen mit einem Klick den Gesamtpreis angezeigt. Denn ein flotter Wagen allein reicht den Autofans heute nicht mehr, ist Jan-Till Manzius, Senior Consultant bei DDD Design, überzeugt: "Die Kunden erwarten schnelle Information über das Internet."

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