Dank US-Konjunktur
Aktienmärkte der Schwellenländer erholen sich

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, in Emerging Markets zu investieren." So lautet das Ergebnis einer Studie der Schweizer Pictet Bank, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Als Emerging Markets werden Aktienmärkte in Schwellenländern bezeichnet - insbesondere die Wertpapierbörsen in Lateinamerika, Südostasien und Osteuropa.

abk DÜSSELDORF. Seit 1995 bewegten sich die Emerging Markets nach unten und schnitten insgesamt erheblich schlechter ab als die Börsenplätze der so genannten entwickelten Länder. Die wirtschaftliche Flaute der vergangenen zwei Jahre hatten die Schwellenländer - als frühzyklische Märkte - teilweise vorweggenommen. Bereits im April 2000 begann dort der Abschwung und vollzog sich schneller und stärker als in Europa und den USA. 2001 war dagegen ein gutes Jahr für Emerging Markets. Im Durchschnitt konnten sie die Performance der entwickelten Märkte schlagen. "Besonders das vierte Quartal ist für die Schwellenländer - bis auf Argentinien - extrem gut gelaufen", sagt Dietmar Hornung, Volkswirt bei der DGZ Deka Bank und Experte für Märkte in Osteuropa. Ein großer Teil der wirtschaftlichen Erholung wurde aber bereits vorweggenommen. "Daher ist es jetzt höchste Eisenbahn hier zu investieren", fügt der Osteuropa-Fachmann hinzu. Trotz der Euphorie dürfen länderspezifische Risiken nicht unterschätzt werden.

Emil Wolter, Investmentmanager bei Pictet, hält diese positive Entwicklung für einen dauerhaften Trend. Die Umstände würden auch für 2002 ein überdurchschnittliches Wachstum für die Aktienbörsen in Lateinamerika, Südostasien und Osteuropa versprechen.

"Sollte sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen und im Zuge dessen auch die europäische Konjunktur einen Aufschwung erleben, ist es für eine Investition in Emerging Markets keinesfalls zu spät", sagt Thomas Gerhard, Fondsmanager bei DWS. Besonders weil die Wachstumraten in den USA nicht die Stärke erreichen würden wie vor der Krise, würden sich Investoren nach schneller wachsenden Ländern umsehen. Zu denen zählten eben auch die Schwellenländer.

In der Vergangenheit haben Emerging Markets sowohl Abwärts- als auch Aufwärtsbewegungen der Märkte überdurchschnittlich antizipiert. Der Pictet-Studie zufolge werden Schwellenländer wie China, Indien oder Russland auch von der Erholung der US-Konjunktur überproportional profitieren. Da diese Länder vor allem in der Industrieproduktion tätig sind und die Kapazitäten in Krisenzeiten nicht voll ausgeschöpft werden, kann eine höhere Nachfrage schnell und ohne höheren Kostenaufwand bedient werden.

Südostasien steht an der Spitze des Aufschwungs der Emerging Markets. Die Pictet-Experten erwarten für diese Region ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2002 von 4,5 Prozent. Die Wachstumsraten in den USA und Europa liegen nach Schätzungen bei ein bis zwei Prozent. "Die Unternehmen haben aus der Asienkrise gelernt", erklärt Emerging Markets-Fachmann Gerhard. Damals waren der Anteil der Fremdfinanzierung und die Verschuldung sehr hoch. "Die Unternehmensfinanzierung ist deutlich solider geworden", sagt Gerhard, "nach der Krise wurde dann Eigenkapital ausgeweitet und Verschuldung abgebaut."

Einige Länder profitieren zudem von Zusatzeffekten. Russlands Annäherung an die westliche Welt hat zum Beispiel einen positiven Effekt auf den russischen Markt. Darüber hinaus profitiert das Land, wie viele andere Schwellenländer auch, von steigenden Rohstoffpreisen. Die wirtschaftliche Lage in China wird positiv beeinflusst von dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation (WTO) und den Strukturreformen in den vergangenen Jahren. "In Lateinamerika hängt jetzt viel vom Ausgang der Wahlen ab", meint Hornung von der DGZ DekaBank. Ein Sieg der Sozialdemokraten in Brasilien wäre nicht nur gut für das Land, sondern für den ganzen Kontinent.

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