Darunter sechs Deutsche
Algerisches Militär befreit 17 Sahara-Geiseln

Knapp drei Monate nach Beginn des Entführungsdramas in der Sahara hat das algerische Militär mehr als die Hälfte der 32 europäischen Touristen befreit. Unter ihnen sind sechs der 16 Deutschen, zehn Österreicher und 1 Schwede. Nach Wochen in der Gewalt der Geiselnehmer wurden sie am Mittwoch in Köln und Salzburg erwartet. Sie waren nach Angaben des algerischen Armee-Generalstabs in den Händen der islamistischen Terrorgruppe GSPC. Die Situation für die verbliebenen Verschleppten wurde von der Bundesregierung als "prekär" beschrieben. Nach Ansicht des Terrorismus-Experten Rolf Tophoven sind die verbliebenen 15 Geiseln in "erheblicher Gefahr".

HB/dpa ALGIER/WIEN/BERLIN. Sie könnten durch das Eingreifen des Militärs nun stärker gefährdet sein, hieß es in Bern und in Berlin. Die Aktion fand nach algerischen Medienberichten bereits am Dienstag statt. Die Geiseln wurden in der Nähe von Amguid westlich von Illizi befreit, teilte der Generalstab in Algier mit. Bei dem Sturmangriff auf die Entführer wurden den Angaben zufolge mehrere Soldaten verletzt. Zunächst lagen unterschiedliche Berichte über mögliche Opfer unter den Geiseln vor.

Ein Teil der entführten Sahara-Touristen befindet sich nach Angaben der Bundesregierung "weiterhin in einer prekären Situation". "Ihr Leben und ihre Unversehrtheit zu sichern, darauf konzentrieren sich jetzt all unsere Bemühungen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Unter den in den vergangenen Wochen vermissten Sahara-Touristen waren insgesamt 16 Deutsche, zehn Österreicher, vier Schweizer, 1 Niederländer sowie 1 seit längeren in Deutschland lebender Schwede.

Ein Sprecher des Schweizer Außenministeriums bedauerte, dass die Befreiung bekannt wurde. Das könne das Schicksal der übrigen Vermissten gefährden. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zeigte sich indes guter Hoffnung für die noch vermissten Touristen.

Den befreiten Deutschen gehe es "den Umständen entsprechend gut", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Die Nachricht wurde in deren Heimat mit großer Erleichterung aufgenommen. "Na klar, sind wir sehr froh, dass sie frei sind. Ich fühle mich sehr erleichtert", sagte Claudia Hanel, die Schwester des aus Bad Staffelstein bei Lichtenfels (Oberfranken) stammenden Ulrich Hanel, der dpa. Der 53- Jährige war mit vier weiteren Deutschen und dem Schweden, der so genannten vierten Gruppe, seit dem 17. März vermisst worden. "Ich will sie einfach nur mal im Arm haben", sagte die Mutter einer der Entführten.

Die befreiten zehn Österreicher seien "zwar sehr erschöpft aber wohlbehalten", hieß es beim Wiener Außenamt. Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte: "Das ist die schönste Nachricht des Tages." "Ich bin erleichtert und dankbar, dass diese schwierige Situation gut bewältigt wurde."

Nach Angaben des Salzburger Flughafens befinden sich die befreiten österreichischen Geiseln dagegen in einem schlechten Gesundheitszustand. Ihre Ausreise aus Algerien nach Österreich verzögere sich, weil es Schwierigkeiten mit den algerischen Behörden gebe, sagte der Sprecher des Flughafens Salzburg, Richard Schano, am Mittwoch unter Berufung auf die Salzburger Landesregierung. Ihr Flugzeug werde nicht vor 20 Uhr erwartet. Ursprünglich sollten sie am Nachmittag in Salzburg eintreffen.

Unklar waren nach der Befreiung der Wüstenurlauber zunächst die Motive der Entführer. Nach dem Verschwinden der ersten Gruppe Ende Februar gab es immer wieder Spekulationen über die Hintergründe des Geiseldramas. Über Lösegelderpressung oder islamistischen Terrorismus wurde spekuliert. Die jetzt als Drahtzieher genannte islamistische Terrorgruppe GSPC gilt als Sympathisantin des Terror-Netzwerkes El- Kaida und operiert seit Jahren in der Sahara. Auch europäischen Sicherheitsbehörden ist die GSPC ein Begriff: Unter anderem sollen die vier Algerier, die kürzlich im Frankfurter Islamistenprozess wegen des geplanten Bombenschlags auf den Straßburger Weihnachtsmarkt verurteilt wurden, Kontakte zu der Gruppe gehabt haben.

Ob auch Touristen bei der Aktion verletzt oder gar getötet wurden, war am Mittwoch zunächst unklar. Algerischen Zeitungen zufolge soll es bei der Befreiungsaktion möglicherweise auch Todesopfer unter den Geiseln gegeben haben. Soldaten und auch neun der mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffneten Entführer sollen getötet worden sein, berichtete die algerische Zeitung "El Watan". Das deutsche Außenministerium hatte indes keine Erkenntnisse über Opfer unter den Geiseln. Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte sich bei seinem Besuch in Algier am Wochenanfang noch für eine friedliche Lösung des Dramas ausgesprochen.

Bewaffnete Gruppen islamistischer Extremisten liefern der Regierung von Präsident Abdelaziz Bouteflika einen harten Kampf, dem bislang nach offiziellen Angaben mehr als 100 000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Allerdings verbuchten die Militärkräfte der Regierung in den vergangenen Jahren zunehmend Erfolge im Kampf gegen die Extremisten. Das hatte dazu beigetragen, den Tourismus im Lande wieder zu beleben.

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