Das 0:0 war die Höchststrafe für Fans
Nebel des Grauens

Die Bayern wollten nicht, die Schalker konnten nicht. Das einzig Positive: Die Teams treffen erst im Mai wieder aufeinander. Bis dahin dürfte Jörg Böhme bei Schalke schon weg sein.

MÜNCHEN. Die Worte passten zur Stimmung, die Stimmung zum Spiel. Bei minus fünf Grad und Nebel, wie man ihn aus alten Schwarz-Weiß-Krimis aus den sechziger Jahren kennt, mühten sich der FC Bayern München und Schalke 04 in die Winterpause. Null zu null - das gruseligste Ergebnis im Fußball passte zum schaurigen Ambiente und war Resultat eines traurigen Niveaus. Nachher stellte sich Bayern-Torwart Oliver Kahn, der trotz seines sommerlichen Beinkleides nicht erfroren war, vor eine Kamera und wurde deutlich: "Da wollten einige nur irgendwie über die Runden und schnell zur Weihnachtsfeier kommen. Das war ein Scheißkick . . . Tschuldigung."

Auch beim Gegner aus Schalke war nach der Horror-Woche von adventlichem Frieden und weihnachtlicher Güte nichts zu merken. Manager Rudi Assauer verkündete: "Was gegen Krakau und auch ansonsten abgelaufen ist, darauf wird es eine Reaktion geben. Am 3. Januar wird es dazu von mir eine Neujahrsansprache geben." Die wird sicherlich nicht besinnlich werden und einer wird womöglich gar nicht mehr in ihren Genuss kommen. Denn für Jörg Böhme, den mal genialen, oft verrückten Außenspieler, geht die Ära Schalke wohl vorbei. In München fehlte er, offiziell wegen einer "plötzlichen Magen- und Darmgrippe". Nach der Suspendierung samt Begnadigung im November aber soll den Verantwortlichen vor allem seine Leistung und die Einstellung gegen Krakau missfallen haben. Die Trennung steht fest, jetzt geht es noch darum, ob sie bereits in den nächsten Tagen oder erst zum Saisonende passieren wird.

Böhmes Kollegen mühten sich derweil redlich, wollten nach dem Desaster vom Dienstag beim 1:4 gegen Krakau wenigstens München schadlos verlassen. Da war klar, dass die Null stehen musste, denn ein Tor selbst zu erzielen, ist ihnen im Moment wohl nicht zuzutrauen. Das weiß auch Trainer Frank Neubarth, der einräumte, "dass wir vor allem in der zweiten Halbzeit nicht mehr so viel machen konnten". Schließlich fehlten ja auch viele Stürmer. Dennoch hatten Schalker Betonierer die spektakulärste Angriffsszene: Eine Dreißig-Meter-Direktabnahme von Sven Kmetsch angelte Kahn aus dem Torwinkel. Sein Kollege hatte einen noch ruhigeren Nachmittag, was Kahn missfiel. "Der Frank Rost musste keinen Ball halten - ein Witz".

Bei Schalke war man deshalb hochzufrieden. Nico van Kerckhoven sprach aus, was alle dachten: "Nach der schlimmen Woche ist ein Unentschieden in München für uns wie ein Sieg." Einer gegen die Unsicherheit, die Versagensängste und die miese Stimmung. Und so ist man schon wieder frohen Mutes und Assauer spricht davon, "dass wir noch auf Platz drei wollen".

Viele Schalker waren erleichtert, wieder zu gemeinsamer Arbeit zurückgefunden zu haben. "Wir waren mal wieder eine Mannschaft auf dem Platz", sagte Marco van Hoogdalem, und Manager Assauer erläuterte das Essenzielle im Mannschaftssport Fußball: "Wenn jeder jedem hilft, dann hast du ein gutes Team." Aussagen, die wohl auch mit Böhme zu tun haben, sagte Assauer doch vor einiger Zeit: "Ein fauler Apfel im Korb ist unheimlich gefährlich." Der Obstkorb Schalke ist nun offenbar wieder ausschließlich mit genießbaren Früchtchen gefüllt.

Die Verantwortlichen des FC Bayern wollten das gruselige Tun ihrer Angestellten milder betrachten als Torwart Kahn. Franz Beckenbauer begründete die beidseitige Leistung mit: "Ja mei . . . wetterbedingt." Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sah auch das Positive: "Es ist vielleicht ganz gut, wenn die Mannschaft im Hinterkopf hat, dass die Dinge kein Selbstläufer sind." Denn mit nunmehr sechs Punkten Vorsprung sei man etwas konzentrierter als mit deren acht, vor allem weil "Dortmund angreifen wird".

Nach insgesamt ebenso tristen wie torlosen 210 Minuten Bayer gegen Schalke im eisigen Dezember 2002 ist der Neubarth froh, "dass das nächste Spiel in Gelsenkirchen stattfindet" und Rummenigge darüber, "dass es im Mai ist". Die Fans sehen es ähnlich.

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