Das Amt des US-Vizepräsidenten
„Nicht einen Eimer warmer Spucke wert“

Im Normalfall erlangt der US-Vizepräsident nur dann Macht, wenn dem Präsident etwas zustößt. Allerdings war das Amt des „vice president“ schon mehrfach das Sprungbrett und Empfehlung für höhere Aufgaben. Was den „Vize“ ausmacht.

HB DÜSSELDORF. Eigentlich hat der Vize-Präsident der USA kaum Macht. Der "veep", wie der "vice president" kurz genannt wird, ist laut Verfassung der Ersatzmann des Präsidenten. Formell ist er auch der Vorsitzende des Senats, aber dort darf er nur bei einem Patt mit abstimmen. Allerdings können die Jahre im Schatten des Präsidenten für eine eigene Kandidatur entscheidend sein, wie Richard Nixon und George Bush - der Vater des jetzigen Präsidenten - gezeigt haben.

Acht Mal stiegen Veeps nach dem Tod ihrer Vorgesetzten auf. Oft waren das Schicksalsmomente für die USA. Als der große Staatsmann Abraham Lincoln getötet wurde, übernahm Andrew Johnson seinen Platz. Er war jedoch den Herausforderungen des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg nicht gewachsen. Harry S. Truman erfuhr erst nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt von dem Atombomben-Programm und der Entscheidung, die er würde treffen müssen. Und es war der weniger charismatische, aber in der Alltagspolitik gewiefte Lyndon B. Johnson, der viele von John F. Kennedys Visionen erst verwirklichte.

Die tatsächliche Macht des Vize-Präsidenten hängt davon ab, wie viel ihm der Präsident gibt. Früher nahm der Vize nicht einmal an Sitzungen des Kabinetts teil. Roosevelts erstem Stellvertreter John Nance Garner wird der Spruch zugeschrieben, das Amt sei "nicht einen Eimer warmer Spucke wert". Das andere Extrem bildet der jetzige Inhaber Dick Cheney, der wohl mächtigste Vize-Präsident bislang. Bezeichnend ist dabei, dass Cheney alle Ambitionen auf die Präsidentschaft von sich weist. Nur so, hat er erklärt, sei die reibungslose Zusammenarbeit möglich. Die Chemie zwischen den - bislang ausschließlich - zwei Männern ist ein wichtiges Kriterium, nach dem der Kandidat für die Präsidentschaft seinen "running mate" aussucht. Oft soll der Vize auch Stärken mitbringen, die vermeintliche oder tatsächliche Schwächen des Bewerbers ausgleichen. Im Fall von Barack Obama und Joseph Biden weist der 65-jährige Senator aus Delaware eine langjährige politische, vor allem außenpolitische Erfahrung auf, die seinem 47-jährigen Kollegen aus Illinois fehlt. Am Ende weist aber wenig darauf hin, dass der Vize-Kandidat einen großen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten der Wähler hat. Formell entscheiden die Nominierungsparteitage, wer dem Hoffnungsträger an die Seite gestellt wird. Bei den vergangenen Wahlkämpfen folgten die Delegierten jedoch dem Wunsch des Präsidentschaftskandidaten.

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