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Das andere Deutschland in New York

"Besuchen Sie Deutschland mitten in New York. Es ist umsonst." Die Werbestimme im Radio klingt wie das übliche "Buy two, get one free", mit dem die amerikanischen Supermärkte ihre Kunden in die Läden locken.

"Besuchen Sie Deutschland mitten in New York. Es ist umsonst." Die Werbestimme im Radio klingt wie das übliche "Buy two, get one free", mit dem die amerikanischen Supermärkte ihre Kunden in die Läden locken. Hinter dem ungewöhnlichen Lockruf aus dem Radio verbirgt sich die Ausstellung "Germany - A Sense-sational Experience"""" im berühmten Bahnhof Grand Central. In der dortigen Vanderbilt-Halle will sich Deutschland den Amerikanern von der besten Seite zeigen.

Die Deutsche Welle zum Beispiel zeigt, was gerade auf deutschen TV-Bildschirmen flimmert. Das Goethe-Institut versucht den Besuchern mit viel Wortakrobatik und historischen Zitaten der deutschen Dichter und Denker die Tiefen und Schönheiten der deutschen Sprache nahe zu bringen. Etwas leichter haben es da schon die kulinarischen Stände aus den deutschen Bundesländern - sei es Wein aus Baden-Württemberg oder Bier aus Bayern oder Muesli aus dem Odenwald. Ein ganzes Kochstudio hat man eingerichtet, um die Genüsse der "Neuen deutschen Küche" vorzustellen. Fast alle Stände setzen auf Interaktion, wollen Spaß und gute Laune verbreiten.

"Wir präsentieren ein modernes, fortschrittliches Land", sagt der aus Washington angereiste Botschafter Wolfgang Ischinger zur Eröffnung. Um das zu unterstreichen haben die Organisatoren aus Kaiserslautern eine Fußballmannschaft von Roboter-Hunden eingeflogen, die sich auf der Bühne wie ferngesteuert um einen Plastikball rangeln. Einige der Blechhunde mit dem Chip im Kopf scheinen jedoch noch unter dem Jetlag zu leiden und laufen etwas orientierungslos umher. Dennoch: Die Botschaft kommt an - Deutschland ist Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Zwei Jahre lang haben die Organisatoren die Ausstellung vorbereitet, die drei Wochen lang das Deutschland-Bild der Amerikaner auffrischen soll. Auf Interesse dürfen sie hoffen. Immerhin haben 40 Millionen US-Bürger ihre Wurzeln in "Good Old Germany" - das sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung.

Dennoch gleicht die Imagepolitur einer Sysiphus-Arbeit - angesichts all der Negativ-Schlagzeilen, die derzeit von jenseits des Atlantiks nach Amerika dringen. Wie will man ein selbstbewusstes, optimistisches und gut gelauntes Land verkaufen, wenn Wörter wie Wirtschaftskrise, Selbstzweifel und Reformstillstand die Schlagzeilen aus Deutschland bestimmen. Da tut es gut, dass die Ausstellung dagegen hält und das andere Deutschland präsentiert, das von der aktuellen politischen Diskussion allzu oft Überschattet wird. Das ist gerade in den USA besonders wichtig. Wer in Schwierigkeiten ist und sich ernsthaft bemüht, aus dem Schlamassel heraus zu kommen, kann auf die Sympathie der Amerikaner rechnen. Für Selbstmitleid und Volksgejammer hat man dagegen hier kein Verständnis.

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