Das Angebot wird die Nachfrage künftig massiv übersteigen
Autoherstellern im Luxussegment fehlen Kunden

Alle führenden Hersteller wollen im Segment der Superluxusautos ein Wörtchen mitreden. Bis zum Jahr 2005 werden mindestens sechs Marken um die Gunst von nicht einmal 3 000 Kunden buhlen.

pha DÜSSELDORF. Sie gelten als eine Art Gipfel der modernen Technik, verbunden mit dem Anspruch vornehmster Eleganz und unwiderstehlicher Kraft, "High-end"-Automobile vom Schlage eines Maybach, Rolls-Royce, Bentley oder Bugatti, die in den nächsten zwölf Monaten zu den Händlern rollen. Sie sind Technologieträger und bleiben ausschließlich den vermögensten Autokunden rund um den Globus vorbehalten. Die Fahrzeuge der neuen Superluxusklasse sind so teuer wie Immobilien.

In der Preisklasse mit 250 000 Euro und mehr werden sich die Hersteller um die Gunst von nicht einmal 3 000 Kunden weltweit streiten. Da geht es um Prestige, und das ist so manchem Konzern das Risiko wert, möglicherweise auf der Strecke zu bleiben oder zumindest mit den sündhaft teuren Autopretiosen Verluste einzufahren.

Denn kommt es laut einer Studie des IFA-Instituts in württembergischen Nürtingen zu den derzeit formulierten Planzahlen, wird es bis 2005 im Superluxussegment zu einem erheblichen Kapazitätsüberhang kommen. Dem zu erwartenden jährlichen Absatz von maximal 3 500 Fahrzeugen stünde dann ein Produktionsvolumen von etwa 4 500 Autos gegenüber.

Dass ausgerechnet zwei dieser wertvollen Autonamen einmal zum Wolfsburger Volkswagen-Konzern gehören würden, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Der gerade vorgestellte Bentley Arnage T kostet 263 068 Euro, erfordert also eine Barschaft, mit der sich schon leicht ein kleineres Häuschen erwerben ließe.

Verglichen mit einem Haus geht es im Bentley natürlich eng zu. Doch die maximal vier Insassen umweht eine Aura von unerschöpflichem Luxus. Leder vom Feinsten, edle Hölzer und klassische Armaturen, dazu knöcheltiefe Teppiche sowie Türen, die wie Portale ins Schloss fallen und damit - bis auf das vornehme Ticken der Borduhr - alle störenden Geräusche von den Insassen fern halten. Leistung im Überfluss (456 PS, 825 Nm Drehmoment) verbindet im Arnage T das entspannte Reisen in unaufdringlicher Eleganz mit der sportlichen Markentradition des Hauses Bentley.

Für ein anderes Markenjuwel aus dem VW-Konzern reicht der Geldbetrag für einen Arnage T freilich nur als Anzahlung: Rund 1 Mill. Euro werden die Kunden auf den Tisch blättern müssen, die zu den auserwählten Kunden eines Bugatti 16.4 Veyron gezählt werden möchten. Von 2003 an soll dieses im Elsass gebaute Edelgefährt zu haben sein, gerade 50 Stück pro Jahr sind geplant. Der Traumsportwagen der Superlative - selbstverständlich superluxuriös ausgestattet - fährt mit einer Technik vor, die sonst nirgendwo zu haben ist: Sein Triebwerk hat 16 Zylinder und 1 001 PS.

Da wirken die 340 000 Euro für die kurze und 385 000 Euro für die lange Version des neuen Maybach von Mercedes-Benz fast schon fast bürgerlich. Das neueste Stuttgarter Produkt dürfte vom Herbst an bei den Händlern stehen, gut 1 000 Autos sollen pro Jahr gefertigt werden.

Der neue Rolls-Royce aus dem BMW-Konzern muss sich beim Preis am Niveau der anderen britischen Traditionsmarke Bentley orientieren. Zudem wird der Noch-Eigentümer Volkswagen keine sonderlichen Vertriebsanstrengungen mehr an den Tag legen. Rolls-Royce war deshalb bespielsweise nicht mehr auf den beiden wichtigen Automessen in Detroit und in Genf zu sehen. Volkswagen wird die Marke Rolls-Royce zum Jahreswechsel vereinbarungsgemäß an BMW abtreten, die Wolfsburger mochten deshalb nicht mehr in die Messeauftritte des künftigen Konkurrenten investieren.

Ähnlich wie Maybach muss auch Rolls-Royce als Luxus-Marke so schnell wie möglich mit neuen, einzigartigen Modellen aufwarten, um den unverändert hohen Preis zu rechtfertigen. Zumal andere Elitemarken wie Aston Martin, Lagonda oder Daimler Pläne für ähnlich teure Autos auch schon in der Schublade haben.

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