Das Bay Area Laboratory Co-Operative geriet in den Fokus der Ermittler
Erste Befragungen vor Gericht im Doping-Skandal

Regina Jacobs und Kevin Toth, die unter Dopingverdacht stehenden US-Leichtathleten, mussten in San Francisco vor Gericht aussagen. Das Interesse bei den Befragungen galt auch dem Bay Area Laboratory Co-Operative (BALCO) aus Kalifornien, indem das anabole Steroid Tetrahydrogestrinon (THG) entwickelt worden sein soll.

SAN FRANCISCO. Bei den Verhören am Donnerstag (Ortszeit) vor dem Bundesgericht in San Francisco wurden die Sportler unter anderem befragt, ob sie das neu entdeckte THG oder das Blutdopingmittel EPO genommen und diese unerlaubten Präparate vom BALCO aus dem kalifornischen Burlingham bezogen hätten. Details von der Anhörung wurden nicht bekannt.

In dem dortigen Unternehmen, dessen Präsident Victor Conte alle Verdächtigungen von sich weist, soll THG entwickelt worden sein. Gegen BALCO wird auch wegen diverser Verstöße gegen Steuer- und Geldwäschegesetzte ermittelt. Bei einer Großrazzia am 3. September wurden neben Steroiden auch Wachstumshormone gefunden.

Die positiven Proben von Mittelstrecklerin Jacobs und Kugelstoßer Toth stammen von den US-Meisterschaften im Juni im kalifornischen Stanford. Dort wurde auch Hammerwerfer John McEwen der THG-Einnahme überführt. Als bislang vierter Athlet ist der britische Sprint- Europameister Dwain Chambers bei einer Trainingskontrolle am 1. August in Saarbrücken positiv auf THG getestet worden. Ihnen droht beim gleichen Ergebnis in der B-Probe eine zweijährige Sperre.

Neben Jacobs und Toth werden in den nächsten Wochen noch bis zu 100 Athleten vor dem Bundesgericht aussagen müssen. Dazu zählen die Baseball-Stars Barry Bonds und Jason Gambi, Profibox-Weltmeister Shane Mosley oder Sprinterin Kelli White, die allesamt zu den Kunden von BALCO gehören. White droht die Aberkennung ihrer beiden Sprint- Goldmedaillen von den Weltmeisterschaften im August in Paris, wo ihr wie Hürdensprinter Chris Phillips die Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Modafinil nachgewiesen wurde.

Im Zuge der abermaligen Untersuchungen von Urinproben auf THG sind neben White und Phillips auch die Staffel-Olympiasieger Calvin Harrison und Chryste Gaines, die WM-Zweite über 400 m Hürden Sandra Glover sowie der US-Meister über 400 m Hürden, Eric Thomas, als Modafinil-Sünder überführt worden. Auch diese Proben stammen von den Trials in Stanford.

Die Stars der amerikanischen Leichtathletik sehen der internationalen Doping-Großfahndung offenbar ohne Angst vor persönlichen Konsequenzen entgegen. Olympiasieger wie Jon Drummond, Gail Devers und Stacy Dragila sowie der dreimalige Kugelstoß- Weltmeister John Godina betrachten die ertappten Sünder lediglich als "schwarze Schafe" der Szene und plädieren für eine lebenslängliche Verbannung der Doper aus den Sport-Arenen. "Einmal Betrüger - immer Betrüger. Ich bin für lebenslängliche Sperren bei Dopingsündern und das Löschen aller ihrer Rekorde", sagte Godina zu dem Skandal.

Dass die glorreiche US-Leichtathletik ganz und gar im Doping-Sumpf versinkt, daran glauben Godina & Co. nicht. "Die Leute sagen, unsere Sportart ist die schmutzigste überhaupt. Aber ich bitte darum zu differenzieren", forderte Drummond. "Wir sind die am meisten überwachte Sportart und die, über die am meisten berichtet wird, wenn es um Doping geht."

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